Newsletter Juni 2022

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1. NEUES AUS DEM LABOR

20 Jahre Spezielle Immunologie – wir sagen Danke!
Am 23.6.2002 setzten wir an unserem Standort in Berlin Steglitz den ersten LTT an, damals in einem Team aus 3 Mitarbeitern, Dr. Volker von Baehr und seinem Vater Prof. Rüdiger von Baehr. Heute sind wir 180 engagierte Kollegen mit einem breit gefächerten diagnostischen Portfolio rund um die chronische Entzündung. Ohne die Kooperation und den Austausch mit unseren Einsendern – mit Ihnen! – wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Wir bedanken uns herzlich für das Vertrauen und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Aus aktuellem Anlass - Hitzeeinwirkung bewirkt falsche Ergebnisse bei Stuhluntersuchungen
Interne Untersuchungen haben unsere Vermutungen bestätigt, dass Einwirkung von Hitze beim Postversand von Stuhlproben die Ergebnisse der Stuhluntersuchungen verfälschen. Es betrifft die kulturellen Stuhlanalysen, d.h. das quantitative Mikrobiota-Profil (Kultur), die Analyse Histamin-bildender Bakterien und mykologischer Untersuchungen. Das Problem ist, dass die einzelnen Erreger unterschiedliche Temperaturempfindlichkeit zeigen und im Einzelfall abfallen aber auch ansteigen können. Wir bitten Sie deshalb, unseren kostenfreien Kurier auch für die Stuhlproben Ihrer Patienten zu nutzen. Unser kürzlich an alle Einsenderpraxen gesendete Information finden Sie hier.
 
Neuer Patientenflyer zum Darmmikrobiom
Ab sofort stehen Ihnen für Ihre Praxis Patienten-Informationsflyer zur Verfügung. Gerne senden wir Ihnen diese kostenfrei zu. Bei Interesse bitte hier bestellen.
 
Neuer EU-Grenzwert rückt BPA-Belastung aus Dentalkunststoffen in den Fokus
Wir haben rund 300 Bisphenol-A-Messungen im Speichel retrospektiv ausgewertet: Bei 4% der Patienten kam Bisphenol A im Speichel vor, in einer durchschnittlichen Konzentration von 6,6 µg/L. Bei einer täglichen Speichelproduktion von 2 L entspricht das einer Belastung mit rund 13 µg Bisphenol A pro Tag. Diese Menge wird den von der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) angekündigten abgesenkten Grenzwert deutlich überschreiten: 

  • Bisher gelten pro Tag 4 µg/kg Körpergewicht, was für eine 75 kg schwere Person eine Obergrenze von 300 µg Bisphenol A bedeutet.
  • Der aktuell vorgeschlagene zukünftige Grenzwert läge bei 0,04 ng/Kg Körpergewicht, entsprechend einer täglichen Obergrenze von nur 3 ng Bisphenol A bezogen auf 75 kg Körpergewicht!

Der derzeit diskutierte neue Grenzwert würde demnach von 4% der untersuchten Patienten bereits durch ihre Speichelbelastung um ein Vielfaches überschritten. Die Bisphenol-A-Konzentration des Speichels kann im Morgenspeichel analysiert werden (als Einzelanalyse oder neben BisGMA, TEGDMA, UDMA und Methylmethacrylat im „Kunststoffprofil“).

2. DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Im Laborprofil sehe ich oft erhöhte Histaminspiegel, auch wenn der Patient nicht an Allergien leidet, eine normale DAO-Aktivität hat und sich sogar schon histaminarm ernährt. Was kann noch die Ursache sein?
Vorweg: Histamin aus der Nahrung hat nahezu keinen Einfluss auf den Histaminspiegel im Blut.  Wenn wirklich die klassischen Ursachen vermehrter Histaminbildung und auch ein reduzierter Histaminabbau (DAO-Aktivität) ausgeschlossen sind, dann sollte danach geschaut werden, ob eine Dysbiose-bedingte vermehrte Histaminbildung im Darm dafür verantwortlich ist. Verschiedene Bakterien, insbesondere Klebsiella pneumoniae, Morganella morganii und Hafnia alvia wandeln sehr effektiv das Histidin aus der Nahrung in Histamin um. Patienten, die eine vermehrte Ansiedlung dieser Bakterien im Darm haben, tragen im Grunde ihre eigene Histaminquelle immer mit sich.  Vor allem wenn zusätzlich eine gestörte Darmbarriere vorliegt, kann Histamin leicht in das Portalblut übertreten und in den peripheren Blutkreislauf gelangen und einschlägige Symptome verursachen. Zur Abklärung dieser versteckten Quelle empfiehlt sich die Untersuchung "Histaminbildner im Stuhl". Ergänzend bieten sich die Stuhlanalysen Histamin, a-1-Antitrypsin (leaky gut-Marker) sowie das Eosinophile Protein X (EPX) an. Mit letzterem schließt man eine Eosinophilenaktivierung in der Darmwand aus, die (in seltenen Fällen) neben den Bakterien auch für erhöhte Histaminbildung im Darm verantwortlich sein könnte. Bei auffälligem Befund der Histaminbildner sollte die Dysbiose durch Darmreinigung (z.B. Flohsamenschalen, Aktivkohle, Oreganoöl, Pektin, Zeolith, u.a.), Präbiotika (z.B. Akazienfasern, Inulin, FOS, u.a.) und Probiotika ausgeglichen werden. Cave: viele Probiotika enthalten histaminbildende Bakterien, hier finden Sie weitere Informationen dazu. Zudem sollten vorübergehend nicht nur Histamin- sondern auch Histidin-reiche Nahrungsmittel reduziert werden. Diese sind: Fleisch (Rind, Schwein, Lamm, Huhn), Thunfisch und Lachs, ebenso Milch sowie Hartkäse, Bohnen, Linsen, Erdnüsse und Weizenkeime.

Unseren Anforderungsschein für die Stuhldiagnostik finden Sie hier.

3. WISSENSCHAFT AM IMD

Validierungsdaten des LTT-SARS-CoV-2 sind publiziert
Für die Charakterisierung eines bestehenden immunologischen Schutzes gegen SARS-CoV-2-Viren ist die T- Gedächtniszellantwort sogar wichtiger als die Antikörper-vermittelte humorale Immunität. Das IMD hat schon im Oktober 2020 einen Peptid-basierten Lymphozytentransformationstest entwickelt und eingeführt, der eine 100%ige Spezifität zeigte und nach einer Weiterentwicklung im Sommer 2021 auch zwischen der Immunantwort nach Impfung und natürlicher Infektion unterscheiden konnte. Die Validierungsdaten wurden kürzlich in der renommierten Zeitschrift Clinica Chimica Acta veröffentlicht:
Chu C, Schönbrunn A. et al. “T-cell proliferation assay for the detection of SARS-CoV-2-specific T-cells”.
Wir danken all unseren Kooperationspartnern, die neben dem IMD Berlin aus 8 weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland, China und England kamen. 

4. FÜR SIE GELESEN

Aluminium stört den Knochenaufbau bei Eisenmangel bereits im Säuglingsalter
Aluminium konkurriert mit Eisen um Bindungsstellen an Transportproteine und Enzyme. Daher verstärkt Eisenmangel die Aufnahme und die schädigende Wirkung von Aluminium. Ein aktueller Übersichtsartikel hebt die Bedeutung dieser Wechselwirkung für den Knochenaufbau bei Säuglingen hervor (Cirovic und Cirovic, J Trace Element Med Biol 2022; 71: 126941). Sind die Kinder unzureichend mit Eisen versorgt, wird nicht nur mehr Aluminium im Darm resorbiert, sondern auch die knochenbildenden Osteoblasten nehmen vermehrt Aluminium auf. Ursache dafür ist die Hochregulierung des Transferrin-Rezeptors 1, mit der u.a. Osteoblasten auf ein Unterangebot des benötigten Eisens reagieren. Die langfristigen Folgen einer solchen Aluminiumeinwirkung auf die frühkindlichen Osteoblasten ist bisher nicht untersucht. Der Zusammenhang unterstreicht jedoch einmal mehr die Bedeutung einer suffizienten Eisenzufuhr insbesondere in der Wachstumsphase und macht darauf aufmerksam, Aluminiumbelastungen gerade in dieser Altersgruppe zu meiden. Aktuelle systemische Aluminiumbelastungen können über die Analyse von Urin oder EDTA-Blut erkannt werden. Ebenso kann die Aluminiumkonzentration möglicher Quellen im Labor gemessen werden (z.B. Trinkwasser, Milchzubereitungen, Muttermilch). Die Bestimmung der Eisenversorgung erfolgt über Ferritin und hsCRP im Serum (die Eisenkonzentrationen in Serum oder Vollblut sind hingegen nicht aussagekräftig).

Das Darmbakterium Akkermansia muciniphila steht im Zusammenhang mit Depression
Das Darmmikrobiom ist mit unserem Gehirn auf vielfältige Weise verknüpft. Ein neuer Reviewartikel stellt die Rolle des Darmbakteriums Akkermansia muciniphila für Gehirnfunktionen dar und fasst neueste Erkenntnisse über seinen Einfluss auf neurologische Krankheitsbilder wie Epilepsie, Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose und Depressionen zusammen (Xu, Ruiling, et al., Critical Reviews in Microbiology 2022: 1-26). A. muciniphila schützt die Darmschleimhaut vor Schädigungen z.B. durch Erhöhung der Anzahl schleimproduzierender Becherzellen und damit der Mukusproduktion, sowie durch Verbesserung der Darmbarrierefunktion über tight-junction-Proteine. Das Bakterium ist außerdem an der Produktion von kurzkettigen Fettsäuren beteiligt, die den Epithelzellen als Energiequelle dienen und als Botenstoffe der Darm-Hirn-Achse wirken. Sowohl in Tier- als auch in Humanstudien wurde durchweg eine negative Korrelation zwischen depressivem Verhalten und dem Vorkommen von Akkermansia festgestellt. So korrelierten z.B. in einer Geburtenkohortenstudie bei Müttern die Symptome einer pränatalen psychischen Belastung negativ mit der Menge an A. muciniphila. Auch kognitive Funktionen, die häufig mit Depressionen korrelieren, werden durch Akkermanisa beeinflusst. In Tiermodellen konnte u.a. räumliches Lernen und Gedächtnisleistung durch A. muciniphila verbessert werden.

Insgesamt lässt eine umfangreiche Datenlage darauf schließen, dass ein Ausgleich von Defiziten an A. muciniphila im Darmmikrobiom (z.B. durch eine ballaststoffreiche Ernährung) bei Depression eine günstige Wirkung haben könnte. Die Menge von Akkermansia muciniphila im Darm lässt sich über die Stuhldiagnostik nachweisen, entweder über das „molekulargenetische Mikrobiotaprofil“ oder über das „Profil Mucin-/ Butyratbildung (PCR)“ gemeinsam mit Faecalibacterium prausnitzii.

5. FORTBILDUNGSVERANSTALTUNGEN

Online-Veranstaltungen

Ein neues Programm für die Webinare und Online-Seminare für das kommende Halbjahr folgt in Kürze.

Präsenzveranstaltungen

24.-26.06.2022
in Berlin
EGFM-Jahreskongress
Programm und Anmeldung
 
Europäische Gesellschaft
Funktionelle Medizin e. V

10.08.2022     
in Bad 
Godesberg

Fortbildungsreihe: Godesberger Pavillongespräche
Programm und Anmeldung
Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis
Dr. D. Haentjes & B. Milbrodt
IMD Berlin MVZ
12.10.2022     
in Bad 
Godesberg
Fortbildungsreihe: Godesberger Pavillongespräche
Programm und Anmeldung
Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis
Dr. D. Haentjes & B. Milbrodt
IMD Berlin MVZ
11.-12.11.2022     
in Berlin
20. Umweltmedizinische Jahrestagung 2022
Programm und Anmeldung

IMD Berlin MVZ 

19.11.2022     
in Mannheim
Chronische Infektionen mit Bakterien und Viren – eine immunologische Erkrankung: 
Pathogenese - Diagnostik - Therapie
Programm und Anmeldung

IMD Berlin MVZ 

Kurse und Curricula

Angewandte Funktionelle Immunologie (AFI)
Termine und Anmeldung
in Werder/Havel, Nauen
 
Europäische Gesellschaft
Funktionelle Medizin e. V.
DEGUZ Kompaktseminar Curriculum Umwelt-ZahnMedizin
Termine und Anmeldung
in Berlin
 
Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e. V.
Medizinische Fachausbildung für Heilpraktiker 2022
Termine und Anmeldung 
in Berlin
 
Praxis Dr. med. Astrid Kohl
Multisystemerkrankungen
Termine und Anmeldung
in Potsdam
 
Medizin 3.0. 
Dr. rer. nat. Marco Schmidt
Weiterbildung der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT)
„KMT-Curriculum“

Programm und Anmeldung
Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V.

Informationen zu Programm und Referenten sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungsveranstaltungen finden Sie unter:  Fortbildungen


6. REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr (V.vonBaehr@IMD-Berlin.de)
Dr. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - C.Doebis@IMD-Berlin.de)
Prof. Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik und Immunphänotypisierung - O.Frey@IMD-Berlin.de)
Prof. Dr. med. Berthold Hocher (Endokrinologie - Prof.Dr.Berthold.Hocher@IMD-Labore.de)
Dr. Katrin Huesker (Spurenelemente und Metalle - K.Huesker@IMD-Berlin.de)
Dr. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - B.Kieselbach@IMD-Berlin.de)
Dr. Anna Klaus (Allergie - A.Klaus@IMD-Berlin.de)
Dr. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - A.Schoenbrunn@IMD-Berlin.de)
Dr. Sabine Schütt (Immungenetik - S.Schuett@IMD-Berlin.de)
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Orthomolekulare Medizin - A.Thiem@IMD-Berlin.de)