Herz-Kreislauf-Risiko durch Phytosterine

Entgegen der ursprünglichen Erwartung zeigen Untersuchungen der letzten Jahre, dass erhöhte Phytosterin-Spiegel im Blut das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. So verdreifachten nach einer Studie der Universität Münster hohe Phytosterin-Werte die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt bei koronaren Risikopatienten (Assmann et al., 2006). Diese Forschungsergebnisse sind brisant, da manche Nahrungsmittel (z.B. bestimmte Margarinesorten) künstlich mit Phytosterinen angereichert werden, um den Cholesterin-Spiegel zu senken und dadurch der Atherosklerose vorzubeugen.

Phytosterine senken den Cholesterin-Spiegel

Pflanzliche Sterine kommen in der Natur in fettreichen Früchten, Nüssen und Ölen vor. Ihre chemische Struktur ist mit der des Cholesterins verwandt. Im menschlichen Körper konkurrieren Phytosterine und Cholesterin um denselben Aufnahmemechanismus aus dem Darm: Daher sinkt die Cholesterin-Resorption, wenn erhöhte Mengen an Phytosterinen mit der Nahrung aufgenommen werden. Dies geschieht insbesondere durch die Ernährung mit bestimmten Margarinesorten, die künstlich mit Phytosterinen angereichert werden.

Abb.  Phytosterine und Cholesterin treten über den Transporter NPC1L1 in die Enterozyten ein. Ein Großteil der Phytosterine wird über ABCG5 und ABCG8 in das Darmlumen zurücktransportiert. Ist dieser Prozess aufgrund von Genpolymorphismen weniger effizient, steigt der Phytosterin-Spiegel im Blut.

Genvarianten steigern den Phytosterin-Spiegel und das Herz-Kreislauf-Risiko

Bestimmte Genpolymorphismen bewirken, dass Phytosterine besonders effizient aus dem Darm resorbiert werden und erhöhen gleichzeitig signifikant das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Teupser et al., 2010). Verantwortlich für die vermehrte Phytosterin-Aufnahme ist ein Polymorphismus in der Genregion von Transportmolekülen, die Phytosterine aus den Enterozyten zurück ins Darmlumen befödern (ABCG5, ABCG8). Ein weiterer relevanter Polymorphismus liegt im Blutgruppen-Gen AB0, weshalb Personen mit der Blutgruppe 0 ein geringeres Risiko tragen.

Diagnostik

Träger der Genpolymorphismen rs4245791 (ABCG5-/ABCG8-Genregion) und rs657152  (AB0-Gen) erhöhen ihr kardiovaskuläres Risiko durch eine Diät mit Phytosterin-angereicherten Nahrungsmitteln, anstatt es zu senken. Daher empfehlen wir eine Überprüfung des Genotyps vor einer entsprechenden Diät. Die genetische Analyse erfolgt im Labor durch Polymerase-Ketten-Reaktion und Sequenzierung. Da rs657152 an die Blutgruppe gekoppelt ist, kann statt dieses Genpolymorphismus die Blutgruppenzugehörigkeit in die Beurteilung einbezogen werden, wenn sie auf dem Anforderungsschein angegeben wird.

Probenmaterial

2 ml EDTA-Blut.

Der Transport der Blutprobe ins Labor ist nicht zeitkritisch und kann auch per Post erfolgen.
Für die genetische Untersuchung benötigen wir die Einverständniserklärung des Patienten. Für weitere Fragen erreichen Sie uns unter der Tel.-Nr. 030 77001 220.

Abrechnung

Die Untersuchung kann kassen- und privatärztlich abgerechnet werden. Genetische Untersuchungen berühren nicht das Laborbudget.

Literatur

  • Assmann et al. (2006): Plasma sitosterol elevations are associated with an increased incidence of coronary events in men: results of a nested case-control analysis of the Prospective Cardiovascular Münster (PROCAM) study.  Nutr Metab Cardiovasc Dis. 16: 13-21.
  • Teupser et al. (2010): Genetic regulation of serum phytosterol levels and risk of coronary artery disease. Circ Cardiovasc Genet. 3: 331-339.
  • Weingärtner et al. (2008): Vascular Effects of Diet Supplementation With Plant Sterols. J Am Coll Cardiol. 51: 1553-1561.
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