Newsletter Januar 2021

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1. NEUES AUS DEM LABOR

Wie testet man den SARS-CoV-2-Impferfolg?
Bitte beachten Sie: Der Impferfolg kann labormedizinisch nur über Tests geprüft werden, die die Immunreaktion gegen das Spike-1-Protein messen. Alle derzeit in Deutschland verfügbaren Impfstoffe immunisieren nämlich gegen die sogenannte Rezeptor-Bindungs-Domäne (RBD) des Spike-1-Proteins. Geeignet zur Überprüfung der Immunantwort sind daher die IgG-Antikörper gegen das S1-Protein sowie auch der LTT auf SARS-CoV-2-Peptide. Die RBD-Region ist im LTT-Ansatz „Spike-N-Term“ enthalten. Im Gegensatz dazu ist die Messung der IgG-Antikörper gegen das Nucleocapsid-Protein (Nc) als „Impfkontrolle“ ungeeignet, da sie auch bei erfolgreicher Vakzinierung negativ bleiben.

Neu am IMD: Alpha-Liponsäure im Serum
Alpha-Liponsäure spielt als hoch potentes Antioxidanz eine wichtige Rolle für die antioxidative Kapazität und kann als natürlicher Chelator Metallbelastungen entgegenwirken. Ihre Bestimmung ist ab sofort am IMD verfügbar (aus Serum, 1xGOÄ 53,62 Euro, keine Kassenleistung).

Neue Darstellung der Zöliakie-Genetik
Die Untersuchung „HLA bei Zöliakie“ dient der für die Differentialdiagnose wertvollen Ausschlussdiagnostik. Für diese Anforderung bestimmen wir seit vielen Jahren sowohl die häufigeren als auch die selteneren Zöliakie-assoziierten HLA-Typen. Das neue Befundlayout schlüsselt nun seltene Genotypen, die ebenfalls einer serologischen DQ2 zugrunde liegen können, separat auf. Da diese seltenen Konstellationen eng mit DQ7 assoziiert sind, waren sie bisher im Sinne der Übersichtlichkeit auf diesem gemeinsamen Nenner zusammengefasst (siehe Befundbeispiel).

Nun erhältlich: Fortbildungsflyer 2021
Der Fortbildungsplan IMD Online-Seminare zeigt das Frühjahrsprogramm unserer interaktiven Abend-veranstaltungen. Der Flyer der Webinare (inflammatioTHEK) gibt eine Übersicht über unsere Online-Vorträge im 1. Halbjahr 2021. Gern senden wir Ihnen gedruckte Exemplare zu. Über Ihre Teilnahme und ein virtuelles Wiedersehen würden wir uns sehr freuen.


2. DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Welche Aussage erlaubt das Gesamt-IgE?
Immunglobulin E (IgE) ist im menschlichen Organismus hauptsächlich an Rezeptoren auf den Oberflächen von Mastzellen sowie von eosinophilen und basophilen Granulozyten gebunden. Seine Hauptfunktion ist die Abwehr von parasitären Infektionen (z.B. Helminthen und Protozoen). Die Bindung passender Antigene an zellgebundene IgE-Antikörper führt zur Ausschüttung von Histamin, Leukotrienen, Prostaglandinen und diversen weiteren proentzündlichen Mediatoren, welche essentiell für die Bekämpfung einer Parasitose sind. Richten sich die IgE-Antikörper fälschlicherweise gegen eigentlich harmlose Substanzen aus unserer Umwelt (z.B. Pollen, Nahrungsmittel), kann das zu Allergien führen. Richten sie sich gegen körpereigene Proteine, können sie Auslöser von Autoimmunerkrankungen (z.B. Urtikaria) sein.

Ist das Gesamt-IgE erhöht, kann das zwar auf eine floride Allergie hindeuten (allergische Rhinitis, Neurodermitis, Asthma oder Nahrungsmittelallergie), dennoch eignet sich das Gesamt-IgE nicht als Screening-Parameter bei Allergie-Verdacht, da es auch bei parasitären Infektionen, Autoimmunerkrankungen sowie diversen Immundefekten und Krebserkrankungen erhöht sein kann.
Liste möglicher assoziierter Erkrankungen

Bei allergologischer Fragestellung sollte daher neben dem Gesamt-IgE immer das spezifische IgE gegen den verdächtigten Auslöser bestimmt werden. Die parallele Untersuchung des Gesamt-IgE ermöglicht in diesem Fall eine optimierte Beurteilung der Ergebnisse. Ein spezifisches IgE ist wahrscheinlich dann von klinischer Relevanz, wenn es über 1% des Gesamt-IgE ausmacht. Auch bei einem erniedrigten Gesamt-IgE sollte eine weitere Abklärung erfolgen, denn dies könnte auf einen variablen Immundefekt hindeuten. Weitere Details über die Relevanz des Gesamt-IgE in der Labordiagnostik bietet Ihnen die neue Diagnostikinformation 341.

Abb.:  Zellgebundene IgE-Antikörper erkennen spezifische Antigene und spielen so eine Rolle in der Bekämpfung parasitärer Infektionen aber auch bei Allergien und Autoimmunerkrankungen. Immundefekte und Krebserkrankungen können die Produktion von IgE-Antikörpern durch Plasmazellen beeinflussen.


3. FÜR SIE GELESEN

Wie effizient und sicher ist der mRNA- COVID19-Impfstoff von Biontech/Pfizer (BNT162b2)?
Bei Vakzinierung mit dem mRNA-Impfstoff wird eine Lipidhülle mit dem Bauplan (der mRNA) des Spike-Proteins injiziert. In der Folge baut der Körper eine Immunantwort gegen das nun in den eigenen Zellen gebildete virale Spike-Protein auf. Schützt dieser Impfstoff tatsächlich vor COVID-19 und welche Nebenwirkungen sind zu erwarten? Mit dieser Fragestellung wurde im Rahmen der Impfstoffentwicklung eine internationale, Placebo-kontrollierte Studie durchgeführt und Ende 2020 publiziert (Polack et.al; New England Journal of Medicine 2020; 383: 2603-2615). Die rund 43.000 Teilnehmer erhielten im Abstand von 21 Tagen zwei Dosen des Impfstoffs BNT162b2 oder eines Placebos (ca. 21.500 Teilnehmer pro Gruppe). Während der folgenden zwei Monate erkrankten 162 Teilnehmer der Placebo-Gruppe an COVID-19, während in der Verum-Gruppe acht Menschen erkrankten. Somit ergibt sich eine Effizienz des Impfstoffes von 95% ab 7 Tage nach zweiter Impfdosis. Zwischen erster und zweiter Impfdosis zeigte sich eine geringere Effizienz (52%). Von insgesamt zehn schweren Krankheitsverläufen stammten neun Patienten aus der Placebo-Gruppe. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine Immunisierung mit dem Impfstoff BNT162b2 vor einer COVID19-Erkrankung schützen kann. Ob auch asymptomatische Infektionen verhindert werden können, ist noch nicht geklärt. Nebenwirkungen traten in der Verum-Gruppe häufiger als in der Placebogruppe auf (27% zu 12%) und waren prägnanter nach der zweiten Dosis. Sie umfassten vor allem Schmerzen an der Einstichstelle (83%), Müdigkeit (59%) und Kopfschmerzen (52%) und dauerten 1-2 Tage an. Ihr Schweregrad wurde von den Betroffenen als sehr mild bis moderat beurteilt. Schwerwiegende unerwünschte Reaktionen kamen in beiden Gruppen selten und zu gleichen Anteilen vor (0,6% versus 0,5%). Allerdings ist die Studie nicht groß genug, um sehr seltene unerwünschte Reaktionen aufzudecken oder auszuschließen. Weiterhin sind bisher keine Langzeiteffekte definierbar. Laut Stellungnahme der deutschen allergologischen Gesellschaften (AeDA, DGAKI, GPA) traten nach Verabreichung des Impfstoffs in Großbritannien einzelne Fälle anaphylaktoider Reaktionen auf. Diese werden bei Betrachtung der Inhaltsstoffe am ehesten auf Sensibilisierungen auf Polyethylenglycol (PEG; oder auch Macrogol) zurückgeführt. PEG kommt als Zusatzstoff in Kosmetika und in Medikamenten in unterschiedlichen Kettenlängen vor. Im Labor kann eine bestehende Sensibilisierung auf das im BNT162b2-Impfstoff verwendete PEG sowie auf das kreuzreaktive Polysorbat 80 mittels Basophilen-Degranulationstest (BDT) vorab getestet werden (2ml Heparin- oder EDTA-Blut.). Zusätzlich empfehlen wir die Analyse der Tryptase, um eine generelle Neigung zu anaphylaktoiden Reaktionen prüfen.

Calcium und Phosphat triggern Entzündung bei Rheumatoider Arthritis (RA)
In der Arbeitsgruppe von Prof. Wagner an der Universität in Leipzig wurde der entzündungsfördernde Effekt hoher Calciumkonzentrationen in Patienten mit rheumatischer Arthritis untersucht, und sie konnten feststellen, dass Calcium zusammen mit Phosphat starke Entzündungen bei Rheumapatienten induzieren kann (Jäger et al., Nature Communications 2020; 11: 4243). Frühere Studien zeigten bereits, dass lokal erhöhtes CalciumTrigger einer starken Entzündungsreaktion ist. Die aktuelle Arbeit entschlüsselt nun den zugrunde liegenden Mechanismus: So bilden sich bei erhöhten Calcium- und Phosphat-Konzentrationen Calcium-Phosphat-Nanopartikel, die starke Entzündungsreaktionen induzieren. Dabei werden proentzündliche Botenstoffe freigesetzt. Die Calcium-Ionen triggern dabei die Aufnahme von Calcium-Phosphat-Nanopartikeln, was zur typischen Gelenkentzündung bei RA-Patienten führt. Da bei der RA aufgrund der Entkalkung verstärkt Calcium und Phosphat aus dem Knochen freigesetzt werden, kann dies zur Chronifizierung der Erkrankung beitragen und zeigt den Zusammenhang zwischen Verkalkung und Entzündung auf. Wichtig für das Verständnis des Pathomechanismus ist dabei, dass die schädigende Wirkung von der lokal erhöhten Calciumkonzentration ausgeht, die am abgebauten Knochen entsteht - nicht aber von dem mit der Nahrung systemisch zugeführten und regulierten Calcium. Eine gute Calciumversorgung ist vielmehr Voraussetzung für den gesunden Knochenstoffwechsel. Die entzündungsfördernde lokale Calciumfreisetzung aus dem Knochen würde durch geringe Calciumzufuhr daher gefördert, nicht gehemmt.Die neuen Erkenntnisse beschreiben damit nicht nur einen bisher wenig beachteten Entzündungs-mechanismus, sondern untermauern auch die Bedeutung des Knochenstoffwechsels für Pathogenese und Verlauf der RA. Mineralien wie Calcium, Magnesium und Mangan sowie die Vitamine D und K sind dabei von großer Bedeutung für die Calcifizierung. Zum Monitoring des Versorgungsstatus mit diesen Mikronährstoffen empfehlen wir die Vollblutmineralanalyse, das freie 25OH-Vitamin D sowie ucOsteocalcin als Biomarker der Vitamin-K-Versorgung.


4. FORTBILDUNGSVERANSTALTUNGEN

Online-Veranstaltungen

Online-Fortbildungen (Webinare)
Reihe Neuro-Endokrino-Immunologie
 
20.01.2021
15 - 16 Uhr
Mitochondriopathie Klinik, Diagnostik, Therapie Ärztin Andrea Thiem
10.02.2021
15 - 16 Uhr
Allergie auf Metalle und Kunststoffe - Pathogenese,
klinische Konsequenzen und Diagnostik
Dr. med. Volker von Baehr
  Das gesamte Programm finden Sie unter:  Webinar

    Online-Kongress
27.02.2021
10 - 17 Uhr                  
11. Norddeutsches Symposium für
klinische Umweltmedizin 

Programm und Anmeldung
Deutscher Berufsverband
Klinischer Umweltmediziner e. V. 
Online-Seminare
Vorankündigung!
Anmeldung möglich ab Januar 2021 auf Fortbildungen
03.02.2021
19 - 21 Uhr
Spurenelemente und Vitamine vor und in der Schwangerschaft –
Bedeutung für Mutter und Kind
Prof. Berthold Hocher
17.02.2021
19 - 21 Uhr

Hämopyrrollaktamurie (HPU) – aktuelle Studien und
therapeutische Konzepte

Dr. Patrick Assheuer
Dr. rer. nat. Katrin Huesker
03.03.2021
19 - 21 Uhr
Wie genetische Polymorphismen und epigenetische Faktoren unsere körperliche und
seelische Gesundheit beeinflussen. Vorstellung von Kasuistiken aus der Praxis
Dr. Goran Stojmenovic
Ärztin Andrea Thiem
17.03.2021
19 - 21 Uhr
Neue Antikörper bei Epilepsie, Psychosen und Demenz – kein Ende in Sicht Prof. Dr. med. Harald Prüß
24.03.2021
19 - 21 Uhr
Leaky gut – Klinik, Diagnostik und therapeutische Möglichkeiten Dr. Marcus Pfisterer
Dr. med. Volker von Baehr
14.04.2021
19 - 21 Uhr
IgA-Mangel – Diagnostische und Therapeutische Konsequenzen? Prof. Oliver Frey
28.04.2021
19 - 21 Uhr
Zelluläre Dysbalancen im spezifischen Immunsystem bei Autoimmunität Dr. rer. nat. Cornelia Doebis
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach
05.05.2021
19 - 21 Uhr
Bedeutung von Vitamin D bei Infektions- und Autoimmunerkrankungen
Was ist durch Studien gesichert?
Was ist (noch) Beobachtung?
Prof. Berthold Hocher
26.05.2021
19 - 21 Uhr
IgG-  und IgG-Subklassenmangel – Klinik, Diagnostik, Therapie
 
Prof. Oliver Frey
09.06.2021
19 - 21 Uhr       
Toxische Metalle als Trigger Chronischer Entzündungserkrankungen – Pathogenese, Diagnostik, Therapie Dr. med. Thomas Fischer
Dr. rer. nat. Katrin Huesker
Dr. med. Volker von Baehr
16.06.2021
19 - 21 Uhr    
 
Orthomolekulare Medizin, manchmal wie ein große Puzzle. 
Spannende Fälle aus unserem Praxisalltag, und wie man doch immer einen Behandlungsansatz findet.
Ärztin Andrea Thiem
Ärztin Ruth Biallowons

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Präsenzveranstaltungen

07.-08.05.2021
Leipzig
DEGUZ 12. Jahrestagung
Anmeldung
Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e. V.
05.06.2021
Warnemünde
4. Rostocker Tag: Mitochondriale Medizin für die Praxis
Anmeldung
PD Dr. med. Bodo Kuklinski Wolfgang Bönsch
12.06.2021
Hamburg
3. Hamburger Symposium
Anmeldung
Seattle Study Club Hamburg
19.-21.06.2021
Berlin
Darmkongress 2021
Anmeldung
Vitalinstitut.de

Kurse und Curricula

Angewandte Funktionelle Immunologie (AFI)
Termine und Anmeldung
in Werder/Havel, Nauen
IMD Berlin MVZ
Weiterbildung der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT)  „KMT-Curriculum“
Programm und Anmeldung
Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V.
DEGUZ Kompaktseminar Curriculum Umwelt-ZahnMedizin
Termine und Anmeldung
in Berlin
Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e. V.
Klinische Mitochondrien- und Umweltmedizin 2020
(Nachholtermin Kurs A+B)

Termine und Anmeldung  
Klinische Mitochondrienmedizin und Umweltmedizin 2021
Termine und Anmeldung
in Heidelberg
Health Consult GmbH / Internationale Gesellschaft für Regenerative Mitochondrien Medizin

Informationen zu Programm und Referenten sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungsveranstaltungen finden Sie unter:  Fortbildungen


5. REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr (V.vonBaehr@IMD-Berlin.de)
Dr. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - C.Doebis@IMD-Berlin.de)
Prof. Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik und Immunphänotypisierung - O.Frey@IMD-Berlin.de)
Dr. Katrin Huesker (Spurenelemente und Metalle - K.Huesker@IMD-Berlin.de)
Dr. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - B.Kieselbach@IMD-Berlin.de)
Dr. Anna Klaus (Allergie - A.Klaus@IMD-Berlin.de)
Dr. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - A.Schoenbrunn@IMD-Berlin.de)
Dr. Sabine Schütt (Immungenetik - S.Schuett@IMD-Berlin.de)
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Orthomolekulare Medizin - A.Thiem@IMD-Berlin.de)