Stressreize wie psychische Anspannung, körperliche Aktivität oder auch Infektionen aktivieren die neuroendokrine Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse = HHN-Achse). Über die Ausschüttung von Cortisol steigert die Stressachse Herzfrequenz und Blutdruck, mobilisiert Energieressourcen und ermöglicht so eine adäquate Reaktion auf die aktuellen Umweltbedingungen.

Eine unkontrolliert aktivierte oder überschießende Stressreaktion ist schädlich

Zwischen Individuen bestehen deutliche Unterschiede, wie stark ihre neuroendokrine Stressachse auf einen Stressreiz reagiert. Überschießende Stressantworten können dem Organismus schaden: So liegt bei Burnout und depressiver Symptomatik oft eine Hyperaktivität der Stressachse vor.

Bei Chronic Fatigue und Fibromyalgie wird hingegen häufig eine Hyporeaktivität  der HHN-Achse beobachtet!

Genpolymorphismen beeinflussen die Reaktivität der Stressachse

Unterschiede in der Stärke der Stressreaktion sind zum Teil durch Umwelteinflüsse, zum Teil genetisch bedingt: Jeder Mensch ist durch seine Erbanlagen für die Stärke und die Regulationsfähigkeit seiner Stressantwort prädisponiert:

  • Polymorphismen in den Genen COMT (Val158Met) und MAOA (High-/Low-Allel) setzen die Aktivität der Enzyme deutlich herab und verzögern den Abbau von Dopamin und Noradrenalin. Die erhöhte Stressreaktivität wird auf erhöhte Dopaminspiegel im präfrontalen Cortex und/oder erhöhte periphere Noradrenalinspiegel zurückgeführt.
  • Außerdem ist ein Polymorphismus im BDNF-Gen (Val66Met) für die Reaktivität der HHN-Achse relevant. BDNF unterstützt das Überleben von Nervenzellen und die neuronale Plastizität. Der genaue Mechanismus seiner Interaktion mit der HHN-Achse ist bislang unbekannt.

 

 

MAOA, COMT und BDNF sind u.a. in Zentren des Neocortex und Hippocampus aktiv, die vermutlich an der Regulation der HHN-Achse beteiligt sind. Hypothalamus und Hypophyse (hier grün markiert) liegen in räumlicher Nähe zu diesen Hirnarealen. Gen-Polymorphismen in MAOA, COMT und BDNF sind mit einer Fehlregulation der HHN-Achse assoziiert.

Indikation

Differentialdiagnostik bei einer Symptomatik aus dem depressiven Formenkreis und bei klinischem Verdacht, dass eine hyperaktiven Stressachse die Erkrankung fördert.

Material und Abrechnung

1 Röhrchen EDTA-Blut.
Nach dem Gendiagnostik-Gesetz ist eine Einwilligungserklärung erforderlich.
Als Selbstzahlerleistung kostet die Analyse von COMT 69€, MAOA 79,27€ und BDNF 93,26€.
Privat erfolgt die Abrechnung nach 1,15x GOÄ.

COMT

Catechol-O-Methyltransferase

Val158Met

MAOA

Monoaminooxidase A

High / Low

BDNF

Brain derived neurotrophic factor

Val66Met

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. rer. nat. Katrin Huesker  (030) 77001 – 190.