Newsletter September 2020

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1. NEUES AUS DEM LABOR

Neu: LTT auf SARS-CoV-2-Peptide
Die T-zelluläre Reaktion spielt eine zentrale Rolle bei der Abwehr von SARS-CoV-2. Daher ist sie in den Fokus der Wissenschaft und auch der Labordiagnostik gerückt. Am IMD wurde in den letzten Monaten ein T-zellulärer Test entwickelt, der durch den Einsatz einer „Peptidbibliothek“ eine hohe Spezifität besitzt. Mit dem „LTT auf SARS-CoV-2-Peptide“ kann vor allem bei fraglichen Antikörperbefunden nachgewiesen werden, ob eine Infektion durchgemacht wurde und eine T-zelluläre Immunantwort (ein T-Zellgedächtnis) besteht. Zusätzlich wird in der Wissenschaft aktuell diskutiert, ob Kreuzreaktivitäten zu anderen, endemisch zirkulierenden Coronaviren eventuell eine „Teilimmunität“ (Schutz) vermitteln. Auch diese Kreuzreaktivität wird im LTT SARS-CoV-2 detektiert. Hintergründe und Details finden Sie in unserer Diagnostikinformation.

Wissenschaftlicher Übersichtsartikel zur Aussagekraft von SARS-CoV-2-Antikörpern
Die „Task Force COVID-19“ der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin hat eine umfassende Übersichtsarbeit zur SARS-CoV2-Antikörperdiagnostik veröffentlicht. Mit Prof. Oliver Frey ist auch ein Mitarbeiter des IMD unter den Autoren. Die Publikation im renommierten „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ ist im Internet frei verfügbar: SARS-CoV-2 antibody testing - questions to be asked.

Calprotectin aus Sulkusfluid – falsch hohe Werte sind vermeidbar
Zur Objektivierung einer Parodontitis oder Periimplantitis hat sich das mit einem Papierstreifen aus der Zahntasche gewonnene Calprotectin bewährt (Diagnostikinformation). Es hat das bisher für diese Fragestellung genutzte aMMP8 weitgehend abgelöst. Calprotectin wird aus aktivierten Granulozyten freigesetzt und spiegelt die lokale Entzündungsaktivität am Abnahmeort wider. Calprotectin zeigt im Vergleich mit aMMP8 eine höhere Sensitivität und ist auch spezifischer, wenn beachtet wird, dass der Zahn vorher trocken geblasen werden muss. Calprotectin ist nämlich auch im Speichel enthalten, weshalb ein in Speichel getränkter Abnahmestreifen falsch erhöhte Calprotectin-Ergebnisse verursachen kann.

Neue Allergiescheine verfügbar
Ab sofort steht Ihnen ein umfangreicher neuer Allergie-Anforderungsschein zur Verfügung. Er enthält neue symptomorientierte Allergenprofile und bietet die Möglichkeit, von vornherein eine abgestufte Allergie-Abklärung anzufordern. Die Bestimmung der Markerallergene erfolgt in diesem Fall NUR bei positivem Mischungs- oder Extrakt-Ergebnis.

Neue Allergenkomponente zur Diagnostik Frucht-induzierter Allergien
Auch wenn Allergien auf Obst häufig Birkenpollen-assoziiert sind und sich meist auf ein orales Allergiesyndrom beschränken, treten doch auch immer wieder Fälle schwerer allergischer Reaktionen auf. Nun steht mit der ImmunoCAP Allergenkomponente f454 rPru p7 ein neuer wichtiger Marker für schwere Obst-induzierte Allergien zur Verfügung. Neben einer Reaktion auf Pfirsich sind ebenfalls kreuzreaktivitätsbedingte Reaktionen auf Orange, Aprikose und Granatapfel möglich (siehe auch Rubrik „Für Sie gelesen“).

Neu: Anti-IgA Antikörperbestimmung
Patienten mit IgA-Mangel haben ein erhöhtes Risiko, bei einer Behandlung mit Blutprodukten einen anaphylaktischen Schock zu erleiden und in eine lebensbedrohliche Situation zu geraten. Dies liegt in den meisten Fällen an der Bildung von Anti-IgA Autoantikörpern, deren Analyse am IMD ab sofort verfügbar ist (Diagnostikinformation zum IgA-Mangel).

Neuer Anforderungsschein „Metalltoxikologie“
Der neue Anforderungsschein „Metalltoxikologie“ empfiehlt sich insbesondere dann, wenn Sie die Multielementanalyse im Urin als „KMT-Profil“ anfordern (siehe Frage aus der Praxis).

Neue Patientenflyer verfügbar
Wir haben unser Repertoire an Patientenflyern erneut erweitert und stellen Ihnen nun auch die folgenden auf Wunsch kostenfrei zu Verfügung:

  • Vitamin D
  • Entgiftungskapazität verbessern
  • Serotonin-Stoffwechsel
  • Habe ich einen Immundefekt?

Gern können Sie diese Flyer für Ihre Praxis unter 030 77001220 oder per Fax mit diesem Bestell-Formular kostenfrei anfordern


2. DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Was ist der Unterschied zwischen der Multielementanalyse als „KMT-Profil“ und dem herkömmlichen IMD-Befund nach Ausleitung?
Der wesentliche Unterschied ist der Bezug der Metallwerte auf die „chelatspezifischen Toxizitätsschwellen“, die von der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT) für die Chelatierung mit Ca-EDTA+DMPS herausgegeben wurden. Das Chelatierungsprotokoll wird in den Weiterbildungen der KMT gelehrt. Alle Werte werden ausschließlich kreatininbezogen aufgeführt. Dadurch entsteht auf dem Befund Platz für eine grafische Darstellung (Befundbeispiel).

Das herkömmliche IMD-Profil stellt hingegen die im Urin in µg/l gemessenen Metallkonzentrationen ins Zentrum. Diese werden mit den Normbereichen des Basalurins verglichen – farblich hervorgehoben werden alle Konzentrationen, die über einen üblichen Basalurin ansteigen und damit (vermutlich) von einer Belastung des Gewebes herrühren. Die kreatininbezogenen Werte dienen hier der Verlaufskontrolle sowie ggf. einem Abgleich mit „Richtwerten“. Quelle der Richtwerte können die Auswertungen des Toxikologen Max Daunderer sein. Möglich ist es aber ebenso, aus den Messwerten der eigenen Praxis Richtwerte statistisch zu ermitteln, die zum eigenen Ausleitungsprotokoll passen. Falls dies für Sie von Interesse ist, sprechen Sie uns bitte an.

Grundsätzlich kann das „KMT-Profil“ nicht nur für die Ausleitung mit Ca-EDTA+DMPS, sondern auch nach Ausleitung mit anderen Chelatoren dargestellt werden. Es gilt jedoch die Einschränkung, dass bisher Toxizitätsschwellen für andere Chelatoren nicht verfügbar sind und daher nur die von Ca-EDTA+DMPS angezeigt werden können.

Da beide Befunddarstellungen – bei identischer Analytik – unterschiedliche Schwerpunkte haben, bieten wir sie gleichberechtigt an. Zur Anforderung des „KMT-Profils“ bitten wir um Verwendung des neuen Scheins „Metalltoxikologie“​​​​​​​, oder alternativ um den handschriftlichen Hinweis „KMT“ neben Analyse 271 auf dem Schein „Spezielle Immundiagnostik“. Das herkömmliche Profil kann wie bisher auf den „Immundiagnostik“-Scheinen angekreuzt werden.


3. FÜR SIE GELESEN

Frucht-Allergie: Neuer klinischer Risiko- und Kreuzreaktivitätsmarker identifiziert
Hauptauslöser schwerer allergischer Reaktionen auf Früchte ist in Europa der Pfirsich. Bei einem Großteil der Patienten mit schweren Reaktionen und nachgewiesener Sensibilisierung auf Pfirsichextrakt konnte in der Vergangenheit dennoch keine Sensibilisierung auf die verfügbaren Komponenten (PR-10 Protein Pru p1, Lipid-Transferprotein Pru p3 oder Profilin Pru p4) nachgewiesen werden. Erst 2017 wurde das für diese Patienten relevante Allergen identifiziert: das Gibberellin-regulierte Protein (GRP, Pru p 7 (f454)). Die in den Früchten enthaltene GRP-Menge variiert stark, da sie von dem Pflanzenhormon Gibberellin abhängt. Dieses Hormon wird in der Landwirtschaft eingesetzt um die Fruchtbildung zu fördern, was den GRP-Gehalt gerade in konventionell angebauten Früchten steigert. Ein aktueller Übersichtsartikel fasst den Kenntnisstand zum allergischen Potential der GRPs sowie zu potentiellen Kreuzreaktivitäten prägnant zusammen (Inomata et al., Allergol Int. 2020; 69: 11-18). Eine GRP-Sensibilisierung ist mit generalisierter Urtikaria und Anaphylaxie assoziiert, sowie mit atypischen Symptomen wie Augenlid-Schwellung, Gesichtsschwellung oder Asthma. Die Mehrzahl der Pfirsichallergiker mit GRP-Sensibilisierung reagiert zusätzlich auf andere Früchte (z.B. Aprikose, Orange). Tatsächlich wurden homologe GRP-Proteine bereits in Aprikose (Pru m7), Orange (Cit s7) und Granatapfel (Pun g7) identifiziert. Auch Zypressenpollen enthalten ein homologes GRP (BP14). Die Prävalenz für Pru p 7-sensibilisierte Pfirsich-Allergiker ist in zypressenreichen Gegenden (z.B. Frankreich und Japan) erhöht, was für eine auslösende Rolle der Zypressenpollen-Sensibilisierung sprechen könnte. Aus diesen aktuellen Erkenntnissen ergibt sich die Empfehlung bei Patienten mit Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion auf Früchte neben der IgE-Bestimmung auf das Lipid-Transfer-Protein LTP (Pru p 3 (f420)) auch die Bestimmung des GRP (Pru p 7 (f454)). Die IgE-Bestimmung von Allergen-Komponenten ist analog der Extraktdiagnostik eine Leistung der Gesetzlichen Krankenkasse.

Staubexposition und posttraumatische Belastungsstörungen steigern das Risiko für systemische Autoimmunerkrankungen
Autoimmunerkrankungen entstehen aus Interaktionen zwischen Umwelt, Genetik und dem Immunsystem. Die bedeutende Rolle der Umweltfaktoren rückt dabei immer mehr in den Fokus. So beobachtet man bei Personen, die den 11. September 2001 in New York City erlebt haben, ein vermehrtes Auftreten systemischer Autoimmunerkrankungen (AIE). Eine aktuelle Studie hat nun den Zusammenhang zwischen Komponenten der Staubwolke (z.B. kristallines Siliziumdioxid, organische Kohlenwasserstoff-Lösungsmittel, Feinstaub und Asbest), posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und der Entwicklung von systemischen AIE wie Rheumatoide Arthritis, Sjögren-Syndrom, Systemischer Lupus erythematodes, Myositis, Mischkollagenosen und Sklerodermie untersucht (Miller-Archie et al. Arthritis Rheumatol. 2020; 72: 49–859). In die Auswertung wurden sowohl Ersthelfer als auch Anwohner einbezogen. Dabei zeigte sich, dass eine intensive Staubwolkenexposition das Risiko für eine neu auftretende systemische AIE nahezu verdoppelte. Exponierte, die zusätzlich eine PTBS erlitten, hatten sogar ein fast dreifach erhöhtes Risiko. Die vielseitige klinische Präsentation und Pathogenese machen die systemischen AIE zu teils schwer zu diagnostizierenden Krankheiten, eine serologische Untersuchung kann jedoch richtungsweisend sein. Dazu zählen die antinukleären Antikörper (ANA), Rheumafaktoren (IgM, IgA) und CCP-Autoantikörper. Sie finden die Laboruntersuchungen auf unserem 6-seitigen Anforderungsschein „Spezielle Immundiagnostik“ (unter der Rubrik „Autoimmunerkrankungen“, Seite 5).


4. VERANSTALTUNGSHINWEIS 

Der Kurs „Angewandte Immunologie“ von Dr. rer. nat. Marco Schmidt findet auch in diesem Jahr als Präsenzveranstaltung in Potsdam Hermannswerder statt. Schwerpunkt der Fortbildung am 23.-25.10.2020 sind die Immunologie, Diagnostik und Behandlung von Immunfunktionsstörungen.

Programm und Anmeldung
Info-Video


5. FORTBILDUNGSVERANSTALTUNGEN

Online-Veranstaltungen

Online-Fortbildungen (Webinare)
Reihe Neuro-Endokrino-Immunologie
 
07.10.2020
15 - 16 Uhr
Allergien - Kritische Betrachtung alternativer Behandlungsmethoden Dr. rer. nat. Anna Klaus
28.10.2020
15 - 16 Uhr
Neutrophile Granulozyten - Bedeutung für die Immunabwehr Dr. rer. nat. Cornelia Doebis
  Das gesamte Programm finden Sie unter: Veranstaltungen

Online-Kongress
                                                                                                                                                                                                                   &nbssp;                                                                       
27.02.2021
10 - 17 Uhr                  
11. Norddeutsches Symposium für klinische Umweltmedizin                                                                                                                                                                                  
Programm und Anmeldung
Deutscher Berufsverband Klinischer Umweltmediziner e. V.      
Online-Seminare

                                                                                                                                                                                                                                   

30.09.2020         
19 - 21 Uhr

Autoimmunerkrankungen als Ursache und Folge chronischer Entzündungen
Anmeldung
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach
28.10.2020
19 - 21 Uhr 
Vitamin D in der Schwangerschaft – wichtig für Mutter und Kind
Anmeldung
Prof. Dr. med. Berthold Hocher
11.11.2020
19 - 21 Uhr
Weizen: Allergie, Zöliakie oder Unverträglichkeit? Unterschiede in Diagnostik und Therapie
Anmeldung
Dr. rer. nat. Anna Klaus
Dr. rer. nat. Anne Schönbrunn
18.11.2020
19 - 21 Uhr 
„Hashimoto - Klimawandel im System Mensch“- Fälle aus der Praxis
Anmeldung
Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel
Ärztin Andrea Thiem
25.11.2020
19 - 21 Uhr
Vitamin B12 – nicht nur Muntermacher, sondern bei Mangel ein echter Risikofaktor.
Eine B12-Unterversorgung gezielt erkennen und therapieren!

Anmeldung
Ärztin Andrea Thiem
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach
09.12.2020
19 - 21 Uhr
Jod als Spurenelement - was sagen Studien zur Wirkung außerhalb der Schilddrüse?
Anmeldung
Dr. rer. nat. Katrin Huesker

 


Präsenzfortbildungen

26.09.2020        
Leipzig
Stressseminar: „Wege aus der Stressfalle“ Neurostress & Burnout - von der Diagnostik zur Therapie
ausgebucht
Kybervital | IMD Berlin MVZ               
23.-25.10.2020
Potsdam
Spezialkurs Angewandte Immunologie
Programm und Anmeldung
Dr. Marco Schmidt, Medizin 3.0
20.-21.11.2020
Potsdam
Ganzheitliche Zahnmedizin
Programm und Anmeldung
Dr. Marco Schmidt, Medizin 3.0
21.-22.11.2020
Berlin
Darmkongress 2020
Programm und Anmeldung
Vitalinstitut.de
04.12.2020
Chemnitz
Angewandte Funktionelle Immunologie  Kurs III: Entgiftung, Genetik/Epigenetik, Cardiometabolic 
Programm und Anmeldung
IMD Berlin MVZ
05.12.2020
Berlin
Heck Bio-Pharma Therapeutentreffen 2020
Programm und Anmeldung
IMD Berlin MVZ

Informationen zu Programm und Referenten sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungsveranstaltungen finden Sie unter: Veranstaltungen



6. REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr (V.vonBaehr@IMD-Berlin.de)
Dr. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - C.Doebis@IMD-Berlin.de)
Prof. Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik und Immunphänotypisierung - O.Frey@IMD-Berlin.de)
Dr. Katrin Huesker (Neuro-Endokrino-Immunologie, Immuntoxikologie - K.Huesker@IMD-Berlin.de)
Dr. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - B.Kieselbach@IMD-Berlin.de)
Dr. Anna Klaus (Allergie - A.Klaus@IMD-Berlin.de)
Dr. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - A.Schoenbrunn@IMD-Berlin.de)
Dr. Sabine Schütt (Immungenetik - S.Schuett@IMD-Berlin.de)
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Orthomolekulare Medizin - A.Thiem@IMD-Berlin.de)