Zonulin - ein Serummarker zur Qualifizierung der Darmpermeabilität

Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut bedingt eine verstärkte Konfrontation des Darm-Immunsystems mit Nahrungsmittelbestandteilen, aber auch Fremdantigenen jeglicher Art sowie Nahrungsmittelzusatzstoffen. Desweiteren können Bakterien (v.a. bei Dysbiose), Schimmelpilze und Hefen (Candida-Spezies) sowie deren Stoffwechselprodukte als Trigger einer Immunaktivierung und Vermittlung einer systemischen Entzündung deutlich wirksamer sein, wenn die Selektionsfunktion der Darmschleimhaut fehlerhaft ist. Klinisch zu beobachten ist dieses nicht nur bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sondern auch nach längerfristigen antibiotischen Therapien die nahezu immer auch mit Anstiegen des Zonulins einhergehen.

Die Darmbarriere

Tight Junctions (lat. Zonula occludens) sind schmale Bänder aus Membranproteinen, welche die Verbindung zwischen den Epithelzellen der Darmschleimhaut herstellen. Die Tight Junctions verschließen den Zellzwischenraum und bilden somit eine parazelluläre Diffusionsbarriere. Diese intestinale Barriere kontrolliert den Fluss von z. B. gelösten Aminosäuren, Zuckern und Fettsäuren sowie Immunglobulinen, aber auch immunogenen Nahrungsmittelproteinen, bakteriellen Lipopolysacchariden oder Candidaantigenen.

Zonulin erhöht die Darmpermeabilität

Zonulin ist ein 47 KD-Protein, welches im Jahr 2000 erstmals beschrieben wurde. Zonulin ist für die Regulation der tight junctions in der Darmwand verantwortlich. Es wird bei unterschiedlichen Reizen von der Darmschleimhaut abgegeben und bindet an spezifische Rezeptoren auf den Epithelzellen. Damit werden biochemische Prozesse in Gang gesetzt, welche die Kontraktion von Proteinen des Zytoskeletts bewirken. Durch die damit verbundene Öffnung interepitheliale Kanäle erhöht sich im Sinne eines Feedback-Regulationssystems die Durchlässigkeit der Darmbarriere. Von einigen Autoren wird ein genetischer Einfluss diskutiert, wobei bisher kein diagnostisch verwertbarer prädisponierender Poly-morphismus identifiziert werden konnte.

Folgen einer erhöhten Darmpermeabilität

Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut bedingt eine verstärkte Konfrontation des Darm-Immunsystems mit Nahrungsmittelbestandteilen, aber auch Fremdantigenen jeglicher Art sowie Nahrungsmittelzusatzstoffen. Desweiteren können Bakterien (v.a. bei Dysbiose), Schimmelpilze und Hefen (Candida-Spezies) sowie deren Stoffwechselprodukte als Trigger einer Immunaktivierung und Vermittlung einer systemischen Entzündung deutlich wirksamer sein, wenn die Selektionsfunktion der Darmschleimhaut fehlerhaft ist. Klinisch zu beobachten ist dieses nicht nur bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sondern auch nach längerfristigen antibiotischen Therapien die nahezu immer auch mit Anstiegen des Zonulins einhergehen.

Klinische Studien

Bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie, Diabetes mellitus aber auch anderen Autoimmunerkrankungen sowie gestörter Darmflora z.B. nach antibiotischer Therapie konnte gezeigt werden, dass erhöhte Zonulinspiegel im Serum mit einer gesteigerten Darmpermeabilität korrelieren. Als Referenzmethode wurde in mehreren Studien der Laktose/Mannitol-Quotient im Urin nach oraler Belastung herangezogen.
Bei Patienten mit Zöliakie konnte man zeigen, dass bei strenger Gluten-freier Diät die Zonulinspiegel parallel zum Abfall von Entzündungsparametern zurückgehen.

Abb.2 Befund eines Patienten nach 5-wöchiger antibiotischer Therapie mit deutlich erhöhter Darmpermeabilität

Zonulin ist einfach zu bestimmen

Seit Beginn dieses Jahres ist ein Testkit für Zonulin verfügbar, welcher in unserem Institut etabliert und validiert wurde. Mit der einfachen und kostengünstigen Analyse des Zonulinspiegels im Serum von Patienten kann die Darmpermeabilität ohne den Aufwand einer Provokationstestung analysiert und im Therapieverlauf kontrolliert werden.

Material:
2 ml Vollblut zur Serumgewinnung
Kosten:
Selbstzahler: 43,72 €.

Private Krankenkassen übernehmen die Kosten bei gegebener Indikation.
Eine Abrechnung über Gesetzliche Krankenkassen ist derzeit nicht möglich.

Mehr Informationen?

In einem aktuellen (englischsprachigen) Review fasst Alessio Fasano das vorhandene Wissen um Zonulin zusammen und betrachtet eingehend die kausalen Zusammenhänge zwischen erhöhter Darmpermeablität und der Entwicklung von systemischen Entzündungen, Autoimmunerkrankungen und Karzinomen (Physiological Reviews 2011; 91: 151-175).
Den Artikel stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung.