Newsletter Juli/August 2019

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1. NEUES AUS DEM LABOR

Fettsäurestatus in der Erythrozytenmembran - Neue Übersicht über Quellen und Kofaktoren
Anlässlich einer Fortbildungsveranstaltung am IMD zum Thema immunologisch aktiver Fettsäuren haben wir ein Schaubild erstellt, das übersichtlich die folgenden Informationen liefert:
• Die biochemische Verstoffwechslung der Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren
• Die als Kofaktoren benötigten Vitamine und Spurenelemente
• Quellen und Wirkungen der einzelnen Fettsäuren
Die neue Übersicht ist bei uns als laminiertes Schaubild erhältlich (bitte anfordern unter 030-77001220 oder si.service@imd-berlin. de). Die Analytik von Fettsäuren in der Erythrozytenmembran werden wir ab September in Kooperation mit einem Partnerlabor anbieten.

NEU: TNF-Hemmtest-Patientenflyer
Für viele Laborteste haben wir inzwischen Patientenflyer, die Sie kostenfrei für Ihre Praxis anfordern können. Diese Flyer sollen nicht zur Werbung dienen, wir empfehlen deshalb auch nicht, diese im Wartezimmer auszulegen und wir selbst vergeben sie auch nicht ungezielt an Patienten. Die Flyer sollen vielmehr Ihnen als Behandler helfen, informationshungrigen Patienten die nötigen Informationen über Testinhalte, Aussagen und Kosten zu geben. Ab sofort gibt es auch einen Patientenflyer zum TNF-Hemmtest. Dieser erklärt mit einfachen Worten die Bedeutung des Labortests und seine Relevanz für die Therapieplanung. Gedruckte Exemplare stehen ab Mitte August zu Verfügung und können bei uns kostenfrei angefordert werden (unter 030-77001220 oder si.service@imd-berlin.de).

Erweiterung des Allergenportfolios
Ab sofort bestimmen wir auch die folgenden spezifischen IgEs selbst und können Ihnen somit eine schnellere Abarbeitung gewährleisten, da auf Fremdversand verzichtet wird: Alpha-Gal (bei V.a. verzögerte Fleischallergie), Sardelle, Tintenfisch, rote Bohne, Nahrungsmittelmischung 2 (Haselnuss, Paranuss, Orange, Apfel, Kakao), Asp f3 aus Aspergillus fumigatus (bei V.a. allergisches Asthma/ ABPA), Malazzezia spp. (bei V.a. atopisches Ekzem), Kräutermischung 5 (Ambrosie, Beifuß, Margerite, Löwenzahn, echte Goldrute), Kräutermischung 6 (Spitzwegerich, weißer Gänsefuß, Salzkraut, Sauerampfer), Rosskastanie und rHev b8 aus Latex (bei V.a. pollenassoziierte Latex-Sensibilisierung).

Lieferverzögerung beim Basophilen-Degranulationstest (BDT)
Leider kommt es zur Verzögerung der Befundzustellung für den Basophilen-Degranulationstest (BDT), weil die Firma Bühlmann Lieferschwierigkeiten bei den ELISA-Platten für den Nachweis von Leukotrienen hat. Was bedeutet das für Sie? Sie können trotzdem Patientenproben für die BDT´s einsenden, denn der Allergen-Stimulationsansatz (der erste Teilschritt der Untersuchung) kann regulär durchgeführt werden. Allerdings werden die Testüberstände nicht wie sonst üblich innerhalb von 2-3 Tagen gemessen sondern müssen bis zur Lieferung der Testkits eingefroren werden. Ein Qualitätsverlust ist nicht zu befürchten. Es ist aber möglich, dass sich die Befundzustellung um 2-3 Wochen verzögert.


2. DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Ist es überhaupt sinnvoll, in unseren Breiten die sogenannten „afrikanischen“ Mutationen im Laktoseintoleranz-Gentest mit zu testen?
Wie bei allen Säugetieren sinkt auch beim Menschen die Produktion des Milchzucker (Laktose)-spaltenden Enzyms Laktase nach dem Abstillen. In Populationen, die Milchwirtschaft betreiben, sind vor ca. 7500 Jahren schützende Genveränderungen entstanden, die dem Träger eine lebenslange Laktase-Persistenz sichern. So ist in Europa als Anpassung an den lebenslangen Verzehr von Milchprodukten im Laktase-Gen an der Stelle-13910 ein Cytosin (C = Laktaseproduktion nimmt ab) gegen ein Thymidin (T= Laktasepersistenz) ausgetauscht worden. Bei Menschen, die diese schützende Genveränderung nicht tragen, nimmt die Laktase-Produktion im Laufe des Lebens ab, und es entsteht eine primär adulte Laktoseintoleranz. Dies betrifft in Mitteleuropa etwa 15-20 % der Bevölkerung.
Parallel zur europäischen Entwicklung hat auch in anderen Regionen eine Anpassung an den lebenslangen Verzehr von Milchzucker stattgefunden. Auf dem afrikanischen Kontinent sind die folgenden mit Laktase-Persistenz einhergehenden Varianten im Laktase-Gen entstanden: C-13907G, C-13908T, C-13909A, C-13913T, G-13914A und T-13915G.
Die Bezeichnung „afrikanische“ Mutationen bezieht sich darauf, dass diese Genvarianten während der Evolution erstmals in Afrika auftraten. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass sie in der heutigen Zeit nur bei Afrikanern vorkommen. Bereits durch vorgeschichtliche Völkerwanderungen haben sich die Varianten des Laktase-Gens „verteilt“. Sie treten in ca. 8 % der Fälle auf, die in unserem Labor untersucht werden. Diese zusätzlichen Mutationen können also auch Patienten tragen, deren Familien keine Wurzeln in Afrika haben.
Routinemäßig wird am IMD zunächst die häufigere kaukasische Variante C-13910T untersucht. Liegt diese schützende Mutation vor, ist eine primär adulte Laktoseintoleranz ausgeschlossen. Bei Patienten, die diese Genvariante nicht tragen, erkennt die angewandte Technik, ob andere schützende Mutationen in der Genregion vorliegen. Diese werden dann mittels Sequenzierung ausdifferenziert. Das hat die Konsequenz, dass bei 8 % der Patienten eine andere schützende Mutation (=Laktase-Persistenz) festgestellt werden kann. Bei diesen Patienten ist dann ebenfalls eine primär adulte Laktoseintoleranz ausgeschlossen, was den Befundbericht grundlegend ändert. Diese Patienten hätten ohne die Untersuchung auf die afrikanische Variante fälschlich den Befund erhalten, dass keine schützende Mutation und somit eine primär adulte Laktoseintoleranz vorliegt. 


3. FÜR SIE GELESEN

Nahrungsmittelallergien beeinflussen die Krankheitsaktivität bei MS-Patienten
Multiple Sklerose (MS) ist eine neurologische Autoimmunerkrankung, deren Prävalenz in Deutschland zwischen 2009 und 2015 um 30 % zugenommen hat. Man vermutet, dass für diesen Anstieg Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Auch die Allergie-Prävalenz nimmt stetig zu, was auf einen möglichen Zusammenhang zwischen MS und Allergie/Atopie hinweisen könnte. Eine der umfangreichsten Untersuchungen wurde kürzlich im Multiple Sclerosis Center in Boston durchgeführt (Fakih et al J Neurol Neurosurg Psychiatry 2019; 90: 629-635). 1349 Patienten mit MS wurden zu Umwelt-, Nahrungsmittel- und Medikamenten-Allergien befragt und entsprechend in allergische und nicht-allergische Gruppen unterteilt.  Die MS-Krankeitsaktivität der verschiedenen Gruppen wurde über 2 Jahre klinisch und radiologisch beurteilt. Allein die Gruppe der „Nahrungsmittelallergiker“ zeigte eine signifikant erhöhte Rezidivrate sowie eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, neue MS-Läsionen zu entwickeln.  Einschränkend ist zu bemerken, dass die „Nahrungsmittelallergien“ nicht medizinisch diagnostiziert wurden. Die Einteilung beruhte allein auf den Angaben der Patienten, so dass hier mit hoher Wahrscheinlichkeit neben Allergien auch weitere Formen der Nahrungsmittelunverträglichkeiten erfasst wurden (wie z. B. Laktoseintoleranz). Da eine pädiatrische Studie zuvor keinen Zusammenhang zwischen MS und Nahrungsmittelallergien gezeigt hatte (bei allerdings nur 9 Patienten: Bourne et al. J Neurol Sci. 2017; 375: 371-375), vermuten die Autoren, dass nicht-allergische Unverträglichkeiten, Veränderungen des Mikrobioms und letztlich eine gestörte Darmbarriere die Hauptursache für die selbstberichteten Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei erwachsenen MS-Patienten sein könnten. Unterstützt wird dieser Zusammenhang durch die Beobachtung, dass MS-Patienten von einer gezielten Ernährungsberatung und einem anti-inflammatorischem Lebensstil profitieren (Riccio und Rossano, ASN Neuro 2015; 7: 1759091414568185). Auch wenn der Zusammenhang zwischen Ernährung und MS bisher nicht im Detail verstanden ist, sprechen damit die verfügbaren Daten dafür, dass sowohl Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Labordiagnostik siehe Analysen 161 ff., Schein „Spezielle Immundiagnostik“) als auch die Darmbarrierefunktion (messbar über IFABP im Serum; Analyse 182) die Krankheitsaktivität beeinflussen können.

Mitochondrienfunktion bei HPU besonders anfällig für Metallbelastung
Hämopyrrollaktamurie (HPU) wird mit Mikronährstoffdefizienzen und einer gestörten Bildung Häm-haltiger Enzyme assoziiert, wie z. B. der Cytochrom-P450-Oxidasen. Dies spricht für eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit der antioxidativen Schutzsysteme und eine verminderte Entgiftungsleistung. Eine aktuelle Studie belegt nun eine Korrelation zwischen Metallbelastung und Mitochondrienfunktion in einer kleinen Gruppe neu-diagnostizierter HPU-Patienten (Huesker, Thiem und Assheuer, OM & Ernährung 2019; SH14: 26-28). Grundlage der Studie ist eine retrospektive Auswertung von Messwerten, die bei neu-diagnostizierten HPU-Patienten am Institut für Medizinische Diagnostik erhoben wurden. Die Daten zeigen, dass die Tagesausscheidung von Hydroxy-Hämopryrrollaktam (HPL, gemessen bei KEAC, Niederlande) mit der Arsenkonzentration im Blut korreliert. Bei HPU-Patienten ist dabei eine negative Korrelation zwischen Arsen und Blei im Blut und dem intrazellulären ATP zu beobachten, einem Laborparameter der Mitochondrienfunktion. Eine Kohorte klinisch nicht-differenzierter Patienten zeigt diesen Zusammenhang hingegen nicht. Damit spricht die Studie dafür, dass HPU-Patienten auf Arsen- und Bleibelastung besonders empfindlich reagieren. Chronische Metallbelastungen zu erkennen und zu minimieren erscheint daher gerade bei HPU besonders wichtig (als Multielementanalyse im Blut Analyse 103 oder 271; als gezielte Einzelanalyse im EDTA-Vollblut auch als GKV-Leistung). Ergänzend stellt das intrazelluläre ATP einen sensitiven Biomarker dar, metallassoziierte Schädigungen bei HPU zu detektieren (Analyse 91, Schein „Spezielle Immunologie“).


4. FORTBILDUNGSVERANSTALTUNGEN

Online-Fortbildungen

Reihe Neuro-Endokrino-Immunologie

Der Antioxidantien-Status – Interpretation und therapeutische Konsequenzen
Mittwoch, 28. August 2019 15:00 Uhr
Referentin: Andrea Thiem, Ärztin, IMD Berlin MVZ

Nahrungsmittelunverträglichkeiten von A-Z – Labordiagnostische Möglichkeiten im Überblick
Mittwoch, 25. September 2019 15:00 Uhr
Referentin: Dr. rer. nat. Sabine Schütt, IMD Berlin MVZ

Das gesamte Programm finden Sie unter: Veranstaltungen

 

Präsenzfortbildungen

Ganzheitlicher Qualitätszirkel
21. August 2019 in Berlin
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Kyberg vital 

Chronic Fatigue Syndrom (CFS) – Klinik – Differentialdiagnostik – Therapie
28. August 2019 in Berlin
Programm und Anmeldung
Veranstalter: IMD Berlin MVZ

1. Innovationssymposium der NEUEN GRUPPE: Keramikimplantate - die evidenzbasierte Alternative?
06. bis 07. September 2019 in Köln
Programm und Anmeldung
Veranstalter: NEUE GRUPPE 

FOM Ausbildung zum Orthomolekular-Therapeuten nach den Richtlinien des Forum Orthomolekulare Medizin (FOM) und der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)
07. bis 08. September 2019 in Werther/Westfalen (nähe Bielefeld)
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Vital Institut NRW.de

Godesberger Pavillongespräche: Metalle im biologischen Organismus - Toxikologie, Allergologie, Entzündungsrelevanz
11. September 2019 in Bad Godesberg
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. D. Haentjes & B. Milbrodt
In Kooperation mit: IMD Berlin MVZ | DEGUZ e. V

DEGUZ Umweltzahnmedizinische Anamnese
13. bis 14. September 2019 in Stuttgart 
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e. V. 

Die Bedeutung von Umweltfaktoren und zahnmedizinischen Einflüssen für die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen
14. September 2019 in Köln
Programm und Anmeldung
Veranstalter: IMD Berlin MVZ

IX. Hyperthermie-Kongress
20. bis 21. September 2019 in Berlin
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Forum Medizin Verlagsgesellschaft mbH

3. Rostocker Tag „Mitochondriale Medizin für die Praxis“
28. September 2019 in Rostock
Programm und Anmeldung
Veranstalter: PD Dr. med. Bodo Kuklinski und Wolfgang Bönsch

BIO IMMUN GEN MEDIZIN KONGRESS 2019
04. bis 05. Oktober 2019 in Krems (Österreich) 
Programm und Anmeldung
Veranstalter: BIGMED-Austria

DÄGAK-Kongress 2019
04. bis 06. Oktober 2019 in Brixen/Südtirol (Italien)
Programm und Anmeldung
Veranstalter: DÄGAK - Deutsche Ärztegesellschaft für Applied Kinesiology

DEGUZ Personalisierte (Zahn)Medizin – genetische Analysen als Basis für eine erfolgreiche Therapie
18. bis 19. Oktober 2019 in Merklingen
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e. V. 

53. Medizinische Woche Baden-Baden
30. Oktober bis 03. November 2019 in Baden-Baden
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e. V. | Haug Verlag

Godesberger Pavillongespräche: Chronische Entzündungen - Relevante Untersuchungsverfahren und Interpretation von Laborwerten
06. November 2019 in Bad Godesberg
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. D. Haentjes & B. Milbrodt
In Kooperation mit: IMD Berlin MVZ | DEGUZ e. V. 

18. Umweltmedizinische Jahrestagung - Systemische Entzündung und Antientzündliche Therapie
08. bis 09. November 2019 in Berlin
Programm und Anmeldung
Veranstalter: IMD Berlin MVZ
in Kooperation mit: Deutscher Berufsverband Klinischer Umweltmediziner e. V., Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin e. V. und Ökologischer Ärztebund e. V.

Fortbildung: Angewandte Immunologie
22. bis 24. November 2019 in Potsdam
Programm und Anmeldung
Veranstalter: Akademie für Funktionsbezogene Medizin Dr. rer. nat. Marco Schmidt
 

Informationen zu Programm und Referenten sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungsveranstaltungen finden Sie unter: Veranstaltungen


5. REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr (V.vonBaehr@IMD-Berlin.de)
Dr. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - C.Doebis@IMD-Berlin.de)
Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik und Immunphänotypisierung - O.Frey@IMD-Berlin.de)
Dr. Katrin Huesker (Neuro-Endokrino-Immunologie, Immuntoxikologie - K.Huesker@IMD-Berlin.de)
Dr. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - B.Kieselbach@IMD-Berlin.de)
Dr. Anna Klaus (Allergie - A.Klaus@IMD-Berlin.de)
Dr. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - A.Schoenbrunn@IMD-Berlin.de)
Dr. Sabine Schütt (Immungenetik - S.Schuett@IMD-Berlin.de)
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Orthomolekulare Medizin - A.Thiem@IMD-Berlin.de)

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