Newsletter September 2022

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1. NEUES AUS DEM LABOR

Neu am IMD: Thiol-Status im Serum
Dieser Serumparameter erfasst die schützenden, freien Thiol-Gruppen, die extrazellulär Radikale abfangen und toxische Metalle und Schadstoffe binden. Der Thiol-Status ist daher ein Parameter des extrazellulären Schutzsystems. Als solcher liefert er eine Ergänzung zur Bestimmung des intrazellulären Glutathions, das die Kapazität der Zellen erfasst, intrazelluläre Radikale und Schadstoffe zu entgiften. Weitere Informationen finden Sie in unserer neuen Diagnostik-Information.

Neu am IMD: Kurzkettige Fettsäuren im Stuhl
Acetat, Propionat und Butyrat spielen als Nährstoffe der Darmepithelzellen eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Darmschleimhaut. Eine geringe Konzentration im Stuhl kann auf Dysbiose hindeuten und durch geringe Zufuhr an Ballaststoffen bedingt sein. Die Analyse der kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl ist nun am IMD etabliert und wird 1x pro Woche erfolgen (1xGOÄ: 52,46 Euro; weitere Informationen siehe „Frage aus der Praxis“).

Umweltmedizinische Jahrestagung 2022 definitiv in Präsenz!
So gut Online-Vorträge fachliche Inhalte vermitteln, ersetzen sie nicht die Diskussionen mit den Referenten, den Austausch zwischen Teilnehmern und die Atmosphäre einer Präsenztagung. Die Umweltmedizinische Jahrestagung wird daher auf jeden Fall vor Ort in Berlin-Blankenfelde stattfinden. Freuen Sie sich auf spannende Einblicke in die aktuelle Forschung und vor allem auf viele unmittelbar praxisrelevante Zusammenhänge zur Bedeutung des Darms für ZNS und Immunsystem (Programm und Anmeldung)

Neu im Kalender: Online-Seminar zu Long COVID am 11.10.
Prof. Berthold Hocher und Dr. Volker von Baehr bieten einen strukturierten Überblick über das aktuelle Wissen zu Long Covid und eine Empfehlung für ein rationelles labordiagnostisches Vorgehen. Sie sind herzlich eingeladen (zur Anmeldung).

2. DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Welche Bedeutung hat „Butyrat im Stuhl“ zusätzlich zu den „butyratbildenden Bakterien“?
Die kurzkettige Fettsäure Butyrat spielt als Nährstoff der Darmepithelzellen eine wichtige Rolle für die Gesunderhaltung der Darmschleimhaut. Butyrat wird im Darm von bestimmten Bakterien (Butyratbildner, z.B. F. prausnitzii) gebildet. Ihr Stoffwechsel und damit die Butyratproduktion wird durch Metabolite anderer Bakterien des Darmmikrobioms (u.a. Bifidobakterien) mitbestimmt. Zusätzlich werden Butyrat und andere kurzkettige Fettsäuren mit der Nahrung aufgenommen. Aufgrund dieser verschiedenen Quellen und Einflüsse besteht zwar eine gewisse Korrelation zwischen dem Vorkommen butyratbildender Bakterien und der Butyratkonzentration im Stuhl, für eine Beurteilung der Nährstoffversorgung des Darmepithels sind jedoch beide Parameter erforderlich:

  • „Butyrat im Stuhl“ quantifiziert die Menge an Butyrat, die den Epithelzellen zur Aufnahme zur Verfügung steht. Hier bestehen deutliche Unterschiede zwischen Patienten, auch wenn Butyratbildner vorhanden sind.
  • „Butyratbildende Bakterien im Stuhl“ zeigen die Kapazität des Mikrobioms an, selbst Butyrat zu produzieren und damit die Versorgung kontinuierlich zu sichern.
  • Eine geringe Butyratkonzentration bei normalen Mengen von Butyratbildnern weist auf eine Hemmung des Stoffwechsels dieser Bakterien hin, z.B. durch Wechselwirkungen innerhalb des Mikrobioms. Eine typische Ursache wäre ein Mangel an Bifidobakterien oder A. muciniphila.
  • Reduzierte Butyratbildner bei normaler Butyratkonzentration deuten auf eine hohe Zufuhr hin (z.B. mit Butter, fermentierten Lebensmitteln, oder unter Substitution). Um eine dauerhaft gute Versorgung zu erreichen, sollten Butyratbildner durch geeignete Prä- und Probiotika vermehrt werden.

Das IMD untersucht butyratbildende Bakterien im molekulargenetischen Mikrobiotaprofil (hier als Ausschnitt gezeigt) sowie den Hauptvertreter F. prausnitzii über quantitative PCR im Profil „Mucin-/Butyratbildung“ sowie ab sofort auch die kurzkettigen Fettsäuren Acetat, Propionat und Butyrat im Stuhl.

3. WISSENSCHAFT AM IMD

Unser Beitrag zur COVID-Forschung Die COVID-Pandemie hat die Medizin weltweit vor große Fragen gestellt. Diagnostische Verfahren aber auch Therapieansätze waren unbekannt. Das IMD Berlin hat die Herausforderung angenommen und in Kooperation mit Wissenschaftlern der Universität Heidelberg, der Charité Berlin und der Brighton and Sussex Medical School diagnostische Entwicklungen hervorgebracht, die bereits zu drei Veröffentlichungen in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften geführt haben. Eine Zusammenfassung dieser Ergebnisse und Links zu den Originalpublikationen finden Sie auf der IMD-Homepage.

4. FÜR SIE GELESEN

Vitamin-D-Anreicherung in Lebensmitteln zur Krebsprävention
Die systematische Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D könnte mehr als hunderttausend krebsbedingte Todesfälle pro Jahr in Europa verhindern. Das ist die Kernbotschaft eines aktuellen Artikels aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ (Niedermeier et al., European Journal of Epidemiology 2022; 37: 309-320). Die Wissenschaftler untersuchten mithilfe statistischer Modellrechnungen den möglichen Einfluss einer gezielten Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D auf die Krebssterblichkeit in Europa. Die Forscher sammelten dazu zunächst Informationen über die Ergänzung von Nahrungsmitteln mit Vitamin D aus 34 europäischen Ländern. Zudem ermittelten sie aus Datenbanken die Anzahl krebsbedingter Todesfälle und die Lebenserwartung in den einzelnen Ländern. Diese Informationen wurden mit den Ergebnissen von Studien zum Einfluss der Vitamin-D-Gabe auf die Krebssterberaten verknüpft. Mit statistischen Methoden errechneten sie, dass die Vitamin-D-Anreicherung die Zahl der Krebstodesfälle in allen betrachteten europäischen Ländern derzeit pro Jahr um 27.000 reduziert. Würden alle europäischen Länder Lebensmittel mit angemessenen Mengen Vitamin D anreichern, könnten nach diesen Modellrechnungen ca. 130.000 bzw. etwa neun Prozent aller Krebstodesfälle in Europa verhindert werden. Unabhängig von möglichen politischen Konsequenzen unterstreichen diese Ergebnisse einmal mehr die medizinische Bedeutung einer adäquaten Vitamin-D-Versorgung.

T-Zell-Veränderungen noch Monate nach COVID-19 Infektion nachweisbar
Die langfristigen Folgen einer COVID-19-Erkrankung stehen derzeit im Fokus der Forschung. Erste überzeugende Arbeiten sprechen dafür, dass COVID-19 Veränderungen innerhalb der T-Zell-Populationen bewirkt. Diesen Zusammenhang beleuchtet ein aktuelles Paper einer schwedischen Arbeitsgruppe (Govender et al., Frontiers in Immunology 2022; 13: 931039). Sie untersuchten Merkmale von T-Zellpopulationen in einer Gruppe hospitalisierter Patienten und gesunden Kontrollprobanden. Der Vergleich bestätigte, dass Patienten mit einer COVID-19-Infektion Veränderungen im T-Zell-Repertoire aufwiesen. Hierzu gehören ein erhöhter Anteil an sog. TEMRA Zellen (T effector memory cells re-expressing CD45RA), die zwar hohe Konzentrationen an pro-inflammatorischen Zytokinen produzieren, gleichzeitig aber eine geringe Fähigkeit zur Vermehrung haben. Zudem zeigte sich ein erhöhter Anteil „erschöpfter“ CD57-positiver CD8+ T-Zellen. Auffällig war ferner die Ausprägung eines TH2-dominanten Phänotyps unter den follikulären T-Helferzellen in der Patientengruppe. Diese Veränderungen blieben während der gesamten Studienzeit bestehen, d.h. über 6-7 Monate und damit weit in die Rekonvaleszenzzeit hinein. Diese Langzeitdaten weisen somit auf signifikante, COVID-19-spezi- fische Veränderungen im Immunsystem über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten hin, wobei das T-Zell-Kompartiment durch Aktivierung, Erschöpfung und Seneszenz gekennzeichnet ist. In welchem Maß sich diese Veränderungen bei leichteren Verläufen manifestieren können, ist noch nicht abschließend geklärt. Labordiagnostisch kann der quantitative Immunstatus und die TH1/ TH2-Balance genutzt werden, um Veränderungen der T-Zellpopulationen beim Patienten zu untersuchen.

5. FORTBILDUNGSVERANSTALTUNGEN

Online-Veranstaltungen

Online-Fortbildungen (Webinare)
Reihe Neuro-Endokrino-Immunologie
 
12.10.2022
15 - 16 Uhr
Autoantikörper-assoziierte neurologische Syndrome – Eine Kurzübersicht
Programm und Anmeldung
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach
30.11.2022
15 - 16 Uhr

Die Rolle des Immunsystems bei Schlafstörungen und Fatigue
Programm und Anmeldung

Dr. med. Volker von Baehr
Online-Seminare
21.09.2022
19 - 21 Uhr
Allergien, Autoimmunerkrankungen und chronische Infektionen als Folge einer gestörten Immuntoleranz
Programm und Anmeldung
 
Dr. rer. nat. Anne Schönbrunn
Dr. med. Volker von Baehr
11.10.2022
19 - 21 Uhr
Post Covid – der aktuelle Wissensstand
Programm und Anmeldung
 
Prof. Dr. med. B. Hocher
Dr. med. Volker von Baehr
19.10.2022
19 - 21 Uhr
Metallbelastungen des Alltags – ihre Bedeutung für die männliche und weibliche Fertilität
und für die Entwicklung des Kindes

Programm und Anmeldung
Prof. Dr. med. Berthold Hocher
Dr. rer. nat. Katrin Huesker

16.11.2022
19 - 21 Uhr

Ursachen und Konsequenzen auffälliger Stuhlanalysen – Wie ist der aktuelle Stand der Wissenschaft?
Programm und Anmeldung
Dr. rer. nat. Steffen Tobisch
Dr. rer. nat. Christiane Kupsch
07.12.2022
19 - 21 Uhr
Neuroinflammation – (Vermeidbare) Auslöser und mögliche präventive Maßnahmen
Programm und Anmeldung
Dr. rer. nat. Katrin Huesker
Andrea Thiem

Präsenzveranstaltungen

30.09.- 02.10.2022
in Berlin
Institut für mitochondriale Medizin: Kongress Naturstoffe in der ganzheitlichen Medizin
Programm und Anmeldung
Institut für mitochondriale Medizin:
Dr. med Bernd-Michael Löffler
05.10.2022
in Berlin
Kyberg vital: Schlafstörungen fördern die Entstehung chronischer Erkrankungen
Programm und Anmeldung
Kyberg vital
Andrea Thiem
08.-09.10.2022
in Hohenroda

Kairos-Inspirationstage: Erfüllung und Selbstbestimmung im Heilberuf
Programm und Anmeldung

Kairos – Institution für medizinische und persönliche Transformation
11.-12.11.2022     
in Berlin
20. Umweltmedizinische Jahrestagung (UMJT)
Programm und Anmeldung

IMD Berlin MVZ 

19.11.2022     
in Mannheim
Chronische Infektionen mit Bakterien und Viren – eine immunologische Erkrankung: 
Pathogenese - Diagnostik - Therapie
Programm und Anmeldung

IMD Berlin MVZ 

Kurse und Curricula

Angewandte Funktionelle Immunologie (AFI)
Termine und Anmeldung
in Werder/Havel, Nauen
 
Europäische Gesellschaft
Funktionelle Medizin e. V.
DEGUZ Kompakt-Curriculum Umwelt-ZahnMedizin
Termine und Anmeldung
 
Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e. V.
DEGUZ Kompakt-Curriculum Umwelt-ZahnTechnik
Termine und Anmeldung
 
Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e. V.
Medizinische Fachausbildung für Heilpraktiker 2023
Termine und Anmeldung 
in Berlin
 
Praxis Dr. med. Astrid Kohl
Multisystemerkrankungen
Termine und Anmeldung
in Potsdam
 
Medizin 3.0. 
Dr. rer. nat. Marco Schmidt
Weiterbildung der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT)
„KMT-Curriculum“

Programm und Anmeldung
Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V.

Informationen zu Programm und Referenten sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungsveranstaltungen finden Sie unter:  Fortbildungen



6. REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr (V.vonBaehr@IMD-Berlin.de)
Dr. rer. nat. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - C.Doebis@IMD-Berlin.de)
Prof. Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik und Immunphänotypisierung - O.Frey@IMD-Berlin.de)
Prof. Dr. med. Berthold Hocher (Endokrinologie - Prof.Dr.Berthold.Hocher@IMD-Labore.de)
Dr. rer. nat. Katrin Huesker (Spurenelemente und Metalle - K.Huesker@IMD-Berlin.de)
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - B.Kieselbach@IMD-Berlin.de)
Dr. rer. nat. Anna Klaus (Allergie - A.Klaus@IMD-Berlin.de)
Dr. rer. nat. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - A.Schoenbrunn@IMD-Berlin.de)
Dr. rer. nat. Sabine Schütt (Immungenetik - S.Schuett@IMD-Berlin.de)
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Orthomolekulare Medizin - A.Thiem@IMD-Berlin.de)