Newsletter März/April 2026

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NEUES AUS DEM LABOR

Titin N-Fragment zur Detektion mikrostruktureller Muskelschädigung bei Sportlern
Ein neuer Laborparameter bietet die Möglichkeit, mikrostrukturelle Schäden der Muskelfasern sichtbar zu machen. Diese treten vor allem bei intensiver und exzentrischer Belastung auf. Titin N-Fragment im Urin macht trainingsbedingte Muskelschädigung direkt sichtbar, reagiert sensibel auf Belastung und korreliert mit der Trainingsintensität. Die Urinprobe für die Bestimmung sollte 20 bis 28 Stunden nach sportlicher Belastung abgegeben werden. Bei Anforderung der Laboranalyse bitte „Titin N-Fragment“ in das Feld „Weitere Untersuchungen“ eintragen oder in Labgate auswählen. Hintergründe und praktische Details finden Sie in unserer Diagnostik-Information (Link zum PDF).

Neue Möglichkeiten zur Differenzierung von primären Nussallergien
Zur Einschätzung der klinischen Relevanz einer Nussallergie ist entscheidend, ob es sich um eine Kreuzreaktivität oder um eine primäre Allergie auf die Samenspeicherproteine handelt. Das IMD hat nun die gezielte Komponentendiagnostik für Haselnuss- und Walnussallergene validiert. Ab 15.04.2026 können Sie das spezifische IgE gegen Cor a 11, Cor a 16, Jug r 2 und Jug r 6 in Labgate anfordern bzw. auf Papierscheinen im Feld „Weitere Anforderungen“ eintragen.

Neu am IMD: Bestimmung biochemischer Parameter im Liquor zur Diagnostik von Morbus Alzheimer
Die Bestimmung der beta-Amyloid-Ratio (beta-Amyloid-1-42/1.40-Quotient) und des hyperphosphorylierten Tau-Proteins (pTau181) im Liquor ist ab sofort am IMD verfügbar. Diese Parameter sind in der Diagnostik der Alzheimer-Demenz in den Fokus gerückt, seit 2016 die so genannte AT(N)-Klassifikation den strategischen Wandel hin zu einer präzisen, Biomarker-basierten Definition der Erkrankung eingeleitet hat. Die AT(N)-Klassifikation beschreibt die Erkrankung unabhängig von klinischen Symptomen über das Vorhandensein typischer pathophysiologischer Veränderungen. Mehr lesen...

Neu auf der IMD-Webseite: Übersichtstabelle zur Pharmakogenetik 
Genetisch bedingte Unterschiede in der Aktivität von Phase-I- (z. B. CYP-Enzyme) und Phase-II-Enzymen können Wirksamkeit und Verträglichkeit zahlreicher Medikamente erheblich beeinflussen. Ab sofort finden Sie auf unserer Website eine übersichtliche Tabelle, die relevante Enzymsysteme verschiedenen Wirkstoffen zuordnet (Link zur Webseite). Sie dient als praktische Orientierungshilfe bei der Frage, ob und welche pharmakogenetische Untersuchung im Rahmen einer individualisierten Therapie sinnvoll sein kann. Das IMD Berlin bietet hierzu ein breites Spektrum pharmakogenetischer Analysen an (Link zum Anforderungsschein Molekulargenetik).

Life Summit am 29. und 30. Mai in Berlin
Die Messe rund um das Thema Longevity bietet u.a. eine Masterclass „Kontrollierte Nährstoff- und Hormontherapie nach Labor“ mit Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel und Dr. med. Volker von Baehr. Das IMD ist auch als Aussteller vertreten. Infos zu Programm und Anmeldung finden Sie auf der Webseite der Veranstaltung (Link). Wir freuen uns auf den Austausch vor Ort! 

LABORPARAMETER – NEU ERKLÄRT

Spezifisches IgE auf Viciline, eine wichtige Neuerung der Nussallergie-Diagnostik
Allergien auf Haselnüsse und Walnüsse sind vielfältiger, als es klassische Diagnostik vermuten lässt. Neben den bekannten Hochrisiko-Speicherproteinen 2S-Albumin und 11S-Globulin sind die 7S-Globuline – die sogenannten Viciline – in den Fokus gerückt. Sie gelten als klinisch relevante Hauptallergene und sind eng mit primären, potenziell systemischen Reaktionen verbunden. Die Bestimmung von spezifischem IgE gegen Vicilin-Komponenten (z.B. Jug r 2, Jug r 6, Cor a 11, Cor a 16) liefert daher entscheidende Hinweise auf eine echte, klinisch bedeutsame Nussallergie - besonders dann, wenn 2S-Albumin und 11S-Globulin negativ sind, können Viciline die diagnostische Lücke schließen und Klarheit schaffen.

DIE FRAGE AUS DER PRAXIS

Welche unterschiedlichen Aussagen liefern die Laboranalysen „RANTES im Serum“ und „Mercaptane/Thioether-Sensibilisierung“?
Beide Laboranalysen gehören zur immunologischen Diagnostik chronischer Entzündungsherde im Zahn-/Kieferbereich. Der Mercaptane/Thioether-Test erfasst die spezifische Immunreaktion auf bakterielle Stoffwechselprodukte aus nekrotischem Gewebe (z. B. devitalen Zähnen). Ein positiver Test sagt aus, dass eine Immunaktivierung durch aus Zahnherden freigesetzte Stoffe unterhalten wird.  Ein erhöhter RANTES-Wert im Serum dagegen wird in der dental-immunologischen Diagnostik mit der fettig-degenerativen Osteonekrose des Kieferknochens (FDOK, auch als NICO bezeichnet) in Verbindung gebracht, weil das inflammatorisch niedrig aktive, aber persistierende Fettgewebe bei der FDOK die wichtigste permanente RANTES-Quelle darstellt. 
Für die Prävention beider Pathologien ist der intakte Knochenstoffwechsel, d.h. die Osteoblasten/Osteoklasten-Balance, entscheidend. Das bedeutet neben guter Durchblutung vor allem aktive Knochenremodellierung, effektive Immunabwehr, Limitierung von Entzündung und oxidativem Stress sowie intakte Mitochondrienfunktion der Knochenzellen. Auf der diesjährigen Jahrestagung der DEGUZ am 8./9. Mai in Leipzig steht dieses Thema im Fokus. Wie ist Knochenregeneration und intakte Osteoimmunologie erreichbar? Das geht nur in Kooperation zwischen Medizin und Zahnmedizin und nur mit ganzheitlichem Fokus, egal, ob es um FDOK, Periimplantitis, Parodontitis oder Zahnherdgeschehen geht. Diese Tagung hat noch freie Plätze. Man kann sich anmelden unter Link zur DEGUZ Jahrestagung

WISSENSCHAFT AM IMD

Antinukleäre Antikörper (ANA) und GPCR-Autoantikörper korrelieren zueinander und sind mit systemischer Entzündung assoziiert! Antinukleäre Antikörper (ANA) sind ein Screening-Marker bei Verdacht auf systemische Autoimmunerkrankungen. Bei GPCR-Autoantikörpern (GPCR-AAk) richten sich Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Membranrezeptoren, die für die Signalübertragung vor allem im vegetativen Nervensystem eine wichtige Rolle spielen. Diese Antikörper treten häufiger bei Post-COVID- bzw. Post-Vac-Patienten auf. Eine Querschnittsstudie aus dem diagnostischen Alltag des IMD (n=19.810) in Kooperation mit der  Universität Heidelberg unter der Leitung von Prof. Berthold Hocher zeigt nun eine klare Assoziation zwischen ANA-Positivität (IIFT; Cut-off 1:100) und funktionellen GPCR-Autoantikörpern (Aak gegen β1- und β2-adrenerge Rezeptoren, M3- und M4-muskarinische Rezeptoren sowie ETAR- und AT1R-Autoantikörper; Link zur Originalpublikation). Besonders relevant erscheint, dass unabhängig davon M4-Rezeptor-Autoantikörper mit höheren TNF-α-Konzentrationen im Blut assoziiert waren – vor allem bei Frauen. Damit ergibt sich ein plausibles Konzept einer „ANA–GPCR–Inflammationsachse“, die klassische Autoimmunmarker mit funktionell aktiven Antikörpern verbindet, die direkt in Rezeptorsignalwege eingreifen können.

FÜR SIE GELESEN

AGE-reiche Ernährung fördert Nahrungsmittelallergien
Angesichts der steigenden Prävalenz von Nahrungsmittelallergien rücken neben genetischer Prädisposition moderne Ernährungsfaktoren stärker in den Fokus. Eine aktuelle Studie aus dem renommierten Journal Nature Communications berichtet, dass „dietary advanced glycation end-products (dAGEs)“ – also AGEs aus typischerweise stark erhitzten und verarbeiteten Lebensmitteln – die Anfälligkeit für allergische Sensibilisierungen erhöhen und mit Allergien assoziiert sind (Zhang et al., Nat Commun. 2025; 16: 4960). Mechanistisch beschreiben die Autoren zwei klinisch relevante Achsen: (1) eine Störung der Darmbarrierefunktion durch AGE-Belastung und (2) eine Th2-dominierte mukosale Immunantwort mit verstärkter Reaktivität auf „Bystander“-Nahrungsallergene. Zentral ist dabei eine Signalinteraktion zwischen RAGE (Receptor for AGEs) und dem Endotoxin-Rezeptor TLR4, was die hohe Immunogenität der AGEs bedingt. Die Daten liefern ein plausibles biologisches Modell, wie AGE-reiche Kost zur Allergieanfälligkeit beitragen kann. Praktisch ergibt sich ein präventiver Ansatzpunkt: Reduktion stark erhitzter und hochverarbeiteter Lebensmittel könnte bei Risikogruppen (z. B. familiäre Atopie, frühe Ekzeme) als Teil der ernährungsmedizinischen Beratung diskutiert werden. Die Bestimmung von AGEs im Serum ist hilfreich zur Objektivierung der individuellen Exposition gegenüber AGEs und zum Monitoring unter Ernährungsumstellung.

 Feinstaubbelastung als Risikofaktor für Autoimmunität
Eine aktuelle Auswertung der Ontario Health Study untersucht den Zusammenhang zwischen langfristiger Feinstaubexposition (Partikelgröße bis 2,5µm Durchmesser) und dem Auftreten antinukleärer Antikörper (ANA) (Zhao et al., Rheumatology 2026; 65: keaf545). In rund 3.500 zufällig ausgewählten Serumproben wurden ANA-Titer mittels indirekter Immunfluoreszenz bestimmt. Die individuelle Feinstaubbelastung wurde als Fünf-Jahres-Mittelwert auf Basis des Wohnortes berechnet und in multivariablen Modellen u. a. für Alter und Raucherstatus adjustiert. Personen aus dem Viertel mit der höchsten Feinstaubbelastung hatten signifikant häufiger hohe ANA-Titer von 1:640 (Odds Ratio 1,46) und 1:1280 (Odds Ratio 1,54) als jene aus dem Viertel mit der niedrigsten Belastung. Für niedrigere Titer waren die Effekte weniger eindeutig. Erhöhte ANA weisen auf eine Immunaktivierung hin und können der klinischen Manifestation systemischer Autoimmunerkrankungen vorausgehen. Die neuen Daten stützen daher die Hypothese, dass chronische Feinstaubexposition das Immunsystem modulieren und einen Risikofaktor für Autoimmunerkrankungen darstellen kann. 

FORTBILDUNGEN

Online-Seminare
 
22.04.2026
18 - 20 Uhr
Mehr als Knochendichte: Osteoporose – Update zu metabolischen Einflussfaktoren, Stoffwechsel, Hormonen und Mikronährstoffen
Programm und Anmeldung
Prof. Dr. med. Berthold Hocher
29.04.2026
18 - 20 Uhr
Komplementäre Behandlungsstrategien in der Onkologie
Programm und Anmeldung
Dr. med. Axel Widing
Dr. rer. nat. Cornelia Doebis
Andrea Thiem
20.05.2026
18 - 20 Uhr
Zelluläre Immunprofile bei angeborenen und erworbenen Immundefekten, Autoimmunerkrankungen und chronischen Infektionen – Vorstellung von klassischen Befundkonstellationen
Programm und Anmeldung
Dr. rer. nat. Cornelia Doebis
Dr. med. Volker von Baehr
03.06.2026
18 - 20 Uhr
Die Bedeutung von Selen in der Prävention altersassoziierter Erkrankungen – klinische Daten, Pathomechanismen und aussagekräftige Labordiagnostik
Programm und Anmeldung
Prof. Dr. Lutz Schomburg
Dr. rer. nat. Katrin Huesker
10.06.2026
18 - 20 Uhr
Wieviel Training ist gesund? Was Blut- und Urinwerte über Belastung und Regenerationsfähigkeit verraten
Programm und Anmeldung
Andrea Thiem
Dipl.-Biochem. Christine Lenz
Dr. rer. nat. Katrin Huesker
09.09.2026
18 - 20 Uhr
Wenn die Gelenke schmerzen - Differentialdiagnostik bei Arthralgien
Programm und Anmeldung
Prof. Dr. med. Oliver Frey
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach
Neu aufgezeichnete Webinare
 
  Jan 2026Metalle, GPCR-Autoantikörper und Herzgesundheit
zur Aufzeichnung
Prof. Dr. med. Berthold Hocher
Präsenz-Fortbildungen
 
17.-18.04.2026
in Berlin
IMD-Jahreskongress 2026: Herz- und Gefäßgesundheit – über den Tellerrand hinaus
Programm und Anmeldung 
IMD Berlin MVZ
08.- 09.05.2026
in Leipzig
17. Jahrestagung der DEGUZ:
Knochen und Regeneration im Kontext der Umwelt-ZahnMedizin
Programm und Anmeldung
Deutsche Gesellschaft für
Umwelt-ZahnMedizin e.V.
06.06.2026
in Warnemünde
9. Rostocker Tag  „Mitochondriale Medizin für die Praxis“
Programm und Anmeldung
 
Dr. med. Bernd-Michael Löffler Wolfgang Bönsch
Kurse und Curricula
 
Ausbildung zum Therapeuten für Funktionelle Medizin
Termine und Anmeldung
Europäische Gesellschaft Funktionelle Medizin e.V.
Basisausbildung zum Orthomolekular-Therapeuten
Termine und Anmeldung
Forum Orthomolekulare Medizin in Prävention und Therapie e.V.
DEGUZ Kompakt-Curriculum Umwelt-ZahnMedizin & Umwelt-ZahnTechnik
Termine und Anmeldung
Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e.V.
Kairos-Inspirationstage: Erfüllung und Selbstbestimmung im Heilberuf
Termine und Anmeldung
Kairos – Institution für medizinische
und persönliche Transformation
Multisystemerkrankungen
Termine und Anmeldung
Akademie für Funktionsbezogene Medizin
Dr. Marco Schmidt
Weiterbildung der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT)
„KMT-Curriculum“
Programm und Anmeldung
Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V.

Informationen zu Programm und Referenten/innen sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungen finden Sie unter:  Fortbildungen

REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG

Dr. med. Volker von Baehr ()
Dr. rer. nat. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - )
Prof. Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik & Immunphänotypisierung - )
Prof. Dr. med. Berthold Hocher (Endokrinologie - )
Dr. rer. nat. Katrin Huesker (Spurenelemente & Metalle -
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - )
Siba Alkhaddour, Ärztin (Allergie - )
Dr. rer. nat. Christiane Kupsch (Mikrobiomanalytik - )
Dr. rer. nat. Bella Roßbach (Neuroendokrinoimmunologie - )
Dr. rer. nat. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - )
Dr. rer. nat. Sabine Schütt (Immungenetik - )
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Mikrobiom & Orthomolekulare Medizin - )