Newsletter Juli/August 2026
NEUES AUS DEM LABOR
Nachweis von Endotoxinbelastung – neue Diagnostik-Information zu LBP im Serum
Das im Serum messbare Lipopolysaccharid-bindende Protein (LBP) kann Störungen der Darmbarriere und eine Translokation bakterieller Lipopolysaccharide anzeigen. Unsere aktuelle Diagnostik-Information erklärt die medizinische Einordnung dieses Markers und liefert alle praktischen Details zur Laboranalyse (Link zum PDF).
Neue Übersichtstabelle zur Pharmakogenetik
Genpolymorphismen können die Wirkung von Medikamenten herabsetzen oder Nebenwirkungen verstärken. Ist die individuelle Pharmakogenetik bekannt, können Betroffene von einer entsprechenden Dosisanpassung profitieren. Wir haben häufige pharmakogenetische Wechselwirkungen in einer aktuellen Tabelle zusammengestellt (Link zum PDF).
Neuer Plan unserer Online-Seminare im Herbst 2026
Alle Informationen zu unserem abwechslungsreichen Programm finden Sie im Fortbildungsflyer (Link zum PDF) sowie auf unserer Webseite (Link). Zum Auftakt nach der Sommerpause referieren Dr. Brit Kieselbach und Prof. Oliver Frey am 09.09. über die Möglichkeiten der modernen Labordiagnostik bei Gelenkschmerzen. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
Online-Seminar zur gezielten Anwendung der verschiedenen Leaky gut-Parameter in der Praxis
Am 30.09. geben unsere Referentinnen Dr. Christiane Kupsch und Andrea Thiem eine prägnante Übersicht über die diagnostischen Möglichkeiten und vergleichen Fragestellungen und Aussagekraft. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.
EGFM-Seminar: Borreliose im Kontext neuro-psychiatrischer Erkrankungen
Fatigue-Symptomatiken sowie neurologische, psychiatrische oder auch gastrointestinale Beschwerden können mit chronischer Borreliose in Verbindung stehen. Diese Zusammenhänge beleuchtet das Vertiefungsseminar der Europäischen Gesellschaft Funktionelle Medizin (EGFM) vom 9.-11. Oktober 2026 in Garbsen und vermittelt praxisnah, wie moderne Diagnostik und funktionelle Medizin zur Abklärung und Behandlung beitragen können (Link zum Veranstaltungsflyer).
LABORPARAMETER – NEU ERKLÄRT
IgE gegen Cross-reactive Carbohydrate Determinants (CCDs) – unerlässlich bei der Diagnostik der Bienen- und Wespengift-Allergie
Bei Insektengift-Allergien ist nicht selten spezifisches IgE sowohl gegen Bienen- als auch gegen Wespengift nachweisbar. Für die Differenzierung zwischen einer Kreuzreaktivität und einer echten Doppelsensibilisierung liefert die Untersuchung des IgE gegen CCDs einen wichtigen Anhaltspunkt. CCDs sind Glykanstrukturen, die auf Proteinen von Pflanzen und Insekten vorkommen. Sie erzeugen eine breite, klinisch jedoch meist irrelevante IgE-Kreuzreaktivität. Bei positivem spezifischem IgE gegen Bienen- und Wespengift und fehlendem Nachweis von CCD-spezifischem IgE muss man davon ausgehen, dass eine echte Doppelsensibilisierung auf homologe Allergenkomponenten vorliegt.
Bestehen Kreuzreaktivitäten oder wird eine Hyposensibilisierung geplant, sollte das relevante Allergen stets über die rekombinante Allergiediagnostik identifiziert werden. Weitere Details finden Sie in unserer Diagnostik-Information (Link zum PDF).
DIE FRAGE AUS DER PRAXIS
Wann sollte man bei erhöhten Leberwerten an eine Autoimmunhepatitis denken?
Eine Autoimmunhepatitis (AIH) sollte bei jeder unklaren akuten oder chronischen Hepatopathie differenzialdiagnostisch erwogen werden, insbesondere wenn vorwiegend eine Erhöhung der Transaminasen ASAT (GOT) und ALAT (GPT) vorliegt, bei normalen oder nur gering erhöhten Cholestaseparametern (GGT, Alkalische Phosphatase). Die AIH zeigt überwiegend einen schleichenden Beginn und ist bei ca. 1/3 aller Fälle zum Diagnosezeitpunkt asymptomatisch. In einer am IMD untersuchten Kasuistik blieben bei einer jungen Frau die Transaminasen über Monate erhöht, bei leicht erhöhter GGT und unauffälliger AP, Gesamt-IgG war erhöht. Schließlich wurde ein Autoantikörper (AAk) gegen das lösliche Leberantigen (SLA/LP-AAk) hochpositiv nachgewiesen und in Kombination mit einer Leberbiopsie der Befund einer AIH bestätigt. Je nach Autoantikörperprofil unterscheidet man zwei AIH-Typen. Die Typ 1-AIH (ANA, ASMA und/oder SLA/LP-AAk) und die Typ 2-AIH (LKM1-AAk, selten auch LC1-AAk).
Entscheidend ist stets die Gesamtschau aus dem Verlauf der Leberwerte, der IgG-Konzentration, der Autoantikörperdiagnostik, dem Ausschluss anderer Ursachen – beispielsweise Virushepatitiden, medikamentös bedingte Leberschäden oder metabolische Lebererkrankungen – und der Leberhistologie. Der Nachweis der hochspezifischen SLA/LP-Autoantikörper ist dabei diagnostisch richtungsweisend.
WISSENSCHAFT AM IMD
Kardiologie im Umbruch: Schwermetalle als Risikofaktoren anerkannt
Umweltbedingte Gesundheitsrisiken rücken zunehmend in den Fokus der Kardiologie. Ein neuer Übersichtsartikel von Prof. Dr. Berthold Hocher vom IMD Berlin fasst die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zusammen (Link zum Volltext der Originalarbeit) und zeigt die Bedeutung von Umweltbelastungen – insbesondere durch Schwermetalle – für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Diese Daten sprechen dafür, Schwermetallanalysen, insbesondere im Vollblut, stärker in die Prävention und Diagnostik kardiovaskulärer Risiken zu integrieren.
FÜR SIE GELESEN
Vitamin D in der Schwangerschaft: wichtig – aber nur unter Kontrolle
Eine aktuelle randomisierte Studie mit 498 Kindern zeigt, dass eine höhere Vitamin-D₃-Supplementierung während der Schwangerschaft mit einer besseren verbalen und visuellen Gedächtnisleistung des Kindes im Alter von zehn Jahren verbunden ist (Frederiksen et al., JAMA Netw Open 2026; 9: e2611464). Die Frauen erhielten ab der 24. Schwangerschaftswoche entweder 400 oder insgesamt 2.800 I.E. Vitamin D₃ täglich. Vitamin D ist für die Entwicklung von Gehirn, Nervensystem und Skelett des Fötus wichtig, eine Supplementierung sollte jedoch nicht unkontrolliert erfolgen. Seltene CYP24A1-Mutationen können den Abbau aktiver Vitamin-D-Metabolite stark beeinträchtigen und selbst unter üblichen Dosierungen schwere lebensbedrohliche Hyperkalzämien, Nephrokalzinose und bleibende Nierenschäden verursachen. Daher sollte eine höher dosierte Vitamin-D-Gabe im Labor kontrolliert werden. Wegen des in der Schwangerschaft deutlich erhöhten Vitamin-D-bindenden Proteins ist die direkte Messung des freien 25(OH)-Vitamin D besonders aussagekräftig. Zusätzlich sollten Calcium und Nierenfunktion überwacht werden.
Antikörper-Screening zur Prävention von Typ 1-Diabetes?
Eine aktuelle Studie an über 220.000 Kindern spricht dafür, dass ein Antikörper-Screening eine effektive Strategie zur Früherkennung des Typ 1-Diabetes sein kann (Winkler et al., JAMA 2026; 335: 2046–2056). Zum ersten Untersuchungszeitpunkt im Alter zwischen 1 und 6 Jahren wiesen 0,30 % der Kinder mindestens 2 Diabetes-assoziierte Autoantikörper (AAk) gegen Inselzellen auf (Insulin-Ak, GAD-, IA2-, Zn8T-AAk). Zu dieser Gruppe zählten über 80 % der Kinder, die im weiteren Verlauf einen klinischen Typ-1-Diabetes entwickelten. Eine Wiederholung des Screenings nach mehreren Jahren erkannte zusätzliche Erkrankungsfälle mit vergleichbarer Sensitivität. Das Progressionsrisiko war unabhängig davon, ob eine familiäre Vorbelastung bestand. Die Kombination verschiedener Inselautoantikörper erlaubte eine differenzierte Abschätzung des individuellen Progressionsrisikos. Angesichts verfügbarer krankheitsmodifizierender Therapien zur Verzögerung des klinischen Krankheitsbeginns könnte die frühzeitige Autoantikörperdiagnostik neue Möglichkeiten der Prävention erschließen. Weitere Hintergründe und Details zur Laboruntersuchung finden Sie in unserer Diagnostik-Information (Link zum PDF).
FORTBILDUNGEN
Online-Seminare | ||
|---|---|---|
| 09.09.2026 18 - 20 Uhr | Wenn die Gelenke schmerzen - Differentialdiagnostik bei Arthralgien Programm und Anmeldung | Prof. Dr. med. Oliver Frey Dr. rer. nat. Brit Kieselbach |
| 23.09.2026 18 - 20 Uhr | "Raise the bar": Neue Interpretationsgrenzen für Ferritin-Hintergründe und Anwendung Programm und Anmeldung | Prof. Dr. med. Oliver Frey Dr. med. Wilhelm Schneiderhan |
| 30.09.2026 18 - 20 Uhr | Die Darmbarriere verstehen – Relevante Marker sicher interpretieren & therapeutisch anwenden Programm und Anmeldung | Dr. rer. nat. Christiane Kupsch Andrea Thiem |
| 07.10.2026 18 - 20 Uhr | Einfluss von Vitamin D auf das Immunsystem Programm und Anmeldung | Prof. Dr. med. Berthold Hocher Dr. med. Volker von Baehr |
| 04.11.2026 18 - 20 Uhr | Ernährungsmedizin im Kontext Mikrobiom und Immunsystem (ketogen, karnivor, LPS, Zytokine) Programm und Anmeldung | Dr. med. Gerrit Keferstein Andrea Thiem |
| 02.12.2026 18 - 20 Uhr | Mikrobiologie up to date: was passiert mit der Probe im modernen Labor? Programm und Anmeldung | Kirsten Hage Jane Dienemann Prof. Dr. med. Oliver Frey |
Präsenz-Fortbildungen | ||
|---|---|---|
| 18.-20.09.2026 in Kassel | 6. EGFM-Jahreskongress "Frauengesundheit" Programm und Anmeldung | Europäische Gesellschaft Funktionelle Medizin e.V. (EGFM) |
| 06.-07.11.2026 in Berlin-Blankenfelde | EGKU: 24. Umweltmedizinische Jahrestagung "Fatigue - Kardinalsymptom unserer Zeit" Programm und Anmeldung | Europäische Gesellschaft für Klinische Umweltmedizin e. V. (EGKU) |
Kurse und Curricula | ||
|---|---|---|
| Ausbildung zum Therapeuten für Funktionelle Medizin Termine und Anmeldung | Europäische Gesellschaft Funktionelle Medizin e.V. | |
| Basisausbildung zum Orthomolekular-Therapeuten Termine und Anmeldung | Forum Orthomolekulare Medizin in Prävention und Therapie e.V. | |
| DEGUZ Kompakt-Curriculum Umwelt-ZahnMedizin & Umwelt-ZahnTechnik Termine und Anmeldung | Deutsche Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin e.V. | |
| Kairos-Inspirationstage: Erfüllung und Selbstbestimmung im Heilberuf Termine und Anmeldung | Kairos – Institution für medizinische und persönliche Transformation | |
| Multisystemerkrankungen Termine und Anmeldung | Akademie für Funktionsbezogene Medizin Dr. Marco Schmidt | |
| Weiterbildung der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT) „KMT-Curriculum“ Programm und Anmeldung | Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie e.V. | |
Informationen zu Programm und Referenten/innen sowie zur Anmeldung für diese und weitere Fortbildungen finden Sie unter: Fortbildungen
REDAKTION UND INHALTLICHE BETREUUNG
Dr. med. Volker von Baehr (v.vonbaehr@imd-berlin.de)
Dr. rer. nat. Cornelia Doebis (Biomarker & Durchflusszytometrie - c.doebis@imd-berlin.de)
Prof. Dr. med. Oliver Frey (Immundefektdiagnostik & Immunphänotypisierung - o.frey@imd-berlin.de)
Prof. Dr. med. Berthold Hocher (Endokrinologie - b.hocher@imd-berlin.de)
Dr. rer. nat. Katrin Huesker (Spurenelemente & Metalle - k.huesker@imd-berlin.de
Dr. rer. nat. Brit Kieselbach (Autoimmunologie - b.kieselbach@imd-berlin.de/span>)
Siba Alkhaddour, Ärztin (Allergie - s.alkhaddour@imd-berlin.de)
Dr. rer. nat. Christiane Kupsch (Mikrobiomanalytik - c.kupsch@imd-berlin.de)
Dr. rer. nat. Bella Roßbach (Neuroendokrinoimmunologie - b.rossbach@imd-berlin.de)
Dr. rer. nat. Anne Schönbrunn (Funktionelle Immundiagnostik - a.schoenbrunn@imd-berlin.de)
Dr. rer. nat. Sabine Schütt (Immungenetik - s.schuett@imd-berlin.de)
Andrea Thiem, Praktische Ärztin (Mikrobiom & Orthomolekulare Medizin - a.thiem@imd-berlin.de)