Die klinisch bedeutsamsten Typ I-Allergien sind Allergien auf:

Für diese 4 Allergengruppen sind ausschließlich IgE-vermittelte Typ I-Allergien relevant.


NEU: Diagnostik mit rekombinant hergestellten Allergenkomponenten

Durch Einsatz gentechnisch hergestellter Allergenkomponenten ist nicht nur eine höhere Spezifität in der Allergiediagnostik möglich, sondern auch die getrennte Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper gegen Haupt- und Nebenallergene. 

Seit 2017 steht das ImmunoCAP® ISAC IgE-Allergieprofil zur Verfügung mit dem auf 112 Allergenkomponenten untersucht werden kann. Mehr zur klinischen Anwendung erfahren Sie hier.



Bei Schimmelpilzen und Nahrungsmitteln können Typ-I aber auch zellulär vermittelte Typ-IV Allergien auftreten. Medikamentenallergien sind dagegen nahezu ausschließlich T-zellulär vermittelt (also Typ IV-Allergien).

Ablauf einer Typ I-Allergie = IgE-vermittelte Soforttypallergie

Bei der Typ I-Allergie bilden sich beim (symptomlosen) Erstkontakt allergenspezifische IgE-Antikörper. Diese binden sich an die Oberfläche von Mastzellen (histaminreiche Zellen die in allen Schleimhäuten vorhanden sind). Die Reaktion erfolgt beim Zweitkontakt innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten. Antigene sind im Allergiefall freie / gelöste Moleküle, die vom Immunsystem fälschlich als bedrohlich angesehen werden. Die Bindung des Antigens (Allergens) führt durch eine Kreuzvernetzung zweier oder mehrerer IgE-Antikörper zur Aktivierung der Mastzellen und Basophilen und zu deren Degranulierung. Es werden augenblicklich präformierte Entzündungsmediatoren wie Histamin, später auch neu synthetisierte Faktoren wie Leukotriene und Prostaglandine freigesetzt. Während Histamin vor allem für die Soforttypsymptomatik (Augentränen, Naselaufen, Juckreiz, Bronchospasmus, Anaphylaxie) verantwortlich ist, initiieren die Leukotriene und Prostaglandine die Entzündungsreaktion und damit die verzögerten und oft chronifizierten Beschwerden (Ekzeme, Asthma, Verstopfung der Nase).

Abb.1: Auf einer Mastzelle oder auf Basophilen Granulozyten sind oft 30000 bis 50000 IgE-Antikörper unterschiedlicher Spezifität gebunden. Das „Cross linking“ von zwei Antikörpern führt zur Aktivierung und augenblicklichen Freisetzung von Histamin.

Der Abbau des freigesetzten Histamins erfolgt im Wesentlichen durch die Diaminooxidase (DAO). Ca. 2-5% der Bevölkerung haben einen angeborenen oder erworbenen Mangel an diesem Enzym (Histaminintoleranz, DAO-Mangel). Dieses hat bei den betroffenen Patienten zur Folge, dass persistierend erhöhte Histaminspiegel im Organismus vorhanden sind, welche durch Bindung an Histaminrezeptoren verschiedener Organe eine Histaminintoleranz mit allergie-untypischen Beschwerden verursachen können.

Abb.2: Die Inaktivierung von bioaktivem Histamin geschieht durch Abspaltung einer Aminogruppe (-NH2) die für die Bindung am Rezeptor notwendig ist. Das entstehende Spaltprodukt wird methyliert und über den Urin ausgescheiden.

Systemische Histamineffekte

Die Primärsymptome einer Soforttypallergie treten immer am Ort des Allergenkontaktes auf. Eine Anaphylaxie (z.B. bei Wespengiftallergie) ist eine systemische Überreaktion die sich vor allem am Bronchial- und Gefäßsystem manifestiert. Histamin kann aber, insbesondere wenn es nicht ausreichend schnell durch die Diaminooxidase abgebaut wird, auch ohne Anaphylaxie systemische Effekte und somit unspezifische Allgemeinsymptome auftreten.
In einer Studie von Tollefsen et al. waren allergische Beschwerden bei Patienten mit Pollensensibilisierung signifikant mit Kopf- und Muskelschmerzen assoziiert.

Systemische Histamineffekte erklären sich aus der Verteilung von Histaminrezeptoren im Organismus.  

Diagnostik bei IgE-vermittelten Allergien

Total-IgE
Typ I-Allergiker haben häufig aber nicht in jedem Fall ein erhöhtes (Gesamt)-IgE (Total-IgE) im Serum. Das Total-IgE ist kein Screeningparameter für eine Typ I-Allergie da in Abhängigkeit vom Allergen nur ca. 20% (Wespengiftallergie) bis 90% (Pollenallergie) ein erhöhtes IgE aufweisen. Im Umkehrschluss ist ein erhöhtes Total-IgE kein Garant dafür, dass man bei der Suche nach einem erhöhten allergen-spezifischen IgE-Titer fündig wird.
Das Total-IgE sollte im Rahmen des Immunstatus bestimmt werden um den bei manifesten Typ-I-Allergien eintretenden TH2-Shift des zellulären Immunsystems einschätzen zu können. Im Verlauf kann das Total-IgE auch als Progredienzmarker dienen, wenn es initial erhöht ist.
Ein erhöhtes Total-IgE tritt auch bei Parasiteninfektionen und zahlreichen Immundefekten einschließlich HIV-Infektion auf.

Allergen-spezifischen IgE
Der Nachweis Allergen-spezifischer IgE-Antikörper beweist eine immunologische Sensibilisierung auf das jeweilige Allergen. Nicht vorhandene spezifische IgE-Antikörper schließen dagegen eine Allergie weitestgehend aus.  
Der Nachweis des spezifischen IgE im Blutserum des Patienten kann mit 3 verschiedenen Labormethoden erfolgen:

1. Fluoreszenz-Enzym-Immunoassay (FEIA)
Früher wurde die Bestimmung mit dem Radio-Allergo-Sorbens-Test (RAST) durchgeführt. Obwohl heute Enzymimmunoassays verwendet werden, hat sich umgangssprachlich der Begriff RAST gehalten. Die Ergebnisse werden quantitativ in KU/l ausgegeben. Der Messbereich ist 0,35 – 100 KU/l, in 6 Klassen unterteilt. Das CAP-System der Firma Pharmacia gilt international seit Einführung bis heute als Goldstandard für die serologische Allergie-Diagnostik. Die Untersuchung erfolgt vollautomatisch. Die mehr als 600 Allergene sind an ImmunoCAP gekoppelt, eine Art Zelluloseschwamm mit sehr hoher Bindungskapazität. Das Referenzsystem ist am WHO-Standard kalibriert. Alle Ergebnisse liegen innerhalb weniger Stunden vor.
Das komplette Spektrum detektierbarer Allergene im CAP-RAST finden Sie im Analysenverzeichnis.

Die Abbildung wurde der Produktbeschreibung der Fa. Euroimmun entnommen

2. IgE-Blot
Der EUROLINE-Blot ist ein Multiparameter-Test auf Membranbasis, der auf Grund des automatisierten  EUROLineScan-Systems eine semi-quantitative Angabe von 20 bzw. 27 (Pädiatrie) verschiedenen Allergenen in einem Testlauf erlaubt. Über eine EUROBlot-Camera werden die Bandenintensitäten automatisiert in EAST-Klassen umgerechnet, so dass die Ergebnisse in dem in der Allergiediagnostik bewährten RAST (EAST)-Klassen-System ausgegeben werden können. Die Methode ist gemäß EN ISO 13485 zertifiziert und gehört in unserem Institut zu den akkreditierten Testverfahren.

Die Vorteile der Blot-Technik im Vergleich zur Einzelallergenbestimmung im FEIA (RAST sind die deutliche Kostensenkung für Privat- und Selbstzahlerpatienten wenn in einem Untersuchungsgang eine breite Anzahl von Allergenen untersucht werden soll (Screening – ideal für die Pädiatrie) und dass die Analyse aus 1 ml Serum (Kleinkinder!) erfolgen kann.

Leider kann der Blot seit dem 1.10.2008 nicht mehr über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet werden.

3. Basophilen-Degranulationstest (BTD)
Eine moderne Methode zum Nachweis allergischer Sensibilisierungen ist der Basophilen-Degranulations-Test (modifizierter CAST-Test).

Das Verfahren beinhaltet folgende Schritte:

  1. Isolation der basophilen Granulozyten aus EDTA-Blut
  2. "Priming“ der Basophilen mit Interleukin 3 zur Verbesserung der Testsensitivität
  3. Stimulation mit den entsprechenden Allergenextrakten
  4. Nach 40 Minuten Messung der bei bestehender Sensibilisierung freigesetzten Histamin-assoziierten Allergiemediatoren (Leukotriene)

Abb. Durchführung des Basophilen-Degranulationstest (CAST-Methodik)

Bei Ergebnissen > 200 pg/ml Leukotrien nach Allergenstimulation nach Abzug des Basalwertes (nicht stimulierter Kontrollansatz) gilt eine Typ I-Sensibilisierung als gesichert.

Abb. Mit dem Basophilen-Degranulationstest (BDT) wurde hier eine Bienengiftsensibilisierung sicher nachgewiesen und somit die grenzwertige spezifische IgE im CAP-RAST bestätigt.

Abb. Nachweis einer NSAIR-Hypersensitivität auf Aspirin (ASS) und Diclofenac, nicht aber auf Ibuprofen.

Vorteile des Basophilen-Degranulationstest (BDT) im Vergleich zur IgE-Bestimmung im Serum

  • Der Test weist, im Unterschied zum FEIA (RAST), die auf Basophilen gebundenen Allergen-spezifischen IgE-Antikörper nach und besitzt somit eine sehr hohe Sensitivität und hohe klinische Relevanz (klassischer „in vitro-Provokationstest“).
  • Weiterhin stören evtl. im Serum vorhandene IgG-Antikörper den Test nicht (Ursache einer höheren Sensitivität bei Schimmelpilzen, Nahrungsmitteln und auch Tierallergenen)
  • Im Unterschied zur Automatenanalyse (FEIA) oder auch zum Blot ist im BDT der Einsatz nativer Allergene möglich (z.B. mit eingesandte Medikamente oder Stoffgemische).

Als klassischer „in vitro Provokationstest“ ist der BDT auch zum Nachweis von sog. Pseudoallergien geeignet, die nicht durch IgE-vermittelt sind (einige Medikamente, Berufs- und Umweltallergene).

Hinsichtlich Sensitivität und Spezifität hat sich in unserem Labor der BDT gegenüber anderen in vitro-Provokationstesten wie Histamin-Freisetzungs-Test oder CD63-Test, als eindeutig überlegen erwiesen.

Folgende Allergene stehen für die Testung im BDT zur Verfügung hier.

Nachweis von Pseudoallergien auf Lebensmittelfarb- und Nahrungsmittelzusatzstoffe mit dem BDT.
Es werden 18 E-Stoffe in 4 Gruppen oder auf Wunsch einzeln getestet.

Abb. Befund einer 42-jährigen Patientin mit nachgewiesener Sensibilisierung auf Erythrosin (E127)

ECP (Eosinophilic Cationic Protein)
Mit dem ECP steht ein Serummarker zur Verfügung, über den die Aktivität einer Typ I-allergischen Erkrankung quantifizierbar ist.
Eosinophile Granulozyten sind bei Typ I-Allergien in ihrer Zahl und Aktivität vermehrt (Achtung: auch bei parasitären und rheumatischen Erkrankungen). Auf Grund ihrer extremen Beweglichkeit dringen Eosinophile rasch in das allergisch-entzündliche Gewebe ein und setzen hier unterschiedliche Mediatoren aus ihren Granula frei. Eines davon ist das zytotoxisch wirkende Eosinophilic Cationic Protein neben Leukotrienen (LTC4), Plättchen-Aktivierendem Faktor (PAF) und Sauerstoff-Radikalen. Die Freisetzung findet sich in verstärktem Maße bei Patienten mit Asthma bronchiale im Lungenepithel und in der ekzematös veränderten Haut von Patienten mit atopischem Ekzem sowie bei allergischer Rhinitis. Der Gewebespiegel korreliert zum Serumwert.

Klinische Bedeutung des ECP
Die Höhe des ECP-Spiegels im Serum beschreibt wesentlich besser als das IgE den allergischen Entzündungsprozess, d.h. den Aktivierungszustand der Eosinophilen.  Es korreliert sehr gut mit der Krankheitsaktivität bzw. dem Schweregrad von Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Damit dient dieser Laborparameter der Objektivierung und der Therapieüberwachung bei Asthma bronchiale und der atopischen Dermatitis. ECP dient aber auch zur Beurteilung eines Therapie-Erfolges bei antiinflammatorischen Behandlungen. Die klinische Besserung ist mit dem Abfall des Serum-ECP-Spiegels assoziiert, wohingegen der Exazerbation der atopischen Erkrankung meist ein Anstieg der ECP-Konzentration im Serum vorausgeht. Die Halbwertzeit in vivo beträgt ca. 65 Min.

Bitte beachten: Das Blut für die ECP-Bestimmung sollte unmittelbar nach Blutentnahme ins Labor gesendet werden. Andernfalls sollte nach 60-120 Minuten das Serum gewonnen und dieses bei 4°C aufbewahrt und transportiert werden.