Newsletter Oktober 2018

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1. NEUES AUS DEM LABOR

NMDA-Rezeptor-Enzephalitis unterdiagnostiziert
Die NMDA-Rezeptor-Enzephalitis stellt ein ernstzunehmendes, aber potentiell reversibles Erkrankungsbild dar, das u. a. mit Angst und Wahnzuständen einhergeht. Auslöser sind diagnostisch relevante Autoantikörper (AAk), die sich gegen NMDA-Rezeptoren richten. Ihre Bestimmung im Liquor (Sensitivität 100 %) oder im Serum (Sensitivität 85 %) ermöglicht eine frühzeitige Diagnose und Therapieeinleitung, um schwerwiegende Krankheitsverläufe zu vermeiden (Anforderung „NMDA-Rezeptor-AAk“, Material 1 ml Serum). 

Aktualisierte Broschüren verfügbar
Wir haben die Broschüren „Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ und „Mineralstoffe und toxische Metalle“ überarbeitet. Die neuen Versionen können bei uns kostenfrei angefordert werden (030-77001-220; si.service@imd-berlin.de).


2. DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Ist der Nachweis der ANA (anti-nukleäre Antikörper) in der Autoimmundiagnostik als „Einstiegstest“ anzusehen, d. h. bei Autoimmunerkrankungen verschiedenster Organe relevant?
Nein, als globaler „Einstiegstest für Autoimmunerkrankungen“ ist der ANA-Nachweis nicht geeignet. ANA weisen eine hohe Sensitivität für systemische rheumatische Erkrankungen (Kollagenosen) auf und gelten als Diagnosekriterium für Kollagenosen, nicht jedoch für andere Autoimmunerkrankungen. Zudem finden sich ANA auch bei zahlreichen anderen entzündlichen Prozessen, Tumoren sowie passager im Rahmen von Infektionserkrankungen. Sogar bei Gesunden sind ANA gelegentlich nachweisbar, wenn auch mit niedrigem Titer, mit steigender Prävalenz im Alter > 60 Jahre. Bei Verdacht auf eine Kollagenose kann die Krankheitsspezifität erst durch die ANA-Differenzierung ermittelt werden, wie z. B. Autoantikörper gegen SS-A(Ro) und SS-B(La) bei Sjögren-Syndrom (siehe Befundbeispiel). Bei Verdacht auf andere systemische oder organspezifische Autoimmunerkrankungen, wie z. B. rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenerkrankung, Diabetes mellitus Typ 1 oder Zöliakie, sollten daher die entsprechenden diagnostisch relevanten Autoantikörper bestimmt werden (siehe Anforderungsschein „Spezielle Immundiagnostik“ Analysen 281-342). Die zusätzliche Bestimmung der ANA ist zur Differentialdiagnostik durchaus empfohlen, da die Kollagenosen mit verschiedenen Organmanifestationen einhergehen können.

     


3. FÜR SIE GELESEN

Vitamin-D-Mangel kann eine Ursache für die Akkumulation von Advanced glycation endproducts (AGE) sein.
In einer holländischen Kohortenstudie mit mehr als 2700 Patienten (Rotterdam Study) wurde gezeigt, dass die Akkumulation von AGEs im Gewebe vom Serumspiegel des 25-OH-Vitamin-D3 abhängt. Die Gewebebelastung mit AGEs wurde prospektiv mittels nicht-invasiver Autofluoreszenze-Analyse über einen Zeitraum von bis zu 11 Jahren nach Analyse des Serum-Vitamin-D bestimmt. Auch bei statistischer Berücksichtigung aller zusätzlicher Risikofaktoren für eine AGE-Erhöhung (z. B. Diabetes, Nierenschäden, Ernährung, Raucherstatus) zeigte sich, dass ein niedriges 25-OH-Vitamin-D mit einer verstärkten AGE-Belastung einhergeht. Der 25-OH-Vitamin-D-Spiegel wird somit als unabhängiger Risikofaktor für die AGE-Bildung und/oder –Akkumulation angesehen (Chen et al., Eur J Epidemiol. 2018, Sep 25.). Als Erklärung für den Effekt werden von den Autoren die antioxidativen und antiinflammatorischen Wirkungen des Vitamin D angeführt aber auch die Tatsache, dass 25-OH-Vitamin-D den Serumspiegel des löslichen AGE-Rezeptors (sRAGE) ansteigen lässt, was wiederum die Elimination der AGEs fördert (Irani et al., J Clin Endocrinol Metab. 2014; 99: E886-90). AGEs und 25-OH-Vitamin-D können im Serum bestimmt werden (Analysen 72 und 11, Schein „Spezielle Immunologie“).

Was macht ein Allergen zum Allergen?
Aeroallergene, gegenüber denen häufig eine Sensibilisierung besteht, haben bestimmte gemeinsame Eigenschaften. Es handelt sich in der Regel um relativ kleine Moleküle, was ihr Eindringen in die Atemwege erleichtert. Darüber hinaus weisen viele Allergene eine Proteaseaktivität auf. Dies hat zu der Hypothese geführt, dass die Proteaseaktivität möglicherweise das Signal ist, das die für eine Allergieentstehung notwendige Th2-Antwort induziert. Eine kürzlich in der Zeitschrift „Nature Immunology“ publizierte Arbeit ging dieser Frage weiter nach (Cayrol et al., Nat Immunol. 2018; 19: 375-385). Wissenschaftler der Universität Toulouse haben untersucht, inwiefern Allergene Interleukin (IL-) 33 aktivieren können, ein Zytokin aus der IL-1-Familie, das von Gewebezellen gebildet wird. IL33 ist ein potenter Trigger für eine Th2-Immunantwort und stellt eines der wesentlichen Suszeptibilitätsgene für Asthma dar. IL-33 liegt präformiert in den Zellen vor und wird bei Zellschädigung freigesetzt. Es dient somit als „Alarmin“ bei Gewebeschädigungen. Die Arbeitsgruppe konnte nachweisen, dass Allergenextrakte (Pilze, Hausstaubmilbe und Pollen) zu einer Spaltung des IL-33-Moleküls führen. Die resultierende Form des IL-33 weist eine 30fach höhere biologische Aktivität auf. Der aktivierende Effekt von Allergen-Proteasen auf IL-33 wurde in Zellkulturexperimenten bestätigt: Allegergenextrakte steigerten die biologische Aktivität des von gestressten Epithelzellen freigesetzten IL-33. Die Untersuchung eines Mausmodells zeigte, dass die proteolytische Reifung von IL-33 für die Entstehung einer allergischen Entzündung notwendig ist und bestätigte damit die Relevanz des Mechanismus in vivo. Zusammengefasst zeigen die Experimente schlüssig, dass IL-33 eine Art „Biosensor“ für die proteolytische Aktivität von Allergenen darstellt und dass seine Aktivierung die für Allergien notwendige Th2-Antwort entscheidend fördert. Damit wurde erstmalig eine mechanistische Erklärung zwischen den biochemischen Eigenschaften von Allergenen und der Allergie präsentiert.


4. FORTBILDUNGSVERANSTALTUNGEN

Online-Fortbildungen

Reihe Neuro-Endokrino-Immunologie

Regulatorische T-Zellen und ihre Bedeutung bei Autoimmunerkrankungen
Mittwoch, 07. November 2018 um 15:00 Uhr
Referentin: Dr. rer.nat. Anne Schönbrunn, IMD Berlin MVZ

Die Bedeutung von Spurenelementen im Neurotransmitterhaushalt
Mittwoch, 17. Oktober 2018 um 15:00 Uhr
Referentin: Dr. rer. nat. Katrin Huesker, IMD Berlin MVZ

Das gesamte Programm finden Sie unter: Veranstaltungen

Präsenzfortbildungen

DÄGAK Kongress 2018

19. bis 21. Oktober 2018 in Braunschweig
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Deutsche Ärztegesellschaft für Applied Kinesiology

52. Medizinische Woche Baden-Baden
31. Oktober bis 04. November 2018 in Baden-Baden
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. und Haug Verlag

Darmflora und Immuntoleranz
07. November 2018 in Hamburg
Programm und Anmeldung
Veranstalter: IMD Berlin MVZ

Qualitätszirkel Immunologie
07. November 2018 in Chemnitz
Programm und Anmeldung
Veranstalter: IMD Berlin MVZ

Interaktive Sprechstunde - von der Anamnese bis zur Therapie
14. November 2018 in München
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Institut für mitochondriale Medizin | IMD Labor Berlin

Seminar: Mitochondriale Medizin für die Praxis
17. November 2018 in Rostock
Programm, Kosten und Anmeldung
Veranstalter: PD Dr. med. Bodo Kuklinski und Wolfgang Bönsch 

LZK Curriculum Integrative Zahnmedizin
30. November bis 01. Dezember 2018 in Mainz
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Institut Bildung und Wissenschaft | Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz

10. Norddeutsches Umweltsymposium
22. Februar 2019 in Kiel
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Deutscher Berufsverband Klinischer Umweltmediziner e. V.

Informationen zu Programm und Referenten sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungsveranstaltungen finden Sie unter: Veranstaltungen


5. REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr (V.Baehr@IMD-Berlin.de)
Dr. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - C.Doebis@IMD-Berlin.de)
Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik und Immunphänotypisierung - O.Frey@IMD-Berlin.de)
Dr. Katrin Huesker (Neuro-Endokrino-Immunologie, Immuntoxikologie - K.Huesker@IMD-Berlin.de)
Dr. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - B.Kieselbach@IMD-Berlin.de)
Dr. Anna Klaus (Allergie - A.Klaus@IMD-Berlin.de)
Dr. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - A.Schoenbrunn@IMD-Berlin.de)
Dr. Sabine Schütt (Immungenetik - S.Schuett@IMD-Berlin.de)

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