EBV-Serologie jetzt auch mit der Multiplex-Technologie möglich

Das EBV schläft nicht

Das Epstein-Barr Virus (EBV, HHV4) ist ein humanpathogenes Herpesvirus. Ab dem 40. Lebensjahr sind ca. 98 % der Menschen mit EBV infiziert. Nur ca. 40% der Infizierten macht bei der Primärinfektion das Pfeiffersche Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) durch. Ein besonderes Merkmal des EBV ist seine Fähigkeit zur Persistenz im Organismus nach einer erfolgten Infektion, d.h. er verbleibt nach einer Erstinfektion lebenslang im Wirt (v.a. in B-Lymphozyten und Epithelzellen). Die Überwachung des EBV erfolgt durch EBV-spezifische Effektor-T-Lymphozyten, so dass es im Normalfall nicht zu einer systemischen Immunaktivierung oder Erkrankung kommt. Allerdings können infolge der lebenslangen Persistenz des Erregers Reaktivierungen auftreten, insbesondere in Phasen einer Immundefizienz (bei Patienten mit systemischen Grunderkrankungen, immunsuppressiv behandelten oder älteren Patienten oder Patienten mit zellulären Immundefekten). Aufgrund der hohen Variabilität des Krankheitsbildes der aktiven EBV-Infektion und der Überlappung mit den klinischen Bildern anderer Erkrankungen kommt einer sicheren EBV-Diagnostik eine große differentialdiagnostische Bedeutung zu.

Die Serologie muss differenzieren können

Da 98% der Bevölkerung mit EBV infiziert ist, ist die Serologie im Labor nahezu immer positiv. Wichtig ist daher vor allem die Unterscheidung zwischen den Infektionsstadien einer EBV-Infektion, die nur durch das zeitlich versetzte Auftreten der Antikörper gegen verschiedene EBV-Antigene möglich wird.
Die moderne Luminex® Multiplex Technologie integriert die Vorteile aus ELISA und Streifentesten. Für die bei uns verwendeten Multiplex recomBead EBV-Tests der Fa. Mikrogen (München) werden gentechnologisch hergestellte hochspezifische und charakteristische EBV-Proteine eingesetzt.

Die Vorteile des recomBead EBV Testes sind:

  • Im Vergleich zu den konventionellen ELISA Tests, die meist nur VCA (IgG, IgM) und EBNA-IgG enthalten, detektiert der Luminex® Multiplex Test folgende EBV-Antigene:
    • IgG: EBNA-1, VCA-p18, VCA-p23, immediate early antigen BZLF1, early antigen EA-p138 und -p54
    • IgM: VCA-p18, IEA-BZLF1, EA-p138, EA-p54
  • Der Test weist eine erfolgte Infektion mit nahezu 100%iger Sensitivität nach, v.a. weil die Sensitivität beim EBNA-1 höher ist als bei herkömmlichen ELISA-Tests.
  • Ein sich an die EBV-Serologie anschließender Immunoblot ist nicht mehr notwendig, was Zeit und Kosten spart

Material

5 ml Vollblut (Serum)

Abrechnung

Für EBM und GOÄ möglich. Die Kosten sind unverändert zum konventionellen ELISA.

Anforderung

Auf dem Anforderungsschein „Spezielle Immundiagnostik“ bitte Feld 72 ankreuzen.
Auf Überweisungsscheinen bitte vermerken: recomBead EBV-Serologie.

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Volker von Baehr unter 030 77001-220 zur Verfügung.

Der LTT auf EBV-Antigene ergänzt die Serodiagnostik bei Grenzfällen

Mit dem Lymphozytentransformationstest (LTT) werden antigenspezifische T-Gedächtnis-Lymphozy-ten im Blut des Patienten nachgewiesen. Da bei Herpesviren wie EBV, im Unterschied zu z.B. Borrelien, eine durchgemachte Infektion „normal“ ist, fällt auch der LTT auf Herpesviren in der Regel schwach bis moderat positiv aus.

Je höher der LTT, desto wacher das Virus

Trotzdem hat die zelluläre Infektionsdiagnostik auch bei Epstein-Barr-Virus eine Bedeutung erlangt, wenn serologisch eine latente bzw. chronisch persistierende Infektion nachweisbar ist.
Die Stärke der Immunantwort im LTT (d.h. Höhe des Stimulationsindex) widerspiegelt in erster Linie die Frequenz der aktuell im Blut zirkulierenden EBV-spezifischer T-Lymphozyten. Da diese Zahl bei vermehrter bzw. häufig stattfindender Virusreak-tivierung ansteigt, deutet ein hoher Stimulationsindex auf eine verstärkte Virusaktivität (bzw. Aktivität des Immunsystems gegen das Virus) hin. Insbesondere in der Verlaufsbetrachtung lässt das LTT-Ergebnis einen Rückschluss auf die Aktivität einer latenten EBV-Infektion zu.