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„TIGIT“ hemmt NK-Zellfunktion
(Beitrag aus Newsletter Juli/August 2018)
Eine neue Veröffentlichung in der renommierten Zeitschrift Nature Immunology beleuchtet die Funktion der Natürlichen Killerzellen (NK Zellen) in der Tumorabwehr (Zhang et al., Nature Immunoloy 2018; 19: 723-732). Im Fokus der Studie steht ein Rezeptor, der die NK-Zellfunktion hemmt. Dieser „TIGIT“ genannte Rezeptor (TIGIT: T cell immunoglogulin and immunoreceptor tyrosine-based inhibitory motif domain) wird auch von Tumor infiltrierenden NK-Zellen exprimiert. In Patienten mit Kolonkarzinom ging die TIGIT-Aktivierung mit einer „Erschöpfung“ der NK-Zellfunktion einher. Im Tumor-Mausmodell zeigte sich sogar eine signifikante Assoziation mit Tumorprogression. Wurde TIGIT durch spezifische Antikörper blockiert, stieg die gegen den Tumor gerichtete NK-Zellfunktion an, und das Tumorwachstum wurde gehemmt. Die Studiendaten weisen damit auf ein mögliches neues „drug target“ für die Tumortherapie hin und untermauern die Bedeutung der NK-Zellfunktion für die Tumorabwehr durch das Immunsystem des Patienten. Die NK-Zellfunktion kann im Labor gemessen werden (Analyse 12, Schein „Spezielle Immundiagnostik“).

Mistelpräparate beeinflussen nicht die Aktivität der CYP 450-Enzyme
(Beitrag aus Newsletter Juli/August 2018)
Mistelpräparate werden in der Krebstherapie eingesetzt, um die Therapie-bedingten Nebeneffekte zu senken. Darüber hinaus werden Mistelpräparaten immunstimulierende Effekte zugeschrieben. Die Kombination von Mistelpräparaten mit Chemotherapeutika wirft jedoch die Frage nach möglichen unerwünschten Arzneimittelinteraktionen auf. Eine im Dezember 2017 veröffentlichte Studie untersuchte daher potentielle Interaktionen zwischen den Mistelpräparaten Helixor® A, Helixor® M and Helixor® P mit den Cytochrom P450 (CYP) - Enzymen, über die viele Zytostatika (z. B. Taxane, Cyclophosphamide etc.) verstoffwechselt werden (Schink und Dehus, BMC Complementary and Alternative Medicine 2017; 17: 521). Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Mistelpräparate in isolierten Hepatozyten keine signifikante Induktion bzw. Inhibition (> 50 %) der CYP-Enzyme hervorrufen, selbst bei extrem hohen Dosen, die klinisch nicht zum Einsatz kommen. Die in vitro-Daten ergeben damit keinen Anhalt für pharmakologisch relevante Interaktionen von Mistelpräparaten mit den CYP-Enzymen und stützen die guten Erfahrungswerte einer kombinierten Therapie von klassischen Chemotherapeutika und Mistelpräparaten. Die individuelle Wirkung von Mistelpräparaten und anderen immunmodulierenden Substanzen auf T-Lymphozyten und NK-Zellen des Patienten kann im LTT-Immunstimulation (Analyse 31) und im NK-Zell-Modulatortest (Analyse 44, beide auf dem Schein „Spezielle Immundiagnostik“) untersucht werden.

Der LTT auf Endoprothesenmetalle bekommt zunehmend Aufwind 
(Beitrag aus Newsletter Juni 2018)
Endoprothesen zum Gelenkersatz werden zunehmend bei jüngeren Patienten angewendet. Damit sind vorauszusehende Liegezeiten von 30 Jahren und mehr keine Seltenheit mehr. In mehr als der Hälfte der Fälle werden bei Hüft- und Kniegelenken Implantate aus Edelstahl oder Kobalt-Basislegierungen verwendet. Beide Tatsachen führen zwangsläufig dazu, dass den Metallallergien, insbesondere der Kobaltallergie zunehmend Bedeutung beigemessen werden muss. Eine vorbeugende Testung mit dem Epikutantest (ECT) wird trotzdem bisher nicht empfohlen, weil die Gefahr besteht, dass über den Hauttest erst eine allergische Sensibilisierung beim Patienten induziert wird, zumal diese im ECT wegen der zeitlichen Latenz unerkannt bleibt. 
Es ist daher nicht überraschend, dass zunehmend Studien zum Nachweis von v.a. Kobalt- aber auch Chromallergien mittels Lymphozytentransformationstest (LTT) publiziert werden. Aktuell gibt es eine Veröffentlichung der Universitätsklinik Basel in der renommierten Zeitschrift Contact Dermatitis (Spoerri et al., 2018; 79: 31-33), die bei 54 Patienten die Ergebnisse des ECT mit einer zytofluorometrischen Variante des LTT vergleicht. Dabei zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen LTT und ECT bei einer Sensitivität von 52,6 % und einer Spezifität von 85,7 %. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der zytofluorometrische LTT auf Kobaltchlorid bei eindeutig erhöhten Stimulationsindizes eine ausreichend relevante Information gibt und der LTT eine wertvolle Alternative zum ECT darstellt.

Eingriff in die Glykose zur Beeinflussung von Immunantworten 
(Beitrag aus Newsletter Juni 2018)
Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Immunzellen (insbesondere T-Lymphozyten) nach ihrer Aktivierung Veränderungen im Stoffwechsel durchlaufen. Während ruhende T-Zellen ihren Energiebedarf aus der oxidativen Phosphorylierung (Krebs-Zyklus) decken, kommt es nach einer Aktivierung zu einer Heraufregulation der aeroben Glykolyse. Hierbei wird, auch in Gegenwart einer ausreichenden Sauerstoffversorgung der Zelle, Energie durch den Abbau von Glukose zu Laktat gewonnen (Gärung). Dieses Stoffwechselphänomen ist auch unter der Bezeichnung Warburg-Effekt bekannt und wurde zuerst bei Krebszellen beschrieben. Wissenschaftler der John-Hopkins-Universität aus Baltimore konnten jetzt zeigen, dass Fumarsäuredimethylester (auch Dimethylfumarat) in diesen Stoffwechselweg eingreift. Dimethylfumarat (DMF) wird zur Behandlung der Psoriasis und der Multiplen Sklerose (MS) eingesetzt. In der in der Zeitschrift „Science“ publizierten Arbeit (Kornberg et al., Science 2018; 360: 449-453) konnte die Arbeitsgruppe nachweisen, dass DMF und sein aktiver Metabolit das Enzym Glycerinaldehyd-3-Phosphat-Dehydrogenase (GAPDH) inaktivieren. GAPDH ist ein Enzym der Glykolyse, das den Reaktionsschritt katalysiert, bei dem die eigentliche Energiegewinnung beginnt. Die Inaktivierung der GAPDH durch DMF führt zu einer Hemmung der Glykolyse in aktivierten Makrophagen und T-Zellen. In Zellkulturexperimenten konnte nachgewiesen werden, dass eine Behandlung mit DMF die Differenzierung von proinflammatorischen Th1- und Th17-Zellen hemmt und die der antiinflammatorischen regulatorischen T-Zellen fördert. Auch in einem Krankheitsmodell der Multiplen Sklerose führte eine Hemmung der GAPDH zu einer Verminderung der Krankheitsschwere. Insgesamt konnte so erstmalig der Nachweis erbracht werden, dass sich Immunantworten über die Blockade von Stoffwechselwegen modulieren lassen und dass dies ein möglicher Wirkmechanismus von DMF bei der Behandlung der Psoriasis und der MS sein kann.

Die Länge der Einheilphase von Zahnimplantaten ist materialabhängig
(Beitrag aus Newsletter Mai 2018)
Die aktivierte Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) ist eine Kollagenase und gilt als eines der destruktivsten Enzyme bei Parodontitis und Periimplantitis. In einer Studie nutzten die Autoren diesen Marker nun, um die inflammatorischen Prozesse während der Einheilphase an Zirkon- und Titanabutments zu vergleichen (Kumar et al., J Prosthet Dent. 2017, 118: 475-480). Die aMMP-8-Werte waren nach 1 und nach 3 Monaten im Gewebe um die Titanabutments statistisch signifikant höher im Vergleich zu den Werten um Zirkonaufbauten. Nach einem Jahr verschwanden jedoch die Unterschiede zwischen den beiden Implantatmaterialien. Diese Studie belegt, dass Titan aufgrund seiner Oberflächenbeschaffenheit anfänglich einen höheren Entzündungsreiz darstellt, was ein stärkeres „Gewebe-Remodelling“ in der Einheilphase bedingt. Dies erklärt möglicherweise die im Vergleich zu Zirkon kürzeren Einheilphasen. Die Angleichung des aMMP-8 nach einem Jahr spricht dafür, dass sich nach vollständiger Einheilung das Material-bedingte Periimplantitisrisiko zwischen beiden Implantatsystemen nicht grundsätzlich unterscheidet. Die bekannten immunologischen Unverträglichkeitsreaktionen auf Titanoxidpartikel treten vielmehr bei einer Untergruppe der Patienten in Abhängigkeit individueller Risikokonstellationen auf (im Labor bestimmbar über den Titanstimulationstest und den genetischen Entzündungsgrad, Analysen 251 und 252, Schein Spezielle Immundiagnostik).

Eingriff in die Glykose zur Beeinflussung von Immunantworten
(Beitrag aus Newsletter Mai 2018)
Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Immunzellen (insbesondere T-Lymphozyten) nach ihrer Aktivierung Veränderungen im Stoffwechsel durchlaufen. Während ruhende T-Zellen ihren Energiebedarf aus der oxidativen Phosphorylierung (Krebs-Zyklus) decken, kommt es nach einer Aktivierung zu einer Heraufregulation der aeroben Glykolyse. Hierbei wird, auch in Gegenwart einer ausreichenden Sauerstoffversorgung der Zelle, Energie durch den Abbau von Glukose zu Laktat gewonnen (Gärung). Dieses Stoffwechselphänomen ist auch unter der Bezeichnung Warburg-Effekt bekannt und wurde zuerst bei Krebszellen beschrieben. Wissenschaftler der John-Hopkins-Universität aus Baltimore konnten jetzt zeigen, dass Fumarsäuredimethylester (auch Dimethylfumarat) in diesen Stoffwechselweg eingreift. Dimethylfumarat (DMF) wird zur Behandlung der Psoriasis und der Multiplen Sklerose (MS) eingesetzt. In der in der Zeitschrift „Science“ publizierten Arbeit (Kornberg et al., Science 2018; 360: 449-453) konnte die Arbeitsgruppe nachweisen, dass DMF und sein aktiver Metabolit das Enzym Glycerinaldehyd-3-Phosphat-Dehydrogenase (GAPDH) inaktivieren. GAPDH ist ein Enzym der Glykolyse, das den Reaktionsschritt katalysiert, bei dem die eigentliche Energiegewinnung beginnt. Die Inaktivierung der GAPDH durch DMF führt zu einer Hemmung der Glykolyse in aktivierten Makrophagen und T-Zellen. In Zellkulturexperimenten konnte nachgewiesen werden, dass eine Behandlung mit DMF die Differenzierung von proinflammatorischen Th1- und Th17-Zellen hemmt und die der antiinflammatorischen regulatorischen T-Zellen fördert. Auch in einem Krankheitsmodell der Multiplen Sklerose führte eine Hemmung der GAPDH zu einer Verminderung der Krankheitsschwere. Insgesamt konnte so erstmalig der Nachweis erbracht werden, dass sich Immunantworten über die Blockade von Stoffwechselwegen modulieren lassen und dass dies ein möglicher Wirkmechanismus von DMF bei der Behandlung der Psoriasis und der MS sein kann.

Ernährung beeinflusst den klinischen Verlauf der Parodontitis
(Beitrag aus Newsletter April 2018)
Parodontitis erhöht das Risiko für eine Reihe chronisch entzündlicher Erkrankungen. Ihre Pathogenese wird durch ein Wechselspiel aus anaeroben Keimen, überschießender Immunantwort und Gewebeabbau bestimmt. Eine aktuelle Studie spricht nun dafür, dass die Versorgung mit Mikronährstoffen den Verlauf der Parodontitis signifikant beeinflusst (Luo et al., Australian Dental Journal, 6. März 2018, Online-Vorabpublikation). Die retrospektive Datenbankanalyse des „United States National Health and Nutrition Examination Survey “ zeigte einen Zusammenhang zwischen geringer Aufnahme von Vitamin A, Vitamin B1, Vitamin C, Vitamin E und Folsäure und dem Schweregrad der Parodontitis. Es wurden hierzu Daten von mehr als 6.000 Patienten analysiert. Kriterien für den Schweregrad der Parodontitis waren die Taschentiefe, der Rückgang des Zahnfleisches sowie die mögliche Lockerung des Zahnes. Die Zufuhr von Mikronährstoffen wurde auf der Grundlage eines Fragebogens über die Ernährungsgewohnheiten berechnet. Die Korrelation zum Schweregrad der Parodontitis untermauert die protektive Wirkung antioxidativer und antientzündlicher Mikronährstoffe im Verlauf chronischer Entzündungen. Zur Bestimmung des B-Vitamin-Status empfehlen wir die Messung der bioaktiven Vitamine (Analysen 105, 106b, 107b Schein Spezielle Immundiagnostik). Für Vitamin A, C und E steht die herkömmliche Spiegelbestimmung zu Verfügung.

Niedrigere Mineralstoffspiegel bei depressiven Patienten
(Beitrag aus Newsletter April 2018)
Nach einer aktuellen Studie geht Depression mit niedrigeren Mineralstoffspiegeln einher (Islam et al., BMC Psychiatry 2018; 18: 94). Dies ergab eine Auswertung der Mineralstoffanalysen bei 247 depressiven Patienten und 248 gesunden Kontrollprobanden. Der Vergleich zeigte signifikant niedrigere Spiegel an Calcium, Magnesium, Mangan, Selen und Zink bei den depressiven Patienten, sowie höhere Kupferspiegel. Beide Gruppen hatten dieselbe Alters- und Geschlechtsverteilung. Die betroffenen verminderten Mineralstoffe sind auf vielfältige Weise an zentralnervösen Funktionen beteiligt. Aufgrund der multifaktoriellen Genese depressiver Erkrankungen ist dennoch überraschend, dass der Mineralstoffstatus bereits in der hier untersuchten eher kleinen Studienpopulation einen statistisch signifikanten Einfluss zeigt. Der beobachtete Kupferanstieg ist als Zeichen von Immunaktivierung zu werten, da Kupfer bei Entzündung im Blut unabhängig vom Versorgungsstatus an Coeruloplamin gebunden ansteigt. Damit untermauern die aktuellen Ergebnisse einmal mehr die Bedeutung chronischer Entzündung für die Entstehung depressiver Symptomatiken. Für die Untersuchung des Mineralstoffstatus empfehlen wir die „Vollblutmineralanalyse“ im EDTA- oder Heparin-Vollblut, entweder im Mineralstoffprofil unter Berücksichtigung toxischer Antagonisten oder als gezielte Einzelanalyse (letzteres auch als Leistung der GKV). 

Beeinflussen salzsensitive Darmbakterien den Blutdruck?
(Beitrag aus Newsletter März 2018)
Der erhöhte Verzehr von Speisesalz gilt als Risikofaktor für Hypertonie. Studien zeigen, dass salzreiche Ernährung zur vermehrten Bildung einer speziellen Population pro-entzündlicher T-Zellen führt, sogenannter Th17-Zellen. Die übersteigerte Aktivität dieser Zellen bzw. das von ihnen produzierte Zytokin IL-17 wird u. a. für Bluthochdruck, aber auch für die Etablierung von Autoimmunerkrankungen mitverantwortlich gemacht. Nicola Wilck und Kollegen stellen in ihrer jüngsten Veröffentlichung nun einen Zusammenhang zwischen Immunsystem, salzreicher Ernährung und Darmflora her (Wilck et al. Nature, 2017; 551: 585-589). Zunächst konnten sie sowohl in der Maus als auch beim Menschen zeigen, dass eine erhöhte Salzzufuhr bestimmte salzsensitive Darmbakterien hemmt, insbesondere Lactobacillen. Diese Bakterienstämme sind in der Lage Tryptophan zu Indol-Metaboliten zu verstoffwechseln, die vermutlich die Bildung von Th17-Zellen bremsen. Im Mausmodell verringerte die orale Gabe von Lactobacillus murinus die Zahl der durch salzreiche Nahrung induzierten Th17-Zellen. Der Rückgang der Th17-Zellen ging einher mit einer Senkung des Blutdrucks und einer milderen Ausprägung einer experimentellen Autoimmunerkrankung (EAE-autoimmune encephalomyelitis). Die Studie zeigt damit eine bislang unbekannte Interaktion der Darmflora mit dem Immunsystem. Darüber hinaus untermauern die Daten die Bedeutung von Th17-Zellen für die Entstehung von Bluthochdruck, zumindest in einer Subgruppe der Patienten. Die Th17-Zellpopulation kann im Labor im Rahmen des T-Helferzellstatus untersucht werden (Analyse Nr. 21, Schein Spezielle Immundiagnostik).

Vitamin-D-Mangel – Ursache oder Epiphänomen von Autoimmunerkrankungen?
(Beitrag aus Newsletter März 2018)
Ein aktueller Übersichtsartikel beleuchtet die Funktion von Vitamin D in der Pathogenese des systemischen Lupus erythematodes (SLE) und stellt Studienergebnisse einander gegenüber, die für und wider eine ursächliche Rolle von Vitamin-D-Mangel in der Entwicklung des SLE sprechen (Shoenfeld et al., Autoimmunity Reviews 2018; 17: 19–23).Gegen eine Kausalität spricht vor allem, dass die Erkrankungsaktivität nicht mit dem Vitamin-D-Spiegel korrelierte, solange Patienten nicht supplementierten. Für eine kausale Rolle hingegen sprechen klinische Studien, die durch Vitamin- D-Supplementierung die Spiegel proentzündlicher Zytokine (IL-1, IL-6, TNF-alpha) senkten und den Anteil regulatorischer T-Zellen erhöhten. Auch ein Rückgang der SLE-spezifischen Autoantikörper wurde beschrieben. Die Autoren betonen, dass sich epidemiologische Studien grundsätzlich auf den Calcidiol-Spiegel (25-OH-Vitamin D) beziehen, das als Speicherform angesehen wird. In der klinischen Praxis empfiehlt sich die zusätzliche Bestimmung der aktiven Form, des Calcitriols (1,25-OH-Vitamin D). Der am IMD aus Calcitriol und Calcidiol errechnete „Vitamin-D-Quotient“ kann eine überschießende Calcitriol-Bildung anzeigen, die entzündungsfördernd wirkt und daher dafür spricht, das Therapie-Regime zu überdenken (Anforderung „Vitamin-D-Quotient“).

Vermehrte Anreicherung von Cadmium bei rheumatoider Arthritis (RA)?
(Beitrag aus Newsletter Februar 2018)
Aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit konkurriert das Schwermetall Cadmium mit dem essentiellen Spurenelement Zink um Bindungsstellen in Enzymen und Transportproteinen. Neue Studiendaten weisen darauf hin, dass diese antogonistischen Wechselwirkungen bei entzündlichen Erkrankungen besondere Bedeutung haben könnten (Bonaventura et al., PLoS One 2017, 12: e0180879). Die Ergebnisse zeigten einerseits, dass in Abhängigkeit des Zelltyps unterschiedliche Metalle eingelagert werden. So reicherten kultivierte Synovialzellen deutlich mehr Cadmium an als Bismut, Blei, Gold oder Zinn. Zugabe von TNF-alpha zur Zellkultur steigerte die Cadmium-Akkumulation in Zellen von RA-Patienten, nicht aber in Zellen, die von Patienten mit Arthrose stammten. Der intrazelluläre Cadmiumtransport wurde durch Zink dosisabhängig gehemmt. Die Folgeversuche zeigten, dass diese Wechselwirkung auf einer Konkurrenz um Proteine beruht, die Zink bei Entzündung vermehrt ins Zellinnere transportieren, wie Metallothioneine und das Transportprotein ZIP-8. Insgesamt deuten die neuen in vitro-Daten darauf hin, dass Entzündung die intrazelluläre Cadmiumanreicherung fördern kann, in Abhängigkeit des Zinkstatus. Dieser Zusammenhang untermauert einmal mehr die Bedeutung antagonistischer Wechselwirkungen zwischen toxischen Metallen und essentiellen Spurenelementen bei entzündlichen Erkrankungen (Mineralstoffprofile Analysen 101, 102, 113; Schein Spezielle Immundiagnostik).

Kann E171 (Titandioxid) entzündliche Darmerkrankungen verstärken?
(Beitrag aus Newsletter Februar 2018)
Eine neue Studie an einem Mausmodell für Colitis ulcerosa zeigt, dass oral aufgenommenes Titandioxid Entzündungen der Darmschleimhaut verstärken kann (Ruiz et al., Gut 2017; 66: 1216-1224). Der entzündungsfördernde Effekt der Partikel wird nach Aufnahme durch Makrophagen durch das so genannte NLRP3-Inflammasom vermittelt, ein Mechanismus, der bereits als immunologische Unverträglichkeitsreaktion auf Abriebpartikel aus dentalen Titanimplantaten bekannt ist. Die untersuchten Mäuse zeigten darüber hinaus Ablagerungen von Titandioxid-Partikeln in der Milz. Tatsächlich wiesen auch Patienten mit Colitis ulcerosa signifikant höhere Titanspiegel im Blut auf als Probanden ohne Darmentzündung. Diese vermehrte systemische Aufnahme ist vermutlich auf die bei Darmentzündung üblicherweise gesteigerte Durchlässigkeit des Darms für Fremdstoffe („Leaky gut“) zurückzuführen. Wenn die proentzündliche Wirkung von Titanoxid-Partikeln auf die Darmschleimhaut auf den Menschen übertragbar ist, sollten Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen die orale Zufuhr von Titandioxid z.B. als Lebensmittelzusatzstoff E171 und in Zahnpflegeprodukten minimieren. Die systemische Aufnahme von Titandioxid kann über den Titanspiegel im EDTA-Blut bestimmt werden (Analyse 273, Schein Spezielle Immundiagnostik), zur Labordiagnostik der Darmbarrierefunktion eignet sich das Zonulin im Serum (Analyse 181).

Das Landgericht Berlin stoppt das Inkrafttreten der S3-Leitlinie Neuroborreliose
(Beitrag aus Newsletter Januar 2018)
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) darf ihre S3-Leitlinie Neuroborreliose nach einer einstweiligen Verfügung des Berliner Landgerichtes (Az. 10 O 349/17) nicht verabschieden oder veröffentlichen. Für eine Zuwiderhandlung wurde ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro festgesetzt. Den Antrag bei Gericht haben die Deutsche Borreliosegesellschaft und der Borreliose und FSME-Bund gestellt. Diese beiden Organisationen waren an der Leitlinienerstellung beteiligt. Der Grund des Streites war, dass die abgegebenen Dissenshinweise von der federführenden DGN nicht wie in den Regularien der AWMF vorgesehen, in den Leitlinientext aufgenommen werden sollten sondern lediglich in den Leitlinienreport, der aber bekanntlich von Ärzten und Behörden nahezu nie gelesen wird. Der Dissens besteht vor allem darin, dass die oben genannten Gesellschaften nicht gemäß den AWMF-Statuten in die Leitlinienarbeit einbezogen wurden und ihre Argumente und Literaturhinweise oft unberücksichtigt blieben. Außerdem wurden Zweifel an der Unabhängigkeit der Leitlinienautoren geäußert. Der Ausgang dieses Verfahrens ist ungewiss. 

Glucosinolate aktivieren die Entgiftung und hemmen Entzündung – doch Vorsicht bei Jodmangel!
(Beitrag aus Newsletter Januar 2018)
Ein aktueller Übersichtsartikel von Wissenschaftlern der Universität Lübeck fasst die Wirkungsweisen von Glucosinolaten zusammen, einer Stoffgruppe, die u. a. in Kohlgemüse vorkommt und auch als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird (Sturm und Wagner, International Journal of Molecular Science 2017; 18: 1890). Im menschlichen Körper werden Glucosinolate von Darmbakterien zu verschiedenen Isothiocyanaten abgebaut. Isothiocyanate aktivieren einerseits über den Transkriptionsfaktor Nrf2 die Expression von Entgiftungsenzymen der Phase II sowie die Bildung der gamma-Glutamylcystein-Synthetase, einem essentiellen Enzym des Glutathion-Metabolismus. Gleichzeitig blockieren sie den Transkriptionsfaktor NfKB und hemmen damit die Produktion proentzündlicher Zytokine. Neben der beschriebenen entzündungshemmenden und entgiftungsfördernden Wirkung ist jedoch zu beachten, dass Glucosinolate die Aufnahme von Jod in die Schilddrüse hemmen. Eine hohe Zufuhr an Glucosinolaten kann daher eine Unterversorgung der Schilddrüse bedingen. Die lokale Unterversorgung ist an der Jodausscheidung im Urin nicht zu erkennen, kann sich jedoch aufgrund verminderter Bildung von Schilddrüsenhormonen in Form niedriger Jod-Serumspiegel manifestieren. Wegen der goitrogenen Wirkung ist eine exzessive Zufuhr von Glucosinolaten oder ein übermäßiger Verzehr von Brokkoli und anderem Kohlgemüse kritisch zu sehen. Ggf. sollte die Schilddrüsenfunktion (TSH, fT3, fT4) kontrolliert werden. 

Studie bestätigt die Möglichkeit einer „Weizensensitivität“ unabhängig von Zöliakie und Allergie
(Beitrag aus Newsletter Dezember 2017)
Seit einigen Jahren ist bekannt, dass es neben der Zöliakie und den Weizenallergien eine weitere Form der Weizenunverträglichkeit gibt. Die Pathogenese dieser so genannten Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NZWS) ist derzeit noch unklar, angenommen wird eine Aktivierung des unspezifischen Immunsystems durch Weizenproteine. Diese Theorie wird jetzt durch eine Studie an 11 Kindern mit Weizensensitivität, bei denen eine Zöliakie und Weizenallergien sicher ausgeschlossen wurden, 18 Kindern mit aktiver Zöliakie und 16 gesunden Kindern untermauert (Alvisi et al., Int J Food Sci Nutr 2017, 68: 1005). Die PBMC dieser Kinder wurden mit extrahierten Weizenproteinen inkubiert. Dabei zeigten die Kinder mit Weizensensitivität eine signifikant erhöhte Freisetzung des proinflammatorischen Chemokins CXCL10 verglichen mit den beiden anderen Gruppen. Interessanterweise war die Immunantwort gemessen an der Chemokinfreisetzung bei Stimulation mit modernen Weizenkulturen deutlich höher als bei Stimulation mit älteren Kulturen. Die Diagnose der Weizensensitivität erfordert derzeit ein sehr differenziertes Vorgehen. Nach Ausschluss einer Zöliakie (HLA-DQ2/7/8-Bestimmung oder Untersuchung auf Transglutaminase- und Endomysium-IgA-Ak) sowie einer Weizenallergie (IgE auf Weizen, Gliadin und auf omega-Gliadin; LTT auf Weizen/Gluten) ist die Entwicklung des klinischen Bildes unter Glutenkarenz und anschließender Reexposition ausschlaggebend.

Inhalative Siliciumdioxidexposition könnte ein Triggerfaktor für Rheumatoidarthritis (RA) und Sarkoidose sein.
(Beitrag aus Newsletter Dezember 2017)
Die Rheumatoidarthritis (RA) und die Sarkoidose (SA) sind Erkrankungen die nach heutigem Wissen bei genetisch prädisponierten Personen durch multifaktorielle Umweltfaktoren ausgelöst werden. Jetzt wurde eine epidemiologische Studie veröffentlicht in der gezeigt wurde, dass Siliciumdioxidpartikel zu diesen relevanten Belastungsfaktoren gehören. Untersucht wurden fast 2200 Arbeiter aus schwedischen Eisengießereien. Dabei zeigte sich, dass die Inzidenz für beide Erkrankungen mit steigender Siliciumdioxid-Exposition um den Faktor 3.94 für die SA und 2.59 für die RA signifikant zunimmt (Vihlborg P. BMJ Open. 2017; 7-7: e016839). Inhalativ aufgenommenes synthetisches SiO2 spielt im Alltag durchaus eine Rolle. Es ist u. a. in Farben, Lacken sowie Kunst- und Klebstoffen enthalten aber auch im Tonerstaub, da amorphes Siliciumdioxid dem Tonerpulver als Trennmittel zugesetzt wird. Siliciumdioxid ist zudem in pharmazeutischen Artikeln genauso vertreten wie in kosmetischen Produkten. Es wird auch bei der Lebensmittelherstellung verwendet (z. B. der Bierklärung) oder als Putzhilfe in Zahnpasta. Siliciumdioxid wird sogar in der biologischen Landwirtschaft angewendet wo es als feines Pulver zur Vorbeugung gegen Kornkäferbefall mit Getreide vermischt wird. Es ist allerdings dringend darauf hinzuweisen, dass die in der aktuellen Studie postulierten Risiken sich ausschließlich auf die inhalative Aufnahme beziehen. Die Ergebnisse sollten nicht unkritisch auch auf die Aufnahme über den Gastrointestinaltrakt übernommen werden.

Die Darmbarriere als therapeutischer Ansatz bei Migräne?
(Beitrag aus Newsletter November 2017)
Die nachweislich erhöhte Prävalenz von Migräne bei gastrointestinalen Erkrankungen weist auf gemeinsame pathophysiologische Mechanismen hin. Diskutiert wird vor allem ein Einfluss der bei Darmentzündung typischerweise gesteigerten Darmpermeabilität. Die in der Folge vermehrte Aufnahme von Endotoxinen und anderen immunogenen und potentiell toxischen Fremdstoffen könnten die bei Migräne beobachtete Gefäßentzündung und Neuroinflammation begünstigen. Vor diesem Hintergrund könnte die Stärkung der Darmbarrierefunktion einen therapeutischen Ansatz bei chronischer Migräne darstellen. Eine aktuelle Meta-Analyse untersuchte nun, ob die bisher durchgeführten Studien insgesamt eine präventive Wirksamkeit von Probiotika bei Migräne belegen (Dai et al., Pain Physician 2017; 20: E251-E255). Die Auswertung zeigt, dass in mehreren kleineren Studien die Gabe probiotischer Bakterienstämme einen präventiven Effekt erzielen konnte. Eine große Studie zum Nachweis der Wirksamkeit dieses Therapieansatzes steht allerdings noch aus. Die bisher vorliegenden Ergebnisse untermauern jedoch eine mögliche Beteiligung einer gesteigerten Darmpermeabilität (im Serum messbar über den Parameter Zonulin) an der Pathophysiologie der Migräne.

Aluminium auch an familiärem Morbus Alzheimer beteiligt?
(Beitrag aus Newsletter November 2017)
Aluminiumbelastung wird mit der Entstehung von sporadischem Morbus Alzheimer in Verbindung gebracht. Nun zeigt eine neue Studie auch bei familiär bedingtem Alzheimer eine deutliche Aluminiumakkumulation im frontalen Cortex (Mirza et al., Journal of Trace Elements in Medicine and Biology 2017; 40: 30-36). Der Aluminiumgehalt post mortem war sogar deutlich höher als in einer von denselben Wissenschaftlern früher untersuchten Patientengruppe mit sporadischem Morbus Alzheimer. Dies könnte darauf hinweisen, dass die dem familiären Alzheimer zugrunde liegenden Mutationen die Aufnahme und Retention von Aluminium im Gehirn beeinflussen. Tatsächlich zeigten fluoreszenzmikroskopische Untersuchungen der Gehirnschnitte eine Kolokalisation von Aluminium mit amyloiden Plaques, den für Morbus Alzheimer charakteristischen Proteinablagerungen in Neuronen. Aluminium bindet im Blut an Transferrin und kann auf diesem Weg auch bei Gesunden die Blut-HirnSchranke passieren. Es ist daher nicht auszuschließen, dass eine im Blut zirkulierende Aluminiumbelastung (nachweisbar im EDTA-Blut im Rahmen der Multielementanalyse, als Einzelelement auch als Leistung der GKV) das Risiko für die Entwicklung von Morbus Alzheimer erhöht. 

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