17.10.2017

Rheumatoide Arthritis ausgelöst durch Parodontitis-Markerkeim P. gingivalis?


Chronische Parodontitis erhöht das Risiko für entzündliche Multisystemerkrankungen. Zum Beispiel entwickelt sich eine rheumatoide Arthritis (RA) signifikant häufiger bei Patienten, die eine überschießende Besiedlung der Zahntaschen mit dem Keim Porphyromonas gingivalis aufweisen. Die dieser Assoziation zugrunde liegenden Pathomechanismen beleuchtet ein aktueller Übersichtsartikel aus dem renommierten Nature Verlag (Potempa et al., Nature Reviews Rheumatology 2017; 13: 606-620). Entscheidend für die Komorbidität ist das von P. gingivalis exprimierte Enzym Peptidylarginin Deiminase. Es produziert citrullinierte Epitope, die von so genannten CCP-Antikörpern gebunden werden. Diese Antikörper richten sich auch gegen körpereigene citrullinierte Epitope. Als CCP-Autoantikörper spielen sie eine wichtige Rolle in der Diagnostik der RA. Zur Prävention der RA empfiehlt sich daher eine sorgfältige Behandlung und Kontrolle der Parodontitis mit besonderem Augenmerk auf P. gingivalis (Markerkeimanalyse in der Sulkusflüssigkeit der Zahntaschen, Analyse 15, Schein Zahnmedizin). Im Sinne einer frühzeitigen RA-Diagnostik sollten Parodontitis-Patienten mit chronisch erhöhter P. gingivalis Besiedlung als Risikopatienten für eine rheumatoide Arthritis betrachtet werden. Sie könnten von einer regelmäßigen Kontrolle der RA-assoziierten Autoantikörper profitieren (Analysen 288-290, Schein Spezielle Immundiagnostik).