Häufig gestellte Fragen (FAQ)

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  • Was ist der „zelluläre Immunstatus Immundefekt“ und wozu sollte man ihn benutzen?

    Diese Untersuchung wurde durch unser Labor für die Diagnostik von angeborenen Immundefekten entwickelt. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass diese Erkrankungen nur im Kindesalter auftreten und mit einer schweren Infektanfälligkeit einhergehen, werden 50 % der Diagnosen erst bei Erwachsenen gestellt. Dies liegt unter anderem daran, dass unter Umständen klinisch die Infektanfälligkeit nicht im Vordergrund steht, sondern andere Symptome wie Autoimmunität, unklare Entzündungen oder Fatigue dominieren. Die häufigste Diagnose bei diesen Patienten sind Störungen des B-Zell-Systems, die mit einem Antikörpermangel einhergehen. IMD Berlin inflammatio newsletter November 2021 IMD Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam GbR Nicolaistraße 22 12247 Berlin Tel. 030 77001-444 E-Mail: info@inflammatio.de IMD Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam GbR Nicolaistraße 22 12247 Berlin Tel. 030 77001-444 E-Mail: info@inflammatio.de Im „zellulären Immunstatus Immundefekt“ wird dementsprechend eine umfassende Analyse derjenigen Immunzellen vorgenommen, die an Antikörperantworten beteiligt sind (T- und B-Lymphozyten). Hierbei werden Anzahl und Entwicklungsstufen dieser Zellen quantifiziert und damit Bildung und aktivierungsbedingte Differenzierung der Lymphozyten nach Kontakt mit Antigenen überprüft. Darüber hinaus erfolgt eine Analyse der IgG- und IgA-Subklassen-Produktion durch die B-Lymphozyten, so dass das zelluläre Korrelat eines IgG-Subklassen- oder IgA-Mangels nachgewiesen werden kann. Eingesetzt werden sollte der zelluläre Immunstatus „Immundefekt“ daher zur weiteren Abklärung bei Patienten mit Infektanfälligkeit, insbesondere dann, wenn ein Immunglobulinmangel oder ein Subklassendefekt bereits nachgewiesen wurde. Eine Bestimmung der Immunglobuline (IgA, IgG und IgM) sollte spätestens zeitgleich zum Immunstatus erfolgen, da ansonsten nur eine eingeschränkte Beurteilung erfolgen kann.

  • Sollte vor Vitamin C-Supplementierung die Versorgung des Patienten im Labor analysiert werden?

    Da überschüssiges Vitamin C effizient ausgeschieden wird, spielt die Labordiagnostik bei Verdacht auf Vitamin C-Mangel eine untergeordnete Rolle. Vitamin C kann im Gegensatz zu anderen Mikronährstoffen durchaus „blind“ supplementiert werden. Wichtig ist allerdings vor Hochdosistherapie der Ausschluss einer genetischen Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD)-Defizienz. Diese kann im Labor über den einfachen G6PD-Aktivitätstest detektiert werden.
    Soll Vitamin C im Einzelfall dennoch gemessen werden, ist die anfällige Präanalytik zu beachten. Vitamin C ist lichtempfindlich und wird noch nach der Blutentnahme von den Zellen in der Blutprobe verbraucht. Dies kann zu falsch niedrigen Konzentrationen führen. Aufgrund dieser präanalytischen Anfälligkeit empfehlen wir eine Blutentnahme im Labor vor Ort.  
    Alternativ zur direkten Bestimmung kann das „Aminosäureprofil Stoffwechsel“ einen Hinweis auf die Vitamin C-Versorgung geben. Ohne Vitamin C kann die Aminosäure Prolin nicht in Hydroxyprolin umgewandelt werden. Niedriges Hydroxyprolin bei normalem bis hohem Prolin weist auf eine unzureichende Vitamin C-Zufuhr hin. Das Verhältnis von Hydroxyprolin zu Prolin kann daher bei guter Verfügbarkeit von Prolin als Biomarker für die Vitamin C-Versorgung genutzt werden. Ein Mangel hingegen von Prolin, Vitamin C, Eisen und Vitamin B6 würde unter anderem den Aufbau von Bindegewebe beeinträchtigen.

     

    Hyroxyprolin entsteht enzymatisch aus Prolin, Kofaktor: Vitamin C

     

    Vitamin C ist als Kofaktor essentiell für die Kollagensynthese. Daher stört ein Vitamin C-Mangel die Bildung von kollagenhaltigem Gewebe wie Haut, Knorpel, Knochen und Bindegewebe.

  • Wenn im IgE-Allergiescreening mehrere Gruppen positiv sind, wie kann man dann weiter verfahren, ohne die Höchstwerte zu überschreiten?

    Die Bestimmung von spezifischem IgE gegen Allergenmischungen (z.B. der Baum-, Gräser-, oder Kräuterpollenmischung) ermöglicht v.a. unter Berücksichtigung der Kosteneffizienz eine breitgefächerte Abgrenzung der möglichen Allergieauslöser. Im nächsten Schritt werden häufig die einzelnen Mischungen ausdifferenziert. Dieses Vorgehen ist jedoch aufgrund der Kreuzreaktivitäten nicht immer zielführend. Nicht selten weisen wir in solchen Fällen IgE gegen alle Bestandteile der Mischung nach. So ist z. B. bei dem Nachweis von spezifischem IgE gegen Phl p1 und Phl p5 aus dem Lieschgras davon auszugehen, dass bei der Einzeltestung auch positive Ergebnisse auf alle Süßgräserpollen erzielt würden (siehe hierzu Rubrik „Wissenschaft am IMD“). Darüber hinaus wird bei der Ausdifferenzierung der Mischungen häufig der Höchstwert überschritten.

    Für die SIT-Planung aussagekräftig und zudem kosteneffizient ist vielmehr die direkte Bestimmung der IgE-Antikörper gegen einzelne rekombinante Allergenkomponenten. Das Befundbeispiel illustriert dieses Vorgehen: Stellvertretend für die Ausdifferenzierung der Gräserpollenmischungen werden die Markerallergene Phl p1 und Phl p5 bestimmt, stellvertretend für Ausdifferenzierung der Baumpollenmischung das Markerallergen Bet v1 der Birke und Buchengewächse. Die Bestimmung von Ole e1 dient als Marker einer spezifischen Sensibilisierung auf Eschenpollen. Letztere blühen in Deutschland meist zur selben Zeit wie die Birke und können symptomatisch einer Birkenpollenallergie ähneln.

    Mehr Informationen im Detail zur klinischen Aussagekraft der molekularen Allergiediagnostik finden sie auch hier

  • Kann der Surrogat-SARS-Neutralisationstest eine Aussage über die Immunabwehr verschiedener Virusvarianten treffen?

    Neutralisierende SARS-CoV-2-Antikörper haben die Fähigkeit, die Virusvermehrung zu hemmen, in dem sie die Bindung des Virus an die Wirtszelle und damit sein Eindringen ins Zellinnere stören. Im sogenannten Surrogat-SARS-Neutralisationstest kann diese Fähigkeit der im Serum befindlichen Antikörper geprüft werden. Surrogat-SARS-Neutralisationstests verwenden die Rezeptor-Bindungs-Domäne (RBD-Region), die im Spike-Protein liegt und in deren Bereich die Virusvarianten Mutationen aufweisen. Die aktuell auf dem Markt verfügbaren Tests – so auch der, den wir im IMD Berlin verwenden (cPass; GenScript-Medac) – basieren auf der Sequenz des „ursprünglichen“ SARS-CoV-2. Somit stellt sich die Frage, inwieweit sich die gemessene Neutralisationskapazität auf die Immunabwehr von Virusvarianten übertragen lässt. Laut Testungen und Aussage der Firma GenScript kann dieser die neutralisierenden Antikörper gegen die Alpha-Variante (B.1.1.7; vormals britische Variante) sehr gut erfassen. Das ist auch vom Konsiliarlabor in der Charité bestätigt worden und ebenfalls schriftlich auf der Website der Firma hinterlegt und einsehbar. Zu den weiteren Varianten gibt es zwar bisher keine offizielle Stellungnahme, man weiß jedoch durch Forschungsergebnisse, dass die Neutralisationskapazität, die durch Infektion mit dem ursprünglichen Virus oder durch Impfung erworben wurde, im Mittel etwas weniger wirksam gegenüber bestimmten Varianten, so auch der Delta-Variante, ist. Eine hohe Effizienz der Antikörper im cPass-Test von GenScript ist sicher eher vorteilhaft für die Immunabwehr anderer Virusvarianten, kann aber nicht eins zu eins übertragen werden, mit Ausnahme auf die Neutralisation der Alpha-Variante.

  • Warum steigt die Vitamin D-Konzentration im Blut trotz Substitution bei manchen Patienten nur unzureichend an?

    Die Pharmakokinetik von Vitamin D ist individuell sehr unterschiedlich. Dies beruht vor allem auf folgenden Einflussfaktoren:

    Resorption: Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und sollte daher zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Es wird im Wesentlichen im Dünndarm resorbiert. Jegliche Erkrankung des Dünndarms kann daher – trotz adäquater oraler Zufuhr – einen Vitamin-D-Mangel begünstigen. Man sollte insbesondere Erkrankungen wie Zöliakie und chronisch entzündliche Darmerkrankungen ausschließen. Eine erhebliche (gewollte) Verringerung der resorptiven Oberfläche im Dünndarm haben aber auch Patienten mit Z n. bariatrischer Chirurgie. Diese Patienten sind aber insbesondere zur Verbesserung ihrer oft pathologischen Insulinresistenz auf eine adäquate Vitamin-D-Versorgung angewiesen.  

    Metabolismus: Die Enzyme, die Vitamin D metabolisieren ((25-Hydroxylase, 1-alpha-Hydroxylase und 24-Hydroxylase) kommen beim Menschen in unterschiedlichen Genvarianten vor. Der Summationseffekt dieser Varianten ist entweder eine Verlangsamung oder eine Beschleunigung des Metabolismus und damit eine Verlangsamung oder Beschleunigung des Anstiegs von Vitamin D im Blut nach Substitution. In den letzten Jahren gibt es darüber hinaus Hinweise, dass die Gene, die für den Metabolismus von Vitamin D verantwortlich sind, auch erheblichen epigenetischen Veränderungen unterliegen. Diese tragen ebenfalls zur Variabilität des Konzentrationsanstiegs im Blut nach oraler Vitamin-D-Gabe bei. 

    Empfehlung: Aufgrund dieser aus den oben genannten Gründen sehr hohen Variabilität der Vitamin-D-Blutkonzentrationen nach oraler Gabe und der Tatsache, dass sowohl Mangel als auch Überdosierung zu vermeiden sind, schlagen wir ein pragmatisches Vorgehen bei der Vitamin-D-Substitution vor. Beginnen sollte man die Substitution mit Dosen nach den Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften. Diese Therapie muss dann aber durch Bestimmung von Vitamin D (das freie 25(OH) Vitamin D ist hier vorzuziehen, da es besser die biologische Aktivität des Vitamin-D-Systems widerspiegelt) überwacht und entsprechend angepasst werden. Feste Schemata ohne Kontrollen sind aufgrund der oben beschriebenen Variabilität der individuellen Antworten zu vermeiden. Die genetische Untersuchung der metabolisierenden Enzyme 25-Hydroxylase (CYP2R1) und 24-Hydroxylase (CYP24A1) sowie des Vitamin-D-Bindeproteins (VDBP) liefern wichtige prognostische Anhaltspunkte.

  • Warum rät das IMD für die Einschätzung der Antioxidanzienversorgung von der Nutzung des preiswerten TAS-Test ab?

    Der TAS-Test (Totaler Antioxidanzien Status) ist ein 1993 als sehr einfacher Screeningtest eingeführtes Laborverfahren, um die Kapazität aller im Patientenplasma vorhandenen Oxidations-hemmenden Moleküle zu erfassen. Auch wenn das auf den ersten Blick plausibel klingt, ist der Test ungeeignet, den Versorgungsstatus oder gar Substitutionsbedarf eines Patienten einzuschätzen, weil in diesen Test neben den klassischen Antioxidanzien wie Vitamin C oder E auch Plasmaproteine wie Albumin aber auch Harnsäure und Cholesterin eingehen und das wegen ihrer großen Menge sogar überproportional. Das erklärt sich in Kenntnis des Testprinzips. Es wird die hemmende Wirkung des Gesamtplasmas auf die Oxidation von ABTS (2,2′-Azino-di-3-ethylbenzthiazolinsulfat) durch zugegebenes Metmyoglobin erfasst wird. So wird z.B. ein Patient mit Gicht (hohe Harnsäure) oder Fettstoffwechselstörung (hohes Cholesterin) im TAS-Test oft eine gute antioxidative Kapazität zeigen, obwohl der Patient signifikante Defizite beim Coenzym Q10, Vitamin E oder Glutathion hat. Patienten mit niedrigem Gesamtprotein (Albumin) oder Patienten mit durch Fettsenker stark verminderten Cholesterinwerten haben dagegen immer schlechte Werte, selbst wenn die einzelnen echten Antioxidanzien in ausreichender Menge vorhanden sind. Die zellulären Anteile, so z.B. das intrazelluläre Glutathion, werden gar nicht erfasst, weil zellfreies Plasma eingesetzt wird. Es erfolgt keine Differenzierung zwischen wasser- und lipidlöslichen (zellgängigen) Antioxidanzien. 
    Die 2008 erschienene Empfehlung des Robert-Koch-Institut "Oxidativer Stress und Möglichkeiten seiner Messung aus umweltmedizinischer Sicht" rät von der Verwendung des TAS-Test ab mit der Begründung, dass es heute die Möglichkeit gibt, die entscheidenden Antioxidanzien direkt im Labor zu analysieren und sie entsprechend der gefundenen Spiegel gezielt zu substituieren.

  • Kann im Labor die Freisetzung von Fremdstoffen aus Brustimplantaten nachgewiesen werden?

    Die Untersuchung von „Silizium im EDTA-Blut“ kann bei dieser Fragestellung einen Hinweis liefern. Silizium ist ein Baustein von Silikon, einer Studie zufolge weisen daher Frauen mit Silikonimplantaten durchschnittlich höhere Silizium-Konzentrationen im Blut auf. Bei erhöhtem Silizium sind allerdings auch andere Expositionsquellen zu berücksichtigen, vor allem die Aufnahme von Siliziumoxid-Nanopartikeln aus Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln. Eine niedrige oder unauffällige Siliziumkonzentration hingegen spricht gegen eine vermehrte Fremdstofffreisetzung aus einem Silikonimplantat.
    Gleichzeitig wird Silizium als potentiell essentielles Spurenelement und Antagonist von Aluminiumbelastungen diskutiert. Aufgrund des natürlichen Siliziumgehalts vieler pflanzlicher Nahrungsmittel weisen alle Personen eine messbare Silizium-Konzentration im Blut auf. Ein erhöhter Spiegel kann daher auch Folge der Zufuhr siliziumreicher Nahrungsmittel oder Getränke sein.
    Zu geringeren Teilen können in Brustimplantaten auch Metalle wie Nickel, Platin und Zinn enthalten sein. Bei Fremdstofffreisetzung aus schadhaften Implantaten ist daher eine Belastung des umliegenden Gewebes mit diesen Metallen möglich. Ein Anstieg der Konzentrationen im EDTA-Blut wurde jedoch bisher in der Literatur nicht beschrieben.
     

  • Welche Analysen empfehlen wir, um nach einer SARS-CoV-2-Impfung, den Impferfolg zu prüfen?

    Die Impfung, wie auch die natürliche Infektion, induziert sowohl eine Antikörperantwort (humorale Immunität) als auch SARS-CoV-2-spezifische T-Gedächtniszellen (zelluläre Immunität). Zu deren Nachweis kommen für die humorale Immunität der SARS-CoV-2-IgG-Titer gegen das Spike-Protein (S1) und neuerdings auch der Surrogat-Virus-Neutralisationstest (sVNT), sowie für die zelluläre Immunität der LTT-SARS-CoV-2 in Frage.  
    Trotz guter Korrelation zwischen dem SARS-CoV-2-IgG(S1)-Titer und der Neutralisationskapazität im sVNT  kann der letztgenannte Test aber dennoch, vor allem bei einem niedrigeren IgG-Titer unter 150 BAU/ml, sowie in Grenzbereichen mehr Klarheit schaffen über die tatsächlich schützenden funktionellen Eigenschaften der vorhandenen SARS-CoV-2-IgG (S1)-Antikörper. Andere Antikörper wie SARS-IgG(Nc), -IgA oder -IgM sowie Global- oder Antikörperschnelltests sind lediglich für die Infektionsdiagnostik von Bedeutung, sind aber kein Gradmesser eines immunologischen Schutzes.  
    Für den Nachweis SARS-CoV-2-spezifischer-T-Gedächtniszellen gibt es sowohl den LTT auf die SARS-CoV-2-Peptide des Spike-Proteins (gemessen wird die Proliferation der Zellen), als auch den Elispot, der die Botenstoffe der T-Zellen misst. Zumindest bei unseren vergleichenden Analysen zeigte der LTT im Vergleich zum Elispot die höhere Sensitivität und Spezifität. 
    Zu beachten ist, dass die STIKO derzeit eine Laborkontrolle des Impferfolges (noch) nicht empfiehlt. Zum einen hätte eine zu geringe Immunreaktion derzeit auf Grund mangelnder Impfstoffressourcen keine Konsequenz (keine unmittelbare Nachimpfung vorgesehen), zum anderen gibt es aktuell bei keinem der drei Tests definierte Entscheidungsgrenzen, ab wann ein Schutz besteht und wie lange dieser anhält. Das ist auch korrekt. Hier muss man Langzeitstudien abwarten, die heute noch gar nicht vorliegen können. Allerdings können die Resultate der drei genannten Testverfahren auf Grund sehr hoher Spezifität zumindest für jeden persönlich die Aussage treffen, ob das Immunsystem reagiert hat. Ob immunologische Befunde zukünftig eine rechtliche Konsequenz im Sinne eines Immunitätsnachweises haben werden, ist bisher nicht festgelegt. Aktuell trifft das nicht zu. 

  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Genpolymorphismen der Entgiftungsenzyme für die ortho-molekulare Therapie?

    Grundsätzlich lässt die Entgiftungsgenetik Patienten erkennen, die exogene toxische Substanzen weniger effizient abbauen, schlechter ausscheiden und somit zur Anreicherung von Organbelastungen neigen. Gleichermaßen identifizieren die genetischen Untersuchungen aber Patienten, die endogene, durch Zellstress entstehende reaktive Sauerstoffverbindungen unzureichend eliminieren. Diese lebenslange Risikokonstellation zu erkennen, kann Arzt und Patient bei präventiven Ansätzen (Reduktion der Fremdstoffbelastung, Versorgung mit Antioxidantien u.a.) grundlegend unterstützen. Darüber hinaus ergeben sich jedoch auch spezifische praktische Konsequenzen aus den einzelnen Genveränderungen:

    CYP-450-Enzyme: Sie sind für die Phase 1 der Metabolisierung von Fremdstoffen verantwortlich. Genetische Polymorphismen können sich daher nicht nur deutlich auf die Wirksamkeit von Medikamenten auswirken (z.B. CYP2D6 und Antidepressiva), sondern z.B. auch auf die Verfügbarkeit von Vitamin D (bei Veränderung von CYP2R1 und CYP24A1). Die Kenntnis der Genetik kann hier helfen, die Dosierung von Medikamenten und Vitamin D zu verbessern. 

    GST-Enzyme und NAT2: Durch die Phase-2-Enzyme werden die in Phase 1 entstandenen Metabolite wasserlöslich / ausscheidbar gemacht. Eine genetische Einschränkung der Aktivität der Phase-2-Enzyme führt dazu, dass in der Phase 1 entstehende (z.T. sogar toxischere) Metabolite weniger effizient eliminiert werden. Für betroffene Patienten kann daher die Intensivierung der Phase 1 durch die Gabe hochdosierter Mikronährstoffe (besonders B-Vitamine) problematisch werden. Das wird dann oft als die Unverträglichkeit von B-Vitaminen erlebt. Wichtige Kofaktoren der Phase 2 sind u.a. Glutathion und weitere Aminosäuren und Selen. Labordiagnostisch werden die Kontrolle von Glutathion intrazellulär, Aminosäuren Stoffwechsel und eine Vollblutmineralanalyse empfohlen.

    SOD2: Die mitochondriale Superoxiddismutase neutralisiert reaktive Sauerstoffspezies ("Radikale") in Mitochondrien. Patienten mit genetisch bedingt verminderter Enzymfunktion neigen dazu, oxidativen Stress gerade dann insuffizient abzufangen, wenn der mitochondriale Stoffwechsel gesteigert ist und dienen hier auch der Stoffwechselregulation. Dies tritt bei vermehrtem Energiebedarf der Zelle ein, wie z.B. in Immunzellen bei Entzündung oder in Muskelzellen bei körperlicher Aktivität. Radikale werden für Regulationsprozesse benötigt, aber ein Zuviel bedeutet Oxidativen Stress. Dieser schädigt körpereigene Strukturen, daher ist die Balance wichtig. Eine gute Versorgung mit Antioxidantien (Vitamin C, A, E, Coenzym Q10, Taurin aber auch die alpha-Liponsäure) sollte bei Patienten mit SOD-2-Mangel stets gewährleistet sein. 

    Die u.g. 5 Enzyme sollten hinsichtlich ihrer Genetik gemeinsam betrachtet werden. Eine Kombination genetisch reduzierter Enzymaktivitäten, z.B. der N-Acetyltransferase 2 (NAT2) und der GST´s hat eine größere Bedeutung.  
    Bei Patienten mit mehrfach auffälligen Polymorphismen, kann mithilfe folgender Mikronährstoffe eine teilweise Kompensation erreicht werden: Glutathion und Selen, Antioxidantien (Vitamin C, A, E, Coenzym Q10, Taurin, alpha-Liponsäure), über eine Verbesserung der Methylierung (Vitamin B12, Folsäure, SAM) kann die „Ablesbarkeit der Gene“ verbessert werden.

    Abb.: Eingeschränkte Funktion der Enzyme GST-M1, GST-T1, NAT2 und SOD-2. Dies spricht für einen grundsätzlich erhöhten Bedarf an Antioxidanzien, eine verzögerte Ausscheidung von Metaboliten der Phase 1 (sowie auch Metallen!).

  • Welche Aussage erlaubt das Gesamt-IgE?

    Immunglobulin E (IgE) ist im menschlichen Organismus hauptsächlich an Rezeptoren auf den Oberflächen von Mastzellen sowie von eosinophilen und basophilen Granulozyten gebunden. Seine Hauptfunktion ist die Abwehr von parasitären Infektionen (z.B. Helminthen und Protozoen). Die Bindung passender Antigene an zellgebundene IgE-Antikörper führt zur Ausschüttung von Histamin, Leukotrienen, Prostaglandinen und diversen weiteren proentzündlichen Mediatoren, welche essentiell für die Bekämpfung einer Parasitose sind. Richten sich die IgE-Antikörper fälschlicherweise gegen eigentlich harmlose Substanzen aus unserer Umwelt (z.B. Pollen, Nahrungsmittel), kann das zu Allergien führen. Richten sie sich gegen körpereigene Proteine, können sie Auslöser von Autoimmunerkrankungen (z.B. Urtikaria) sein.

    Ist das Gesamt-IgE erhöht, kann das zwar auf eine floride Allergie hindeuten (allergische Rhinitis, Neurodermitis, Asthma oder Nahrungsmittelallergie), dennoch eignet sich das Gesamt-IgE nicht als Screening-Parameter bei Allergie-Verdacht, da es auch bei parasitären Infektionen, Autoimmunerkrankungen sowie diversen Immundefekten und Krebserkrankungen erhöht sein kann.
    Liste möglicher assoziierter Erkrankungen

    Bei allergologischer Fragestellung sollte daher neben dem Gesamt-IgE immer das spezifische IgE gegen den verdächtigten Auslöser bestimmt werden. Die parallele Untersuchung des Gesamt-IgE ermöglicht in diesem Fall eine optimierte Beurteilung der Ergebnisse. Ein spezifisches IgE ist wahrscheinlich dann von klinischer Relevanz, wenn es über 1% des Gesamt-IgE ausmacht. Auch bei einem erniedrigten Gesamt-IgE sollte eine weitere Abklärung erfolgen, denn dies könnte auf einen variablen Immundefekt hindeuten. Weitere Details über die Relevanz des Gesamt-IgE in der Labordiagnostik bietet Ihnen die neue Diagnostikinformation 341.

    Abb.:  Zellgebundene IgE-Antikörper erkennen spezifische Antigene und spielen so eine Rolle in der Bekämpfung parasitärer Infektionen aber auch bei Allergien und Autoimmunerkrankungen. Immundefekte und Krebserkrankungen können die Produktion von IgE-Antikörpern durch Plasmazellen beeinflussen.

  • Kann ein Typ-1-Diabetes auch erst im Erwachsenenalter auftreten, obwohl dieser Typ als juveniler Diabetes bezeichnet wird?

    Obwohl wesentlich seltener als der Typ-2-Diabetes, kann der so genannte juvenile Diabetes auch erst im Erwachsenenalter auftreten. Er wird dann als LADA bezeichnet (Latent Autoimmune Diabetes of Adults) und ist für ca. 5-10% aller Diabetesfälle bei Erwachsenen ursächlich. Der LADA beginnt in der Regel abrupt (Tage bis Wochen) mit plötzlich einsetzenden Beschwerden und führt meist nicht sofort zur Insulinpflichtigkeit, weil die Bauchspeicheldrüse noch eingeschränkt Insulin herstellt. Dies erschwert die Abgrenzung zu dem im Erwachsenenalter typischen Typ-2-Diabetes, da die Betroffenen zunächst noch kein Insulin benötigen und auch primär adipös sein können. Die betroffenen Patienten sprechen häufig bereits nach wenigen Monaten nicht mehr auf eine Therapie mit Diät und Antidiabetika an, und eine Insulinbehandlung wird erforderlich. Allein die Bestimmung von Autoantikörpern (AAk) erlaubt sowohl die Differentialdiagnose zwischen Typ 1- und nicht-autoimmunen Diabetesformen, als auch das frühzeitige Erkennen einer Erstmanifestation, die häufig mit einer schweren Stoffwechselentgleisung einhergeht. Die aktuelle Leitlinie (S3-Leitlinie der DDG und AGPD; 2015) empfiehlt die Bestimmung der AAk gegen Insulin, Inselzellen, Glutamat-Decarboxylase (GAD), Tyrosinphosphatase (IA-2) und Zinktransporter 8 (ZnT8).

  • Einige meiner Patienten zeigen trotz Substitution keinen adäquaten Anstieg der Vitamin-D-Spiegel im Blut. Gibt es labordiagnostische Möglichkeiten zur Ursachenabklärung?

    Wichtige Anhaltspunkte liefern das freie 25-OH-Vitamin-D sowie Genvarianten des Vitamin-D-Metabolismus. Ist das freie Vitamin D unter der Substitution in den Normbereich angestiegen und nur das Gesamt-25OH-Vitamin-D niedrig geblieben, spricht diese Konstellation für eine aktuell ausreichende Versorgung. Eine mögliche Erklärung für das trotzdem niedrige Gesamt 25OH-Vitamin-D wäre ein Polymorphismus im Vitamin-D-bindenden Protein (VDBP-Gen), wodurch sowohl die Konzentration als auch die Affinität des VDBP vermindert sein kann. Das würde bedeuten, dass der Patient weniger „Speicher“ anlegen kann. Sowohl die VDBP-Konzentration im Serum als auch die VDBP-Genetik kann im Labor untersucht werden. Falls jedoch auch das freie Vitamin D unter der Substitution erniedrigt bleibt – und Probleme der enteralen Resorption ausgeschlossen sind – kann die Ursache in genetischen Varianten liegen, die den Vitamin-D-Metabolismus stören. So verlangsamt eine Variante des Enzyms CYP2R1 (25-Hydroxylase) die Synthese von 25OH-Vitamin-D aus dem therapeutisch verabreichten Provitamin D. Ein Polymorphismus im CYP24A1-Gen (24-Hydroxylase) wiederum steigert den Abbau von 25OH-Vitamin-D und 1,25-(OH)2-Vitamin-D zur wirkungslosen Calcitronsäure. Daher führen diese Varianten unabhängig voneinander dazu, dass 25OH-Vitamin-D (sowohl Gesamt- als auch freies) trotz Substitution unzureichend ansteigt. Bei Vorliegen beider Genveränderungen wird der Effekt verstärkt. Während die Analytik des freien Vitamin D, der VDBP-Serumspiegel sowie die VDBP-Genetik bereits am IMD verfügbar war, haben wir nun auch die Genetik des Vitamin-D-Metabolismus (CP2R1- und CYP24A1-Gen) validiert. Weitere Hintergründe und Details finden Sie in unserer Diagnostikinformation „Vitamin D-Stoffwechselgenetik“.

  • Welche Rolle spielt der Basophilen Degranulationstest (BDT) bei der Ursachenfindung einer Chronisch Spontanen Urtikaria (CSU)?

    Die Urtikaria ist ein häufiges Krankheitsbild der Haut, bei dem es durch verschiedenartige Auslöser zur vermehrten Freisetzung von vasoaktiven Mediatoren (z.B. Histamin) aus den Haut-Mastzellen kommt. Als Folge entstehen juckende Rötungen, Quaddeln und/oder Angioödeme. Bleiben die Symptome länger als 6 Wochen bestehen, spricht man von einer chronischen Urtikaria. Häufigster Typ ist die Chronisch Spontane Urtikaria (CSU), bei der die Degranulation der Mastzellen oft über autoimmune Mechanismen ausgelöst wird, wie z.B. bei der CSU vom Typ IIb durch IgG-Antikörper, die gegen das körpereigene IgE oder den IgE-Rezeptor gerichtet sind (siehe Abbildung). Das Diagnosekriterium einer Typ-IIb-CSU ist bisher der sogenannte autologe Serumtest, bei dem das patienteneigene Serum in die Haut injiziert und die mögliche Quaddelbildung beobachtet wird. Solche Tests können für den Patienten sehr unangenehm sein und sind z.B. unter Anti-Histaminika-Einnahme beeinträchtigt. Der Basophilen Degranulationstest (BDT) bietet als „in vitro Provokationstest“ entscheidende Vorteile. Sind im Patientenserum die Autoantikörper gegen das auch auf den Basophilen Granulozyten gebundene IgE oder den IgE-Rezeptor vorhanden, so führt dessen Bindung daran unmittelbar zur Freisetzung der klassischen Mediatoren, zu denen auch die Leukotriene gehören. Diese werden im BDT gemessen. Somit kann der risikobehaftete in-vivo-Test vermieden werden. Ist die Typ IIb-CSU nachgewiesen, kann der Behandler seine Therapie dem Schweregrad entsprechend anpassen und z.B. die kontinuierliche Dosis an Antihistaminika erhöhen, da häufiger mit Angioödemen zu rechnen ist. Des Weiteren können Therapien mit anti-IgE-Ak (z.B. Omalizumab, Ligelizumab) zum Einsatz kommen, die direkt die Bindung von IgE an den IgE-Rezeptor erschweren und indirekt zur Verringerung der IgE-Rezeptoren an der Zelloberfläche führen. Aufgrund des hohen Leidensdrucks von CSU- Patienten ist in jedem Fall eine Diagnostik zur Ursachenfindung angeraten. Weitere Details über die CSU und die Durchführung der Laboruntersuchung bietet Ihnen die neue Diagnostikinformation 338.

  • Was ist der Unterschied zwischen der Multielementanalyse als „KMT-Profil“ und dem herkömmlichen IMD-Befund nach Ausleitung?

    Der wesentliche Unterschied ist der Bezug der Metallwerte auf die „chelatspezifischen Toxizitätsschwellen“, die von der Ärztegesellschaft für Klinische Metalltoxikologie (KMT) für die Chelatierung mit Ca-EDTA+DMPS herausgegeben wurden. Das Chelatierungsprotokoll wird in den Weiterbildungen der KMT gelehrt. Alle Werte werden ausschließlich kreatininbezogen aufgeführt. Dadurch entsteht auf dem Befund Platz für eine grafische Darstellung (Befundbeispiel).

    Das herkömmliche IMD-Profil stellt hingegen die im Urin in µg/l gemessenen Metallkonzentrationen ins Zentrum. Diese werden mit den Normbereichen des Basalurins verglichen – farblich hervorgehoben werden alle Konzentrationen, die über einen üblichen Basalurin ansteigen und damit (vermutlich) von einer Belastung des Gewebes herrühren. Die kreatininbezogenen Werte dienen hier der Verlaufskontrolle sowie ggf. einem Abgleich mit „Richtwerten“. Quelle der Richtwerte können die Auswertungen des Toxikologen Max Daunderer sein. Möglich ist es aber ebenso, aus den Messwerten der eigenen Praxis Richtwerte statistisch zu ermitteln, die zum eigenen Ausleitungsprotokoll passen. Falls dies für Sie von Interesse ist, sprechen Sie uns bitte an.

    Grundsätzlich kann das „KMT-Profil“ nicht nur für die Ausleitung mit Ca-EDTA+DMPS, sondern auch nach Ausleitung mit anderen Chelatoren dargestellt werden. Es gilt jedoch die Einschränkung, dass bisher Toxizitätsschwellen für andere Chelatoren nicht verfügbar sind und daher nur die von Ca-EDTA+DMPS angezeigt werden können.

    Da beide Befunddarstellungen – bei identischer Analytik – unterschiedliche Schwerpunkte haben, bieten wir sie gleichberechtigt an. Zur Anforderung des „KMT-Profils“ bitten wir um Verwendung des neuen Scheins „Metalltoxikologie“, oder alternativ um den handschriftlichen Hinweis „KMT“ neben Analyse 271 auf dem Schein „Spezielle Immundiagnostik“. Das herkömmliche Profil kann wie bisher auf den „Immundiagnostik“-Scheinen angekreuzt werden.

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  • Stimmt es, dass die IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2 in Kontrolluntersuchungen zum Teil negativ werden?

    Ja, solche Fälle haben wir und andere beobachtet. Aus unserer Sicht bleibt das aber die Ausnahme, und es ist trotzdem sinnvoll und erfolgversprechend, auch nach Monaten die zurückliegende Infektion über die SARS-CoV2-IgG-Bestimmungen nachzuweisen. IgGs gegen das Spike-Protein (S1) zeigen die höhere Wertigkeit für diese Aussage. Die Angaben über die Häufigkeit dieser „Antikörperverluste“ sind diskrepant und abhängig vom Patientenkollektiv, v.a. von der Symptomstärke, aber auch vom verwendeten Antikörpertest. In der diesbezüglich viel zitierten Wuhan-Studie zeigen 40% der Patienten ohne Symptome, aber nur 12% der Patienten mit Symptomen nach mehr als 3 Monaten einen Verlust des IgGs (Long QX et al., Nature Medicine 2020). In einigen anderen Publikationen werden abfallende Titer gezeigt - in wie vielen Fällen die IgG-Titer aber tatsächlich unter die Nachweisgrenze gefallen sind, d.h. wirklich negativ geworden sind, geht aus den Daten meist nicht hervor. Das ist aber wichtig, weil zum Nachweis der früher stattgefundenen Infektion, die Höhe des Titers weniger wichtig ist als dessen Spezifität. Ebenso wenig zeigen die bisher veröffentlichten Daten, wie hoch die Zahl der lediglich grenzwertig positiven Ergebnisse war, die sich naturgemäß nicht immer bestätigen müssen (siehe Tabelle, hohe Zahl nicht bestätigter grenzwertiger IgG (Nc)-Ergebnisse in unserem Patientenkollektiv).
    In unsere Auswertung gingen die am IMD-Berlin untersuchten Patienten ein, bei denen an mindestens 2 Zeitpunkten eine Untersuchung von SARS-CoV2-IgG gemacht wurde und die im Ausgangsbefund ein positives oder grenzwertiges IgG-Ergebnis zeigten. Diese Verläufe zeigen einen deutlichen Unterschied zwischen IgG gegen Nucleocapsid (Nc) und Spike-Protein (S1):
    • Grenzwertige oder positive IgG (S1)-Titer bestätigten sich bei 83% der Patienten. Bei 17% zeigte sich ein Rückgang des Titers, jedoch wurden positive Titer in der Kontrolluntersuchung nie negativ.
    • Grenzwertige oder positive IgG (Nc)-Titer bestätigten sich hingegen bei nur 40,5% der Patienten. 59,5% zeigten einen Rückgang, darunter auch 3 Patienten, die nach positivem Erstbefund in der Kontrolluntersuchung negativ wurden.

    Lesen Sie hier eine ausführliche Diskussion dieser Auswertung.

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  • Warum wird bei einem negativen ANA-Befund immer zusätzlich ein SS-A(Ro)-Antikörper bestimmt?

    Bei Anforderung von antinukleären Antikörpern (ANA) wird als Goldstandard immer die indirekte Immun-fluoreszenz (IFT) empfohlen. Der Vorteil besteht darin, dass in einem einzigen Analyseansatz das gesamte Antigenspektrum der ANA erfasst wird. Je nach Antigenlokalisation ergibt sich für jeden ANA ein charakteristisches Fluoreszenzmuster, das zusätzlich zum ANA-Titer im Befund angegeben wird. Positive ANA sollten immer, je nach diagnostischer Fragestellung und Fluoreszenzmuster, durch eine gezielte Differenzierung spezifiziert werden (z.B. dsDNA-AAk-ELISA, ENA-AAk-Blot.

    Allerdings ist es bekannt, dass ANA, die sich gegen das Antigen SS-A(Ro) richten, im Immunfluoreszenztest nicht immer erfasst werden, d.h. negative ANA schließen das Vorhandensein von SS-A(Ro)-Antikörpern nicht sicher aus! In der Literatur wird die Häufigkeit mit 2 % angegeben. Bei dem in unserem spezialisierten Labor untersuchten Patientenkollektiv nehmen wir sogar einen höheren prozentualen Anteil an.

    SS-A(Ro)-Antikörper werden vorwiegend bei Kollagenosen, vor allem beim Sjögren-Syndrom und verschiedenen Lupus erythematodes-Formen gefunden. Sie können auch schon Jahre vor der klinischen Manifestation nachweisbar sein und sichern eine rechtzeitige Diagnose.

    Als Konsequenz dieser diagnostischen Lücke wird bei einem negativen ANA in der Immunfluoreszenz (IFT) die Bestimmung der SS-A(Ro)-AAk angeschlossen, um mit hundertprozentiger Sicherheit einen negativen ANA bewerten zu können.

  • Mein Patient hatte einen positiven SARS-CoV-2-PCR-Nachweis, jetzt 4 Wochen später aber keine IgG-Antikörper? Ist er nun doch nicht immun?

    Die wahrscheinlichste Ursache ist, dass in diesem Fall die IgG-Antikörpertestung 4 Wochen nach dem PCR-Nachweis noch zu früh stattgefunden hat. Zwar zeigen Studien, dass ca. 95% der Patienten drei Wochen nach Auftreten der ersten Symptome IgG-Antikörper haben, aber in diese Studien gingen immer Patienten mit schweren Krankheitsverläufen ein. Patienten mit leichteren oder gar fehlenden Symptomen (positiv abgestrichene Kontaktpersonen) zeigen bekanntermaßen eine verzögerte Antikörperbildung, häufig längere Zeit auch nur IgA-Antikörper und erst nach 5-6 Wochen den Wechsel zu IgG.  Deshalb empfehlen wir immer die Kombination IgG und IgA.

    Andererseits ist es in seltenen Fällen möglich, dass eine verzögerte oder gar fehlende Antikörperbildung durch einen Immundefekt bedingt ist. Das betrifft alle Viren, nicht nur SARS-CoV-2. Während primäre Immundefekte im Erwachsenenalter als Ursache nahezu auszuschließen sind, kommen sekundäre Antikörpermangelsyndrome häufiger vor und werden oft erst bei anlassbezogener spezifischer Diagnostik erkannt. Zu denken ist an hämatologische Grunderkrankungen (Verdrängung im Knochenmark durch pathologische Klone oder Störung der Hämatopoese), Morbus Cushing, Diabetes mellitus, Hypothyreose, bakterielle Infektionen, Z.n. Strahlen- oder Zytostatikatherapie, immunsuppressive Therapien).

    Aber auch ein fehlender Antikörpertiter bedeutet nicht, dass keine Immunität (Infektionsschutz) bestehen kann. Die Immunität gegen Viren, und hier macht das Corona-Virus keine Ausnahme, wird zum großen Teil durch die T-Lymphozyten vermittelt, v.a. durch zytotoxische T-Zellen. Die Antikörper tragen zwar zur Virusabwehr bei, z. B. hemmen neutralisierende Antikörper den Eintritt des Virus in menschliche Epithelzellen, sie sind aber v. a. auch Epiphänomen, dass sich die T-zelluläre Immunabwehr ausgebildet haben muss (denn ohne T-Helferzellen keine Antikörperbildung).

  • Welche Mikronährstoffe können die Abwehr viraler Infekte unterstützen?

    Immunaktivierung steigert den Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen. Gleichzeitig kann ein guter Versorgungsstatus nachweislich Infektionsrisiken senken. Studien dieser Art fehlen zwar weitgehend für das Coronavirus SARS-CoV2, einige Mikronährstoffe werden jedoch in der wissenschaftlichen Literatur diskutiert (Zhang et al., Journal of Medical Virology 2020):

    • B-Vitamine
      Insbesondere B6, aber auch andere B-Vitamine sind wichtige Kofaktoren der mitochondrialen Energiegewinnung und daher essentiell für eine optimale Funktion von Immunzellen. Eine gute Versorgung ist daher essentiell für eine Stärkung der Immunfunktionen. B2 zeigte in vitro eine spezifische Aktivität gegen das Coronavirus MERS-CoV.
    • Vitamin C
      Studien zeigen, dass Vitamin C vor Infektionen der unteren Atemwege schützen kann. In Hühnern wurde zudem eine protektive Rolle gegenüber einem anderen Corona-Virus gezeigt.
    • Vitamin D
      Aufgrund seiner weit reichenden Bedeutung für das Immunsystem vermutet man, dass eine gute Vitamin D-Versorgung auch für die Abwehr von SARS-CoV2 förderlich ist. In Kälbern wurde gezeigt, dass Infektionen mit einem bovinen Coronavirus durch Defizienzen an Vitamin D und E begünstigt werden.
    • Selen
      Eine ausreichende Selenversorgung ist von zentraler Bedeutung für die Immunfunktion. Tiermodelle zeigen darüber hinaus spezifische schädigende Effekte eines Selenmangels, wie eine Verstärkung des Krankheitsverlaufes bei Influenza, sowie eine Steigerung der Virulenz verschiedener Erreger durch erhöhte Mutationsrate im Virusgenom. Von einer exzessiven, unkontrollierten Zufuhr ist angesichts der Corona-Epidemie dennoch abzuraten, da Selenverbindungen einem Bericht zufolge den ACE2-Rezeptor, das Eintrittstor von SARS-CoV2 in die Zelle, hochregulieren könnten.
    • Zink
      Zink wird für die Differenzierung von T-Zellen benötigt, ein Vorgang, der essentiell ist für die Abwehr von akuten Infekten. Darüber hinaus wurden spezifische Interaktionen mit verschiedenen viralen Erregern belegt. So hemmt intrazelluläres Zink die Replikation verschiedener RNA-Viren, u.a. auch die des „ersten“ SARS-Virus (SARS-CoV).
    • Omega-3-Fettsäuren
      In Tiermodellen wurden protektive Effekte von Omega-3-Fettsäuren gegenüber Influenza und Hepatitis C-Viren beobachtet. Der Versorgungsstatus der aufgeführten Mikronährstoffe kann sowohl über gezielte Einzelanalysen als auch im Rahmen von Diagnostikprofilen als bioaktive B-Vitamine, Vollblutmineralanalysen, Fettsäuren der Erythrozytenmembran untersucht werden. Bitte beachten Sie auch unser neues Profil „Vitalstoffe Infektneigung“ (Selen, Zink, Glutathion, Vitamin D, siehe 6-seitiger Schein).

  • Kann bei Diabetikern durch die Gabe von Mikronährstoffen die Entstehung der typischen Folgeerkrankungen verhindert werden?

    Nach aktuellen Erkenntnissen kann eine gute Mikronährstoffversorgung der Krankheitsprogression und der Entstehung typischer Komorbiditäten wie Arteriosklerose, Hypertonus, Retinopathie und Neuropathie entgegenwirken. Folgende Zusammenhänge sind von besonderer therapeutischer Relevanz:

    • Vitamin D fördert die Insulinsekretion der Beta-Zellen und wirkt damit der Insulinresistenz entgegen.
    • Eine ausreichende Mineralstoffversorgung ist für die Funktion des Insulinsignalweges essentiell. So dient Mangan als Kofaktor der Insulinsynthese und -sekretion. Magnesium und Chrom unterstützen die Bildung und Funktion des Insulinrezeptors.
    • Diuretika-Gaben gehen oft mit Mineralstoffverlusten einher. Auch Zink mit seinen vielfältigen Funktionen ist bei Diabetikern häufig nicht ausreichend vorhanden.
    • Statine können die Spiegel an Selen und Coenzym Q10 senken und daher oxidativen Stress verstärken, der sowohl arteriosklerotische als auch neurodegenerative Veränderungen fördert.
    • Omega-3-Fettsäuren sind notwendig für die Regeneration von Nervenzellen. Alpha-Liponsäure als potentes Antioxidans und natürlicher Metallchelator kann in der Prävention von Diabetes-assoziierten Neuropathien eingesetzt werden.
    • Die Entstehung neuropathischer Veränderungen wird auch durch den bei Diabetikern häufigen Vitamin B1-Mangel gefördert, da Vitamin B1 am Aufbau von Myelin und an der Regeneration von Nervenzellen beteiligt ist. Die neuronale Regeneration wird ferner von Vitamin B12 unterstützt, das bei Einnahme von Metformin häufig defizient ist.
    • Gleichzeitig blockiert Metformin den Komplex I der mitochondrialen Atmungskette und hemmt dadurch die ATP-Synthese. Zur Verbesserung der Mitochondrienfunktion sollte daher an eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B3 und Coenzym Q10 gedacht werden.

    Zur Untersuchung der spezifisch bei Typ II Diabetes wichtigen Mikronährstoffe werden wir zukünftig auf dem neuen, 6-seitigen Anforderungsschein das Profil „Vitalstoffe Diabetes“ anbieten (Profilinhalt: HbA1c, freies Vitamin D, Vitamin B1, B3, B12 bioaktiv, Q10, Alpha-Liponsäure, Carnitin, Chrom, Magnesium, Mangan, Selen, Zink). Ferner empfehlen wir Homocystein sowie die Fettsäuren der Erytrozytenmembran zu bestimmen. Bis zur Verfügbarkeit des 6-seitigen Scheines (Mitte März 2020) bitten wir Sie, die Profilinhalte einzeln anzufordern.

  • Warum misst das IMD nicht auch Eisen in der Vollblutmineralanalyse?

    „Eisen im Vollblut“ eignet sich genauso wenig wie Eisen im Serum zur Beurteilung des Eisenstatus. Das im EDTA- oder Heparinvollblut gemessene Eisen stammt zu 99 % aus dem Hämoglobin – seine Aussagekraft ist daher nicht besser als die des Hb-Wertes. Dieser ist aufgrund der 3-monatigen Lebensdauer der Erythrozyten nicht geeignet, Unterversorgungen mit verfügbarem Eisen frühzeitig zu erkennen. Ein Abfall des Hb und des Vollblut-Eisens wird erst bei einer Eisenmangelanämie beobachtet, also bei fortgeschrittenem, klinisch manifestem Eisenmangel. Die Messung von Eisen in der Vollblutmineralanalyse birgt die Gefahr, dass die Eisenzufuhr anhand dieses wenig sensitiven Parameters beurteilt wird und Defizienzen unerkannt bleiben. Aus diesem medizinischen Grund haben wir uns entschieden, Eisen nicht in den Mineralstoffprofilen des IMD mit zu messen, auch wenn es methodisch ganz und gar unproblematisch wäre. Zur verlässlichen und sensitiven Kontrolle der Eisenversorgung empfehlen wir stattdessen die Anforderungen Ferritin, hsCRP, löslicher Transferrinrezeptor und Ferritinindex (auch als Kassenleistung möglich). Der Ferritinindex wird aus Ferritin und dem löslichen Transferrinrezeptor errechnet und ermöglicht die Beurteilung des Eisenstatus auch bei entzündungsbedingtem Ferritinanstieg. Ausführliche Hintergründe zur Diagnostik des Eisenstoffwechsels finden Sie in unserer Diagnostikinformation.  

  • Müssen für die Diagnostik einer rheumatoiden Arthritis immer der Rheumafaktor und die anti-CCP-Antikörper bestimmt werden?

    Ja. Die aktuellen Klassifikationskriterien der rheumatoiden Arthritis beruhen auf einem Punktesystem, in dem neben klinischen Symptomen auch Laborparameter berücksichtigt werden. So gehen Entzündungsparameter (erhöhte Blut-körperchensenkungsgeschwindigkeit oder erhöhtes CRP) mit einem Punkt in den Klassifikationsscore ein. Die krankheitsassoziierten Antikörper Rheumafaktor und anti-CCP werden bei einer moderaten Erhöhung (unterhalb des Dreifachen der oberen Referenzbereichsgrenze) mit 2 und bei einer starken Erhöhung (mindestens dreifach über der oberen Referenzbereichsgrenze) mit 3 Punkten bewertet. Hierbei ist es nicht erforderlich, dass beide Marker erhöht sind, für die Klassifikation reicht bereits die Erhöhung eines der beiden Marker. Oft verhalten sich die Marker bei Patienten unterschiedlich, also Rheumafaktor erhöht und CCP normal oder umgekehrt. Mit der Bestimmung von nur einem der beiden Marker kann daher eine RA nicht sicher ausgeschlossen werden.

    Abb.: Das Befundbeispiel zeigt einen Patienten mit fehlendem Nachweis von Rheumafaktoren, aber einem deutlich erhöhten anti-CCP-Wert. Dieser liegt dreifach über der oberen Grenze des Referenzwertes und geht daher mit 3 Punkten in den Klassifikationsscore der rheumatoiden Arthritis ein

  • Warum zeigen die beiden leaky gut-Biomarker Zonulin und I-FABP manchmal differierende Ergebnisse?

    Dies ist durch ihre unterschiedliche Regulation bedingt. Zonulin ist ein Protein, welches zur entzündungsassoziierten Properdin-Familie gehört. Es wird von Darmepithelzellen des Dünndarms sezerniert und ist selbst an der Öffnung der tight junctions und somit an der Erhöhung der Durchlässigkeit des Darmepithels beteiligt. Voraussetzung für die Sekretion von Zonulin sind 1. ein inflammatorisches Signal (Entzündung) und 2. eine Mindestmenge an intakten Darmepithelzellen, die noch Zonulin produzieren können. I-FABP (intestinal- fatty acid binding protein) liegt hingegen präformiert in den Mikrovilli der Darmepithelien vor. Es ist nicht inflammatorisch kontrolliert. Seine originäre Aufgabe ist die Durchschleusung von aus der Nahrung aufgenommenen Fettsäuren durch die Darmepithelzelle. I-FABP wird bei jeglicher struktureller Schädigung des Darmepithels passiv freigesetzt und tritt dann ins Blut über. Die genannten Unterschiede bewirken, dass Zonulin vorrangig in der Initialphase entzündlich bedingter intestinaler Veränderungen hochreguliert wird, während es sich in der chronischen Phase normalisieren kann, wenn das Darmepithel funktionell schon beeinträchtigt ist. In der späteren Phase scheint I-FABP Sensitivitätsvorteile zu haben, wie auch bei allen nicht-entzündungsbedingten Darmepithelschädigungen, z.B. bei Mangeldurchblutung (auch Stress-bedingt, z.B. gezeigt nach Fahrradergometerbelastung) oder bei toxisch bedingtem leaky gut (nach Antibiotikatherapie, toxischer Metallbelastung).  Interessant sind Arbeiten, die bei Patienten mit AIDS-Erkrankungen und auch Depression zeigen, dass mit fortschreitender bzw. schwerwiegenderer Erkrankung  I-FABP ansteigt und Zonulin eher abfällt. Während dies bei AIDS-Patienten noch dadurch zu erklären ist, dass das Darmepithel bei Erkrankungsprogression schwerer in Mitleidenschaft gezogen ist, wird für die diskrepanten Veränderungen bei Depression der regulierende Einfluss des vegetativen Nervensystems diskutiert.
    Unsere bisherigen Ergebnisse zeigen, dass zwischen beiden Markern keine Korrelation besteht, so dass beide Marker unabhängig voneinander ein leaky gut anzeigen können. 

  • Können mögliche Impfkomplikationen mit Labortests „vorhergesagt“ werden?

    Durch eine Impfung soll unsere körpereigene Abwehr ein immunologisches Gedächtnis gegen einen bestimmten Krankheitserreger aufbauen. Grundlage dafür ist, dass der Impfstoff im Körper eine spezifische Immunreaktion auslöst. Diese kann lokal zu klassischen Symptomen wie Schwellung, Schmerzen und Rötungen führen sowie auch systemisch zu allgemeinem Krankheitsgefühl mit Fieber und Gliederschmerzen. 
    Unter sogenannten „Impfkomplikationen“ werden hingegen schwerwiegende Reaktionen des Körpers verstanden, die nicht wie die üblichen zuvor genannten Symptome nach wenigen Tagen problemlos abklingen und sogar gesundheitliche Schäden verursachen können (Impfschaden). Ebenso wie jegliche Immunreaktion auf einen Infektionserreger, können solche Impfkomplikationen mit keinem Labortest vorhergesagt werden.
    Allerdings kann eine bestehende Unverträglichkeit in Form einer Allergie auf einen Impfstoffbestandteil eruiert werden. Generell stellen aber allergische Reaktionen auf Impfstoffbestandteile eine eher seltene Ursache von Impfkomplikationen dar.
    Besteht der Verdacht auf eine Typ-I-Allergie (Soforttyp), bzw. ist bereits eine Typ-I-Allergie auf einen potentiellen Impfstoffbestandteil bekannt, so kann hier der Basophilen-Degranulationstest (BDT) angewendet werden. In diesem „in-vitro-Provokationstest“ werden die patienteneigenen Basophilen Granulozyten mit dem eingesandten Impfstoff konfrontiert und eine daraufhin vermehrte Freisetzung  von Leukotrienen kann eine individuelle Sensibilisierung nachweisen.
    Auch sogenannte Spättyp-Reaktionen (Typ-IV) können nachgewiesen werden. Hier kommt der Lymphozytentransformationstest (LTT) zum Einsatz. Bei bereits erfolgter früherer Immunisierung ist eine Unverträglichkeitstestung mittels LTT auf den entsprechenden Impfstoff nicht mehr sinnvoll. Hier kann dann nicht mehr zwischen einer bestehenden und durch die Impfung erwünschten zellulären Gedächtnisantwort auf das Impfantigen und einer Typ-IV-Sensibilisierung auf einen Impfstoffbestandteil unterschieden werden! In einem solchen Fall wäre die einzelne Testung auf die jeweils verdächtigen Zusatz- bzw. Beistoffe ratsam.
    Es ist zu beachten, dass sowohl der LTT, als auch der BDT lediglich bestehende Sensibilisierungen nachweisen können und keine Vorhersage über sich zukünftig entwickelnde Allergien erlauben.
    Die folgende Abbildung soll den Einsatz solch zellulärer in vitro Allergietests im Fall von Impfstoffen nochmal zusammenfassen und verdeutlichen.

  • Warum wird zur Einschätzung der Glutathionversorgung nicht mehr der GSH/GSSG-Quotient bestimmt sondern nur das GSH?

    Der Hauptgrund ist, dass nur die reduzierte Form (GSH) intrazellulär bestimmbar ist. Die oxidierte Form (also GSSG) kann man dagegen nicht in Leukozyten sondern nur im Serum (oder lysiertem Erythrozytenkondensat) bestimmen, was aufgrund der intrazellulären Bedeutung wenig Sinn macht. Wir halten (abgesehen von akademischen Fragen) die reduzierte Form intrazellulär in Leukozyten echten gemessen für ausreichend, denn daran wird man immer den Substitutionsbedarf festmachen. Zudem hat die parallele Bestimmung in Monozyten und Lymphozyten eine entscheidende Zusatzaussage. Da Monozyten, nachdem sie aus dem Knochenmark übergetreten sind, nur 24-48 h im Blut zirkulieren und nach Auswanderung nie zurück ins Blut rezirkulieren, ist ein nachweisbarer GSH-Mangel in Monozyten immer Hinweis auf Synthesemängel (Synthesemängel oder Mangel an SH-Gruppen spendenden Aminosäuren) oder GSH-Verlust (Ausscheidung schadstoffkonjugierter GSH-Moleküle über die Niere). Wenn dagegen auch die Lymphozyten als zwischen Gewebe und Blut permanent rezirkulierende Zellen betroffen sind, dann spricht das für einen GSH-Verbrauch (z.B. durch entzündliche Prozesse oder toxische (Über)belastungen. Das intrazelluläre GSH hat zwei wichtige Funktionen. Zum einen dient GSH als Redox-Puffer, d.h. es hilft, zelluläre Proteine und Membranlipide vor „freien Radikalen“ zu schützen. Dabei wird Glutathion oxidiert und geht von seiner monomeren Form GSH in das Dimer GSSG über. Die zweite Funktion ist die Biotransformation von Schadstoffen in der Phase-II-Entgiftung. Dabei katalysiert die zytosolisch lokalisierte Glutathion-S-Transferase die Reaktion von GSH mit Halogen-, Sulfat-, Sulfonat-, Phosphat- und Nitro-Gruppen aber auch Metallionen. Mit GSH konjugierte Stoffe sind wasserlöslich und werden über die Niere und auch biliär besser ausgeschieden. Das so „verbrauchte“ GSH würde sich nicht im Anstieg von GSSG wiederspiegeln. Daher wird deutlich, dass GSSG nur für seine Funktion als Redox-Puffer eine Aussage liefern würde, selbst wenn man es intrazellulär bestimmen könnte.

  • Ist es überhaupt sinnvoll, in unseren Breiten die sogenannten „afrikanischen“ Mutationen im Laktoseintoleranz-Gentest mit zu testen?

    Wie bei allen Säugetieren sinkt auch beim Menschen die Produktion des Milchzucker (Laktose)-spaltenden Enzyms Laktase nach dem Abstillen. In Populationen, die Milchwirtschaft betreiben, sind vor ca. 7500 Jahren schützende Genveränderungen entstanden, die dem Träger eine lebenslange Laktase-Persistenz sichern. So ist in Europa als Anpassung an den lebenslangen Verzehr von Milchprodukten im Laktase-Gen an der Stelle-13910 ein Cytosin (C = Laktaseproduktion nimmt ab) gegen ein Thymidin (T= Laktasepersistenz) ausgetauscht worden. Bei Menschen, die diese schützende Genveränderung nicht tragen, nimmt die Laktase-Produktion im Laufe des Lebens ab, und es entsteht eine primär adulte Laktoseintoleranz. Dies betrifft in Mitteleuropa etwa 15-20 % der Bevölkerung.
    Parallel zur europäischen Entwicklung hat auch in anderen Regionen eine Anpassung an den lebenslangen Verzehr von Milchzucker stattgefunden. Auf dem afrikanischen Kontinent sind die folgenden mit Laktase-Persistenz einhergehenden Varianten im Laktase-Gen entstanden: C-13907G, C-13908T, C-13909A, C-13913T, G-13914A und T-13915G.
    Die Bezeichnung „afrikanische“ Mutationen bezieht sich darauf, dass diese Genvarianten während der Evolution erstmals in Afrika auftraten. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass sie in der heutigen Zeit nur bei Afrikanern vorkommen. Bereits durch vorgeschichtliche Völkerwanderungen haben sich die Varianten des Laktase-Gens „verteilt“. Sie treten in ca. 8 % der Fälle auf, die in unserem Labor untersucht werden. Diese zusätzlichen Mutationen können also auch Patienten tragen, deren Familien keine Wurzeln in Afrika haben.
    Routinemäßig wird am IMD zunächst die häufigere kaukasische Variante C-13910T untersucht. Liegt diese schützende Mutation vor, ist eine primär adulte Laktoseintoleranz ausgeschlossen. Bei Patienten, die diese Genvariante nicht tragen, erkennt die angewandte Technik, ob andere schützende Mutationen in der Genregion vorliegen. Diese werden dann mittels Sequenzierung ausdifferenziert. Das hat die Konsequenz, dass bei 8 % der Patienten eine andere schützende Mutation (=Laktase-Persistenz) festgestellt werden kann. Bei diesen Patienten ist dann ebenfalls eine primär adulte Laktoseintoleranz ausgeschlossen, was den Befundbericht grundlegend ändert. Diese Patienten hätten ohne die Untersuchung auf die afrikanische Variante fälschlich den Befund erhalten, dass keine schützende Mutation und somit eine primär adulte Laktoseintoleranz vorliegt. 

     

     

  • Was sagt der Biomarker ucOsteocalcin über Vitamin K2 aus?

    Die herkömmliche Blutspiegelanalyse von Vitamin K2 ist aus präanalytischen Gründen und wegen der starken nahrungsabhängigen Schwankungen ungeeignet, um die Vitamin K2-Versorgung einzuschätzen. Ein erhöhtes ucOsteocalcin zeigt einen Mangel an Vitamin K2 besser an. Der Anstieg des ucOsteocalcins beruht dabei darauf, dass K2-Mangel die Carboxylierung des ucOsteocalcins hemmt. Aus diesem Grund steigt bei Vitamin K2-Mangel das untercarboxylierte („uc“) Osteocalcin im Blut an und ist stabil messbar.

    Ein normwertiges oder vermindertes ucOsteocalcin zeigt eine ausreichende Versorgung mit Vitamin K2 an. In den seltenen Fällen eines verminderten ucOsteocalcins empfiehlt sich eine weiterführende Diagnostik:
     • Mögliche Ursache für erniedrige Werte ist eine Störung des Knochenstoffwechsels, z. B. aufgrund von Vitamin D-Mangel, denn Vitamin D aktiviert die Sekretion von ucOsteocalcin aus den knochenbildenden Osteoblasten.
     • Alternativ könnte Vitamin K2 besonders hohe Aktivität haben, so dass die Carboxylierung vermehrt

  • Welchen Mehrwert hat die komponentenbasierte Allergiediagnostik für den klinischen Alltag?

    Die molekulare oder auch komponentenbasierte Allergiediagnostik identifiziert nicht nur die Allergenquelle, sondern die für die Sensibilisierung relevanten Proteinmoleküle (= „Komponenten“). 
    Die Komponenten werden auf Grundlage von strukturellen Ähnlichkeiten in verschiedene Familien unterteilt. Die Zuordnung der Sensibilisierung eines Patienten zur auslösenden Allergenfamilie ist klinisch relevant. So bedingt im Falle der Erdnuss die Sensibilisierung auf die Speicherproteine (z. B. Ara h 1,2,3) ein erhöhtes Risiko für schwere allergische Reaktionen, während eine alleinige Sensibilisierung auf das PR10-Protein Ara h 8 eine birkenpollenassoziierte Sensibilisierung anzeigt, die in erster Linie mit oralen allergischen Symptomen verbunden ist. Gerade bei Pollenallergikern ermöglicht die komponentenbasierte Diagnostik eine Differenzierung spezifischer Pollensensibilisierungen von Kreuzreaktivitäten mit Nahrungsmitteln, Kräuter- oder Baumpollen (Abb 1).

    Abb. 1: Mit Hilfe molekularer Allergiediagnostik zwischen Primärsensibilisierung und Kreuzreaktion unterscheiden 

    Die moderne Allergologie kombiniert daher die extraktbasierte IgE-Testung mit komponentenspezifischen Analysen. Der Extrakt liefert die genaue Antwort, ob der Patient auf die bestimmte Allergenquelle (z. B. Erdnuss) sensibilisiert ist, während die Komponenten wichtige zusätzliche Informationen zu Risiko, Spezifität und Kreuzreaktivität liefern. 

    Eine Einzeltestung bestimmter Allergenkomponenten ist mit dem RAST (UniCAP-Test) möglich. Für polysensibilisierte Patienten mit einem komplexen klinischem Bild bietet sich als kosteneffiziente Alternative das ALEX IgE-Allergenscreening an, welches 125 Allergenkomponenten und 175 Allergenextrakte erfasst. Dieses kann auch zusätzliche Informationen über Sensibilisierungen liefern, die unterhalb der Symptomschwelle liegen und somit durch die Anamnese nicht erfasst werden, jedoch zum atopischen Gesamtbild entscheidend beitragen können (Abb. 2).

    Abb. 2: Kumulative Effekte von saisonalen und perennialen Allergenen können zur Überschreitung der Sypmtomschwelle beitragen.

  • Welchen Marker empfehlen Sie zum Nachweis einer gestörten Darmpermeabilität (leaky gut)?

    Leaky gut (engl. durchlässiger Darm) bedeutet, dass die Barrierefunktion der Darmschleimhaut im Bereich des Dünndarms gestört ist. Die Behandlung des leaky gut stellt eine wichtige Säule in der Therapie chronisch entzündlicher Erkrankungen dar. Sowohl zur Diagnosestellung als auch zur Therapiekontrolle sind non-invasive Labormarker wichtig. Als Referenzmethode gilt der Laktulose/ Mannitol-Quotient, der aber wegen des Aufwandes kaum praktikabel ist. Vielfach genutzt werden die Stuhlmarker α1-Antitrypsin, sIgA und Calprotectin, wobei die letzten beiden streng genommen eher Entzündungsmarker sind, weshalb sie bei Ischämie-, Stressoder toxisch bedingtem leaky gut kaum ansteigen. Ein in der Vergangenheit häufig verwendeter Blutmarker ist das Zonulin, ein von Enterozyten sezerniertes Protein, welches für die Öffnung der tight junctions verantwortlich ist. Allerdings kann bei schwerer Schädigung des Darmepithels wegen der in geschädigten Enterozyten gestörten Zonulinproduktion ein Zonulinanstieg auch ausbleiben. Bei Patienten mit Depression ist das Plasma-Zonulin sogar vermindert trotz erhöhtem I-FABP und zwar am niedrigsten bei den Patienten mit hohem Symptomscore. Ein Anstieg des Zonulins im Stuhl oder Blut ist, erklärbar durch dessen regulative Funktion, an eine „normale“ Darmfunktion gebunden. Das erklärt auch, dass es manchmal unter Therapie zum Anstieg des Zonulins kommt.

    Wir empfehlen, I-FABP im Serum zu messen. Das Intestinal-fatty acid binding protein I-FABP ist hochspezifisch für Darmepithelien. Es wird im oberen Teil der Villi in reifen Enterozyten des Dünndarms exprimiert und bei morphologischer oder funktioneller Enterozytenschädigung in den Blutkreislauf freigesetzt. Der I-FABP-Serumspiegel korreliert nachweislich zur Pathologie und zur Laktulose/ Mannitol-Ratio. Erhöhte Werte und eine Korrelation zu den Symptomscores wurden nachgewiesen bei Zöliakie, Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität, Mesenterialinfarkt, Nekrotisierender Colitis, Depression und auch schwerer körperlicher Belastung (Leistungssport). Wegen seiner kurzen Halbwertszeit ist I-FABP sehr gut zur Therapiekontrolle geeignet. 

  • Welches Untersuchungsmaterial empfiehlt sich zur Bestimmung der Jod-Versorgung?

    In der Praxis üblich ist die Bestimmung der aktuellen Jodzufuhr im Spontanurin. Der 24h-Sammelurin liefert zwar durch die Mittelung über 24 Stunden etwas genauere Ergebnisse – dies jedoch unter der Voraussetzung, dass der Patient den Urin nicht länger als 24 Stunden bei Raumtemperatur lagert. Um die Präanalytik sicherzustellen, empfiehlt sich daher meist der in der Praxis abgegebene Spontanurin.

    Während der Urin die aktuelle Jodzufuhr anzeigt, misst die Blutanalyse das zirkulierende Jod und damit die Menge, die der Gewebeversorgung zu Verfügung steht. In der Regel schwankt der Jodspiegel in Serum oder EDTA-Blut weniger mit der Tageszufuhr als die Jodkonzentration im Urin. Da Jod überwiegend im Serum lokalisiert ist, stellt Serum anders als für die meisten Spurenelemente das bevorzugte Untersuchungsmaterial dar. Die Analyse von EDTA-Vollblut ist zwar ebenfalls möglich, bietet jedoch keinen Vorteil. Aus diesen Gründen empfehlen wir zur Bestimmung des längerfristigen Jodstatus die Joduntersuchung im Serum und zur Kontrolle der aktuellen Zufuhr die Analyse im Spontanurin.

  • Ist der Endotoxin-Spiegel im Blut ein Gradmesser für die gestörte Darmpermeabilität oder die aktuelle systemische Entzündung?

    Endotoxine (Synonym: Lipopolysaccharide LPS) sind Bestandteile der Zellwand gramnegativer Bakterien. Es ist richtig, dass bei gestörter Darmpermeabilität von den Darmbakterien herrührende Endotoxine vermehrt über die Darmwand aufgenommen werden. Der Darm wird aber bekanntlich durch die Venen des Pfortadersystems drainiert. Das Pfortaderblut passiert initial die Leber, wo je nach Leberfunktion zwischen 95 und 99 % des Endotoxins schon bei der ersten Passage eliminiert werden („first pass effect“). Bis zur Blutabnahme aus der Armvene passiert das Blut noch die rechte Herzkammer, die Lunge, die linke Herzkammer und dann auch noch das gesamte arterielle Kapillarbett der Körperperipherie. Deshalb lässt der peripher-venöse Endotoxinspiegel keinen Rückschluss auf die Translokation im Darm zu. Um tatsächlich auf das im Darm translozierte Endotoxin rückzuschließen, müsste man das Blut aus der Pfortader entnehmen, was nicht möglich ist. Die Blutabnahme aus der Armvene kommt sprichwörtlich zu spät (siehe Abbildung). Ebenfalls ungeeignet zur Feststellung einer systemischen Endotoxinbelastung ist die Bestimmung der LPS-Antikörper. Die Bildung der Antikörper gegen die Endotoxinmoleküle ist variabel und wird mehr durch individuelle Antikörperbildung und -abbau beeinflusst, als durch die Menge an aufgenommenem oder zirkulierendem Endotoxin.

    Für den Nachweis der systemischen Entzündung stehen heute hochsensitiv messbare Zytokine zur Verfügung (TNF-α, IL-1, IL-6). Die gestörte Darmpermeabilität kann über das Zonulin im Serum oder auch alpha-1-Antitrypsin im Stuhl erfasst werden.

  • Wie kann es sein, dass 20 ml Heparinblut in den meisten Fällen für ein LTT-Profil, wie z. B. LTT-Metalle, ausreichen, in seltenen Fällen aber nicht?

    Dass in Einzelfällen 20 ml Heparinblut nicht ausreichen, liegt daran, dass der Lymphozytentransformationstest (LTT) nicht mit Vollblut durchgeführt wird, sondern dass aus dem Patientenblut Lymphozyten und Monozyten (sogenannte Mononukleäre Zellen) isoliert werden. Hier lassen sich mal mehr und mal weniger Zellen gewinnen. Beim LTT werden pro Allergen ca. 600.000 Mononukleäre Zellen benötigt. Um eine perfekte Sensitivität sicherzustellen, machen wir hier keine Abstriche. Die Isolationsausbeute, d. h. die Zahl der vitalen Lymphozyten, die gewonnen werden kann, hängt davon ab, wie viele Lymphozyten der Patient im Blut hat. Bei deutlicher Lymphozytopenie kann es knapp werden. Manchmal ist aber auch die Qualität der Zellen ausschlaggebend, denn nur intakte und vitale Einzelzellen gehen in die Ausbeute ein. Bei Erkrankungen, die mit Immunaktivierung einhergehen, kann es in seltenen Fällen dazu kommen, dass durch Migration der Immunzellen ins Gewebe ihre Zahl im Blut abnimmt. Auch eine unzulässige Probenkühlung während des Transports ins Labor kann die Zellzahl deutlich reduzieren. Einige Medikamente können ebenfalls diesen Effekt verursachen. Deshalb empfehlen wir im Winter nicht nur einen kontrollierten temperierten Bluttransport per Kurier (keine Posteinsendung!) sondern auch, wenn möglich, ein Röhrchen Heparinblut mehr einzusenden. Das gibt dem Labor eine Reserve, falls diese nötig wird.

  • Ist „Folsäure bioaktiv“ der bessere Laborparameter oder sollte „Folsäure intrazellulär“ untersucht werden?

    Wir empfehlen die „Folsäure bioaktiv“. Bereits die Bezeichnung „intrazellulär“ ist grundsätzlich irreführend, da hier in den Laboren lediglich der Blutkuchen untersucht wird. Dieser besteht zu 99 % aus Erythrozyten, die als „Transporthüllen“ des Hämoglobins weder über Zellkern noch über Mitochondrien und andere Organellen verfügen. Ihr Stoffwechsel und ihr Bedarf an Mikronährstoffen sind daher nicht mit echten Zellen gleichzusetzen. Richtig wäre, wenn man die Analyse „Folsäure intraerythrozytär“ nennen würde. Ferner misst die Erythrozyten-Analyse analog zur konventionellen Serumanalyse lediglich die Folsäure-Konzentration. Die Konzentrationsbestimmung erfasst dabei üblicherweise die Folsäure und zwei Folsäure-Metabolite (5-Methyl- und 5-Formyl-Tetrahydrofolat).

    Daher erfasst die Spiegelbestimmung (in Erythrozyten wie im Serum) weder die zahlreichen weiteren bioaktiven Folsäure-Metabolite noch ihre anteilige Verteilung. So kann ein geringer Anteil an 5-Methyl-THF dazu führen, dass trotz normwertigem Spiegel die Folsäure-Bioaktivität vermindert ist (siehe Abbildung). Nur bei ausreichender Bioaktivität steht jedoch „Folsäure“ als Mikronährstoff dem Stoffwechsel in ausreichender Menge zu Verfügung.

    Es ist bisher keine Methode verfügbar, Folsäure-Bioaktivität in Erythrozyten zu messen – oder gar in Leukozyten, die als echte Zellen repräsentativer für Körperzellen wären. Deshalb empfehlen wir die Bestimmung der „bioaktiven Folsäure im Serum“ als den derzeit aussagefähigsten Marker für den Folsäure-Status (Analyse 106, Schein „Spezielle Immunologie“).

  • Ist der Nachweis der ANA (anti-nukleäre Antikörper) in der Autoimmundiagnostik als „Einstiegstest“ anzusehen, d. h. bei Autoimmunerkrankungen verschiedenster Organe relevant?

    Nein, als globaler „Einstiegstest für Autoimmunerkrankungen“ ist der ANA-Nachweis nicht geeignet. ANA weisen eine hohe Sensitivität für systemische rheumatische Erkrankungen (Kollagenosen) auf und gelten als Diagnosekriterium für Kollagenosen, nicht jedoch für andere Autoimmunerkrankungen. Zudem finden sich ANA auch bei zahlreichen anderen entzündlichen Prozessen, Tumoren sowie passager im Rahmen von Infektionserkrankungen. Sogar bei Gesunden sind ANA gelegentlich nachweisbar, wenn auch mit niedrigem Titer, mit steigender Prävalenz im Alter > 60 Jahre. Bei Verdacht auf eine Kollagenose kann die Krankheitsspezifität erst durch die ANA-Differenzierung ermittelt werden, wie z. B. Autoantikörper gegen SS-A(Ro) und SS-B(La) bei Sjögren-Syndrom (siehe Befundbeispiel). Bei Verdacht auf andere systemische oder organspezifische Autoimmunerkrankungen, wie z. B. rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenerkrankung, Diabetes mellitus Typ 1 oder Zöliakie, sollten daher die entsprechenden diagnostisch relevanten Autoantikörper bestimmt werden (siehe Anforderungsschein „Spezielle Immundiagnostik“ Analysen 281-342). Die zusätzliche Bestimmung der ANA ist zur Differentialdiagnostik durchaus empfohlen, da die Kollagenosen mit verschiedenen Organmanifestationen einhergehen können.

  • Warum verhalten sich die B-Vitamine, insbesondere B1, B2 und B6 unter Substitution mit allen drei Vitaminen oft unterschiedlich? Im aktuellen Fall ist Vitamin B2 sogar abgefallen, Vitamin B6 deutlich angestiegen.

    Vitamin B1, B2 und B6 entfalten ihre Wirksamkeit erst nach ihrer Umwandlung in Thiamin-, Riboflavin- und Pyridoxal-Phosphate. Diese Biotransformation geschieht enzymatisch über die Anlagerung von Phosphaten mit Hilfe verschiedener Phosphokinasen. Der Anstieg der Bioaktivität hängt damit nicht allein von der supplementierten Dosis ab, sondern auch von der Effizienz der Biotransformation. Die zentralen Enzyme, so genannte Phosphokinasen, weisen eine individuell unterschiedliche Aktivität auf, wozu vermutlich genetische Faktoren beitragen. Gleichzeitig wird die Rate der Biotransformation durch die Verfügbarkeit von Spurenelementen beeinflusst, insbesondere von Zink, Magnesium und Kalium.

    Hinzu kommt, dass in Abhängigkeit der Aktivität einzelner Stoffwechselprozesse die verfügbaren B-Vitamine unterschiedlich stark „verbraucht“ werden. Diese Vitamin-abhängigen Vorgänge werden durch Supplementierung unterstützt und oft beschleunigt. Zum Beispiel braucht die Pyruvatdehydrogenase Vitamin B1, verschiedene Schritte des Zitratzyklus wiederum benötigen die Vitamine B2 und B6. Die erfolgreiche Behandlung eines Nitrosativen Stress (erkennbar am Abfall des Nitrotyrosins im Blut) steigert z. B. die Aktivität der Pyruvatdehydrogenase und damit sekundär den Bedarf an Vitamin B1.

    Der oben genannte Verlauf könnte damit erklärt werden, dass verabreichtes Vitamin B6 mit Hilfe von Zink, Magnesium, ATP und Vitamin B2 zu aktiven Vitamin B6-Formen metabolisiert wird. Die Biotransformation von Vitamin B6, vor allem über das Enzym Pyridoxin 5‘-phosphatoxidase, verbraucht also Vitamin B2. Daher kann es durch den substitutionsgeförderten Anstieg der Vitamin B6-Aktivität vorübergehend zu einem Abfall des bioaktiven Vitamin B2 kommen. In seltenen Fällen geschieht dies auch bei Supplementierung mit Pyridoxal-5-Phosphat (P-5-P) – dann vermutlich aufgrund unvollständiger Phosphatierung bzw. Oxidierung des Supplements. Häufig ist jedoch ein schnellerer Anstieg des bioaktiven Vitamin B6 zu beobachten, wenn P-5-P verwendet wird.

  • Können aus den für die Allergietestung eingesandten Schimmelpilz-Platten auch gleich die Schimmelpilzspezies bestimmt werden?

    Bei Verdacht auf Schimmelpilzallergie vom Typ I oder Typ IV nutzen viele Umweltmediziner die Möglichkeit, direkt auf die im Wohnumfeld des Patienten angezüchteten Schimmelpilze zu testen. Das ist sowohl im Lymphozytentransformationstest (LTT) als auch im Basophilen-Degranulationstest (BDT) möglich. Der Vorteil ist, dass man so für den betreffenden Patienten eine klare Aussage machen kann, ob er auf irgendeinen in seinem Umfeld vorhandenen Pilz allergisch reagiert. Bei der Vielzahl möglicher Spezies und dem eingeschränkten Spektrum der Standardallergiediagnostik ist dieses sehr hilfreich. Bei einem positiven Befund in den Nativ-Allergietests ist es nachgewiesen, dass das häusliche Umfeld des Patienten für ihn eine individuell relevante Schimmelpilz-allergene Belastungsquelle darstellt.

    Diese Anzuchtplatten bzw. die darauf gewachsenen Schimmelpilze eignen sich dagegen nicht für die mykologische Differenzierung, also die taxonomische Bestimmung der gewachsenen Schimmelpilze. Dafür wäre eine standardisierte Probensammlung essentiell. Mit dem für die Allergietestung etablierten „Sammelverfahren“ durch bloßes Aufstellen der geöffneten Platten, können keine quantitativen Rückschlüsse gezogen werden, und es kann daher nicht zwischen mengenmäßig relevanten und irrelevanten Belastungen unterschieden werden. Das Ausmaß des Bewuchses der Sabouraud-Agar-Platten ist eher vom Wachstumsverhalten abhängig als vom ursprünglichen Sporeneintrag auf der Platte. Obwohl technisch möglich, wäre daher die Bestimmung der Schimmelpilzkolonien auf diesen Platten vor Vermietern, Gerichten oder Behörden, trotz hoher Kosten, wertlos. Die Probensammlung, die Anzucht sowie die Differenzierung muss auf die baubiologischen Fragestellungen angepasst sein und sollte deshalb durch einen Sachverständigen oder Baubiologen erfolgen.

  • Ist eine Allergiediagnostik trotz Einnahme von Antihistaminika möglich?

    Antihistaminika wie z. B. Cetirizin und Loratadin sind Wirkstoffe, welche die Wirkung körpereigenen Histamins abschwächen oder aufheben, indem sie Histamin-Rezeptoren blockieren. Sie beeinflussen jedoch nicht die Freisetzung und den Abbau des Histamins und wirken sich damit nicht auf den Histaminspiegel im Blut aus.

    Bei Typ-I-Allergikern ist in erster Linie die Freisetzung des Histamins durch Mastzellen für die bekannte Symptomatik verantwortlich. Da ein hautbasierter Allergietest (z. B. Prick-Test) auf der Grundlage der durch Histamin ausgelösten Hautreaktion beruht, sind die Medikamente in diesem Fall wenigstens 48 Stunden vor Durchführung des Testes abzusetzen.

    Auf die Labordiagnostik hingegen haben Antihistaminika aus folgenden Gründen keinen Einfluss:

    - Im RAST werden allergen-spezifische IgE-Antikörper bestimmt, diese Diagnostik ist Histamin unabhängig.

    - Im BDT kann die allergen-induzierte Histamin- und/oder Leukotrienfreisetzung problemlos bestimmt werden, da Antihistaminika als Histaminrezeptorenblocker lediglich die Wirkung des Histamins an deren Zielzellen blockieren, nicht aber die Aktivierung oder die Funktionalität der basophilen Granulozyten (siehe Abbildung unten)

    - Im LTT wird zum Nachweis der Typ-IV-Allergie die Vermehrung antigen-spezifischen T-Lymphozyten bestimmt, auch diese ist Histaminrezeptor-unabhängig.

  • Wann bestimmt man VEGF im Serum?

    VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein Signalmolekül in der Angiogenese. Es stimuliert das Wachstum von Blutgefäßendothelien.

    Es gibt zwei Indikationen für die Bestimmung beim Patienten:
    1. als Progressionsmarker bei Tumorerkrankungen
    VEGF stimuliert die Teilung und Migration von Endothelzellen der Blutgefäße und somit auch eine Neovaskularisation von Tumoren. Das erklärt, warum eine höhere VEGF-Expression im Tumor mit einem progressiveren Wachstum solider Tumoren einhergeht. In aktuellen Studien wurde gezeigt, dass auch der im Patientenblut gemessene VEGF-Spiegel prognostische Aussagen macht. Ein Anstieg des VEGF-Serumspiegels im Verlauf, insbesondere unter immunstimulierender Therapie, gilt als kontraproduktiv.

    2. zur Differentialdiagnostik der Bartonellose
    Die Bestimmung von VEGF im Serum dient dem Nachweis von Bartonella henselae Ko-Infektionen bei Patienten mit Erkrankungen, die durch Zecken übertragen werden. Bartonella henselae induziert in befallenen Zellen VEGF, weshalb erhöhte Blutspiegel einen wichtigen Hinweis auf eine erfolgte Infektion geben. Der Pathomechanismus der VEGF-Bildung durch Bartonellen erklärt sich darüber, dass die sich vermehrenden Bartonellen in den befallenen Körperzellen und Geweben ein Energiedefizit und ATP-Mangel auslösen. Dieses Defizit würde sekundär aber auch für die Bartonellen selbst die Überlebenswahrscheinlichkeit reduzieren. Die Induktion von VEGF durch die Bartonellen und die damit bessere Durchblutung des befallenen Gewebes führt zu einem Überlebensvorteil der Erreger. 

    Für die Bestimmung von VEGF wird 5 ml Vollblut zur Serumgewinnung benötigt. Das Vollblut muss (sofern es nicht taggleich im Labor eintrifft) in der Praxis abzentrifugiert werden. 

  • Welches Material eignet sich am besten zur Untersuchung der Mineralstoffversorgung?

    Wir empfehlen für die Untersuchung der Spurenelemente immer die Vollblutmineralanalyse (im EDTA- oder Heparin-Vollblut). Sie erfasst die Gesamtheit der Spurenelemente, die über das Blut ans Gewebe verteilt werden. Bei der Vollblutmineralanalyse untersuchen wir das Blut als „Transportmedium“ für die Gewebeversorgung. Die Analytik beantwortet die Frage: Stehen den Organen und Geweben ausreichende Mengen an Mineralstoffen zu Verfügung?

    Nicht sinnvoll hingegen ist die Analyse von Mineralstoffen in isolierten Fraktionen des Blutes (PBMCs oder Erythrozyten), wenn es um den Versorgungsstatus des Patienten geht. Es gibt hier z. B. entzündungsabhängige Verschiebungen, die nichts mit dem Versorgungsstatus zu tun haben (u. a. den Einstrom von Calcium – daher messen wir das Calcium in Leukozyten im Rahmen chronisch entzündlicher Veränderungen). Auch eine Gleichsetzung von Erythrozyten mit Gewebezellen ist nicht zulässig – Erythrozyten haben keinen Zellkern und keine Mitochondrien, ihr Stoffwechsel und damit auch ihr Mikronährstoffbedarf ist daher in keiner Weise mit dem Stoffwechsel echter Zellen vergleichbar.

    Anders ist das bei den intrazellulär gebildeten Vitalstoffen wie ATP und Glutathion, die im Februar-Newsletter dargestellt wurden. Sie werden nicht wie Spurenelemente über das Blut verteilt, sondern sie werden in allen (echten) Zellen gebildet. Daher bietet ihre Bestimmung in echten Zellen (im Blut wären das die so genannten PBMCs) die Möglichkeit, auf andere Gewebezellen rückzuschließen.

    Abb. Die Vollblutmineralanalyse erfasst die Gesamtheit der über das Blut an die Organe verteilten Spurenelemente. Sie ist daher maßgeblich für die Beurteilung des Versorgungsstatus. Im Blut besteht ein Austausch zwischen freien, proteingebundenen und intrazellulären (Erythrozyten, Leukozyten) Spurenelementen.

  • Was bedeutet „intrazellulär“ wenn es um die Bestimmung von Vitalstoffen geht?

    Für die Beurteilung des Versorgungsstatus und ggf. des Substitutionsbedarfes an Vitalstoffen wie z. B. Spurenelementen, Vitaminen, ATP oder Glutathion ist die Einschätzung der Gewebeversorgung maßgeblich. In der Praxis steht uns jedoch als Untersuchungsmaterial ausschließlich das Blut zu Verfügung. Generell gilt, dass die Aussagekraft der Laborwerte größer ist, wenn man nicht nur die frei im Blutserum enthaltenen Stoffe sondern auch die intrazellulären Anteile erfasst.

    Für die Untersuchung der Spurenelemente liefert die Vollblutmineralanalyse die aussagekräftigen Laborwerte, da sie sowohl die intrazellulären Pools als auch den Serumanteil erfasst, der für den Transport in Organe und Gewebe zu Verfügung steht. Die Vollblutmineralanalyse zeigt an, ob für die physiologisch regulierte Verteilung ins Gewebe ausreichend Spurenelemente vorhanden sind.

    Andere Vitalstoffe werden nicht an Gewebe und Organe verteilt, sondern in den Zellen gebildet, wie z. B. ATP und Glutathion. Zur Bestimmung ihres Versorgungsstatus sollte deshalb ihr Gehalt auch ausschließlich in Blutzellen gemessen und davon der Versorgungsstatus der Gewebezellen abgeleitet werden.

    Dabei wird der Terminus „intrazellulär“ oft missverständlich verwendet. Unter „intrazellulär“ verstehen wir die Bestimmung in Monozyten und Lymphozyten, die auch als PBMC (Peripheral Blood Mononuclear Cells) bezeichnet werden. PBMC sind „echte“ Zellen, da sie über Zellkern und Mitochondrien verfügen und einen Zellstoffwechsel unterhalten. Nur diese echten Blutzellen sind den Gewebezellen ähnlich genug, um von ihrem Gehalt an Vitalstoffen mit ausreichender Genauigkeit auf die Gewebezellen zurückzuschließen. Erythrozyten stellen hingegen im Wesentlichen die „Transporthülle“ für das Hämoglobin dar. Ein Rückschluss von Erythrozyten auf den Vitalstoffgehalt von Organen und Gewebe ist unzulässig.

    Es gibt zwei Verfahren zur intrazellulären Messung:

    1. Die Lymphozyten und Monozyten werden aus Heparinblut zuerst durch eine Dichtegradientenzentrifugation von den Erythrozyten, Granulozyten und Thrombozyten sowie vom Serum getrennt (siehe Abb.). Wir verwenden diese Methode für die Bestimmung des ATP, sowie für Calcium, Kalium und Magnesium im Rahmen der Vitamin D-Stoffwechsel-Diagnostik nach Dr. Löffler.

    2. Bei der zweiten Möglichkeit zur intrazellulären Analyse werden die Lymphozyten und Monozyten durch Zugabe von zellspezifischen monoklonalen Antikörpern zytofluorometrisch von den restlichen Blutzellen und den Erythrozyten getrennt. Die Anwendung dieser Methode ist dann möglich, wenn auch der zu bestimmende Analyt durch intrazelluläre zytofluorometrisch auswertbare Färbung nachweisbar ist. Wir nutzen diese Methode für die Bestimmung von reduziertem Glutathion (GSH).

    Irreführend ist es dagegen, wenn solche Analysen als „intrazellulär“ bezeichnet werden, bei denen aus einer EDTA-Blutprobe lediglich nach Zentrifugation das Serum abgetrennt wird und anschließend der gesamte „Blutkuchen“ zur Analyse verwendet wird. Hier wird der Messwert im Wesentlichen durch die zellkernlosen Erythrozyten und die kurzlebigen Granulozyten bestimmt, die kaum eine Aussage über den Gewebegehalt an Vitalstoffen machen können. Auch ist eine vollständige Entfernung des Serums nicht möglich. Richtigerweise sollte diese Methode wegen der Dominanz der roten Blutzellen immer als „intraerythrozytäre“ Analyse gekennzeichnet werden, wobei wir eine Vitalstoffbestimmung in roten Blutzellen für genauso wenig aussagefähig halten wie die Bestimmung im Serum. 

  • Warum fällt der MELISA-Test auf Titan so häufig positiv aus, obwohl der parallel durchgeführte LTT unauffällig ist?

    Der MELISA ist auch ein LTT. Es handelt sich umeine vor fast 30 Jahren erstmals vorgestellte und damals neuartige methodische Variante des LTT. Genau wie der heutige LTT sollte auch der MELISA nachweisen, ob ein Patient eine Typ IV-Allergie hat, d. h. ob er spezifische T-Lymphozyten gebildet hat,die gegen das jeweilige Allergen gerichtet sind.

    Unseres Erachtens sind die vielen positiven MELISA-Ergebnisse auf Titan nicht korrekt. Zumindest handelt es sich keinesfalls um Allergien, wie wir sie von anderen Metallen kennen. Titan ist ein besonderes Metall, weil es auf Grund seiner hohen Oxidierungstendenz im Organismus nicht als eiweißbinden des Ion vorliegt, sondern immer als Oxidpartikel.

    Da aber nur Ionen an zelleigene Eiweiße binden und darüber eine Allergisierung auslösen können,ist bei Titan dieser allergieauslösende Hapteneffekt nicht möglich. Positive Stimulationsindizes im MELISA beruhen deshalb nicht auf der Zellteilung Titan-spezifisch-aktivierter T-Lymphozyten, sondern auf einem unspezifisch zellaktivierenden Effekt.

    Diese unspezifische T-Zellaktivierung ist beim LTT aber durch die Verwendung geeignet niedriger Stimulationskonzentrationen im Labortest ausgeschlossen.Wir sind uns bewusst, dass Patienten mit bestehenden Beschwerden einen positiven Labortest als überzeugender empfinden, da ein bestehender Verdacht in ihren Augen bestätigt wird. Aus den o.g. Gründen darf aber nicht von einer Titanallergie gesprochen werden.

    Wir empfehlen zum Nachweis einer Titanunverträglichkeit den Titanstimulationstest in Kombination mit dem genetischen Entzündungsgrad.

    Beide Tests selektieren die Patienten, welche eine verstärkte unspezifische Entzündungsantwort der Gewebemakrophagen auf Titanoxidpartikel zeigen und bei denen vorrangig Alternativmaterialien wie Keramik verwendet werden sollten. Dabei handelt es sich immerhin um ca. 15 % der Bevölkerung. Es ist Spekulation,dass im MELISA-Test indirekt genau diese Patienten auffällig gefunden werden.Entsprechende Studien liegen bisher nicht vor.

    Zur Abb.: Bei einer tatsächlichen allergenspezifischen Immunantwort reagieren zwischen 0,1 und maximal 1 % der T-Lymphozyten des Patienten mit monoklonaler Expansion auf das Antigen. Höhere Werte deuten auf eine mitogene Expansion hin.

  • Ist ein positiver Titanstimulationstest oder ein erhöhter genetischer Entzündungsgrad relevant für die Verträglichkeit von Titan-Clips?

    Soweit derzeit bekannt, bedingt eine erhöhte Entzündungsneigung nur dann eine Titanunverträglichkeit, wenn es durch Abrieb zur Freisetzung von Titanoxidpartikeln kommt. In Folge dieser Partikelablagerung im Gewebe kann es bei Entzündungs-High-Respondern zu einer gesteigerten Fremdkörperreaktion mit der Folge einer primärenlokalen Entzündung und einer verzögerten knöchernen Einheilung kommen. Gut untersucht ist diese Form der „Titanunverträglichkeit“ bei Zahnimplantatenaus Reintitan. Die Hyperreaktivität eines Patienten auf Titanoxidpartikel wird durch den Titanstimulationstest nachgewiesen.

    Titanclips bestehen aus Titan/Aluminium/Vanadium-Legierungen (Ti 6Al/4V). Die Abriebstabilität dieser Legierung ist deutlich größer als bei handelsüblichem(nahezu) reinem Titan, wie es z. B. für Zahnimplantate verwendet wird. Zudem kommt es durch das freie Liegen der Titanclips im Muskel oder Fasziengewebe oder in der Blutgefäßwand nicht zu einer signifikanten Oberflächenabreibung (zumindest sofern die Clips einander nicht berühren).Aus den genannten Gründen ist es somit wenig wahrscheinlich, dass Titanoxidpartikel in relevanter Menge aus den Clips freigesetzt werden.Deshalb kann es zumindest über diesen Weg selbst bei Entzündungs-High-Respondern nicht zu lokalen Entzündungsreaktionen kommen. Prinzipiell nicht auszuschließen ist aber, dass es bei Patienten mit Aluminium-, Nickel oder Vanadium-Typ IV Allergie zur Immunreaktion kommt, sofern Metallionen aus der Legierung freigesetzt werden.

    Diese Metallionenfreisetzung erscheint vor allem im entzündeten Gewebe möglich. Bei entsprechendem Verdacht empfiehlt sich deshalb hier eher,einen Lymphozytentransformationstest auf die Legierungsbestandteile in den Titanclips durchzuführen.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 210

  • Warum werden bei der Multielementanalyse im Urin nur die Verlaufswerte auf Kreatinin bezogen und nicht auch die einmalig erhobenen Messwerte?

    Der Kreatininbezug hat Vor- und Nachteile. Die kreatininbezogenen Metallwerte (μg/g Krea) sind geeignet, um schwankende Urinkonsistenzen (Diureseeffekte) zu berücksichtigen. Der Kreatininwert hängt aber auch von anderen Faktoren ab wie der Muskelmasse, der Nierenfunktion, Ernährungsgewohnheiten und der Medikamenteneinnahme.

    Alle diese Faktoren können das Resultat im Urin verfälschen, wenn man die Messwerte kreatininbezogen darstellt. Bei einem Patienten mit hoher Muskelmasse und damit einhergehendem hohen Serumkreatinin würde man einen hohen Urinmetallwert verharmlosen, da man ihn durcheine Kreatininnormalisierung „runterrechnen“würde.Gleiches gilt für Patienten mit (auch leicht) verminderter Nierenfunktion, was gerade bei metallbelasteten Patienten nicht selten vorkommt. Daher geben wir die Referenzbereiche der Metalle im Urin in der Einheit μg/L an und folgen damit auch den Empfehlungen der WHO und des Umweltbundesamtes.

    Anders ist es bei Verlaufsuntersuchungen. Hier müssen dagegen die kreatininbezogenen Metallwerte berücksichtigt werden, da Muskelmasse, Nierenfunktion und andere Einflussfaktoren bei einem Patienten mehr oder weniger als konstant angenommen werden können.

  • Welche Erklärung gibt es dafür, dass einige Patienten erhöhte Quecksilberspiegel im EDTA-Blut zeigen, obwohl sie kein Amalgam im Mund haben und auch keinen Fisch essen?

    Da Quecksilber keine physiologische Funktion hat, gilt grundsätzlich „je weniger desto besser“. Auch bei geringen Gesamt-Quecksilberspiegeln im Blut ist eine Beeinträchtigung des Spurenelementhaushaltes und der endogenen antioxidativen Kapazität nicht auszuschließen. Erhöhte Spiegel bis etwa 5 μg/L sind noch als leichte Belastungen anzusehen. Für die Einschätzung ihrer Schädlichkeit ist die Belastungsdauer besonders wichtig. Handeltes sich um eine gelegentliche Exposition – zufällig zum Zeitpunkt der Blutuntersuchung – oder resultiert der Messwert aus einer permanent vorhandenen Quelle?

    Diese Unterscheidung erfordert neben einer möglichen Kontrolle des Quecksilberwertes (nach etwa drei bis vier Wochen) eine Abklärung der individuellen Essgewohnheiten. Neben Fisch, Muscheln und Meeresfrüchten können auch zahlreiche weitere Lebensmittel mit Quecksilber belastet sein. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigte z. B., dass der Quecksilbergehalt in Gemüse im Durchschnitt ein Drittel des Gehaltes in Fisch beträgt, Geflügel und anderes Fleisch sogar 70-80 %. Der Belastungsgrad der Agrarprodukte hängt dabei von der Boden- und Umweltbelastung ab. Obst und Gemüsesäfte sowie Weine können in Einzelfällen hohe Quecksilbermengen enthalten, v. a. wenn sie in der Nähe von Fernverkehrsstraßen, Müllverbrennungsanlagen oder Kohlekraftwerken wachsen. Früchte können auch durch quecksilberhaltige Spritzmittel belastet sein, v. a. bei importierten Früchten. Die unmittelbareinhalative Belastung aus Abgasen, Kaminen oder auch über Tonerstäube stellen weitere Belastungsquellen dar.

    Eine weitere Ursache geringer, aber konstanter Quecksilberspiegel kann auch der Austausch zwischen Gewebe und Blut sein. Die Quecksilberquelle stellt in diesem Fall der Gewebe-Speicherpool aus früheren Exposition dar. Diese „Quelle“ wäre nur durch eine Chelattherapie (Ausleitung) langsam abzubauen.

  • Wenn die Multielementanalyse im Speichel eine Goldkonzentration von z. B. 70 μg/L ermittelt, wie ist dieser Wert einzuschätzen?

    Wenn ein Patient ein bestimmtes Metall als Zahnersatz im Mund hat, dann ist eine zumindest geringgradige Freisetzung in den Speichel immer vorhanden. Goldwerte von etwa 70 -100 μg/L messen wir regelmäßig bei Patienten, die Goldlegierungen im Mund haben – es handelt sich um einen deutlich erhöhten, aber nicht extremhohen Wert. Wichtig ist es, die Konzentration auf Anzahl bzw. Menge des eingesetzten Materials zu beziehen: Sind es 10 Kronen, möglicherweise aus einer weichen Goldlegierung? Dann wäre ein Wert von 70 μg/L „erwartungsgemäß“,da er den Eigenschaften und der Menge des verwendeten Materials entspricht.

    Oder ist es ein einziges kleines Inlay, aus dem die gemessene Metallmenge frei wird? Dann wäre ein Wert von 70 μg/L ungewöhnlich hoch. Über die Fähigkeit des individuellen Patienten, eine permanente orale Metallexposition dieser Höhe zu kompensieren,kann die Spiegelbestimmung im Speichel keine Aussage treffen. Neben der klinischen Beurteilung spielen hier insbesondere die Darmbarrierefunktion (messbar über das Zonulin im Serum), das antioxidative Schutzsystem (Antioxidantien, Spurenelemente),sowie die Ausscheidungs- und Entgiftungskapazität (Nierenfunktion, Entgiftungsgenetik) eine wichtige Rolle. Um die systemische Belastung zu untersuchen, wäre in diesem Fall die nachfolgende Bestimmung im Blut (EDTA-Blut) sinnvoll. Beibe stehen der Typ IV-Sensibilisierung (messbar im LTT) ist eine Unverträglichkeitsreaktion aber unabhängig von der Höhe der gemessenen Metallkonzentration zu erwarten.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 295, 304

  • Schließt ein unauffälliger Mercaptane/Thioether-Stimulationstest einen entzündlichen Prozess im Mund-/Kieferbereich aus?

    Nein, dazu soll der Test auch nicht dienen. Es kann trotzdem in der bildgebenden Diagnostik (OPG, CT,DVT) eine lokale Entzündung an einem oder mehreren Zähnen nachweisbar sein.

    Bei einem gleichzeitig negativen Mercaptane/Thioether-Stimulationstest ist allerdings eine davon ausgehende bzw. durch sie ausgelöste entzündliche„Fernherdwirkung“ unwahrscheinlich.

    Im Umkehrschluss deutet ein positiver Test daraufhin, dass ein systemischer entzündlicher Prozess durch den Entzündungsherd im Kieferknochen unterhalten bzw. verstärkt wird. Die Studie von Jacobi-Gresser et al. hat nicht nur die Spezifität der Testaussageunterstrichen, sondern auch gezeigt, dass durch Revision der Wurzelfüllung bzw. Extraktion des betroffenen Zahnes das Laborergebnis signifikant zurückgeht (Jacobi-Gresser et al., J Biol Regul Homeost Agents 2015).

    Der strenge Bezug positiver Ergebnisse auf den Mund-/Kieferbereich ist dadurch zu erklären, dass nur dort septische Entzündungsherde lange Zeit relativ schmerzfrei als „stille Entzündung“ vom Patienten toleriert werden. Die Vermutung, dass der Kontakt zu Schwefelwasserstoffverbindungen im Darm die Ergebnisse beeinflussen kann, wurde durch Untersuchungen bei Patienten mit und ohne Dysbiose ausgeschlossen.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 309

  • Wann sollten Antikörper gegen Ganglioside bestimmt werden?

    Ganglioside sind wasserunlösliche Lipide und sind Bestandteil von Zellmembranen, insbesondere im zentralen und peripheren Nervensystem. Autoantikörper (AAk) gegen Ganglioside bewirken eine Entzündung oder Demyelinisierung der Markscheiden.

    Sie rufen somit eine Vielzahl verschiedener Symptome hervor und gelten als typische serologische Marker für entzündliche autoimmune Neuropathien des peripheren Nervensystems. Dazuzählen das Guillain-Barré-Syndrom, das Miller-Fisher-Syndrom oder die chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie. Häufig treten entzündliche Neuropathien nach Infektionen, wie z. B. EBV, Campylobacter jejuni oder CMV auf.

    Das liegt daran, dass gangliosidähnliche Strukturen auch an der Oberfläche von Mikroorganismen vorkommen und sich die entsprechenden Antikörper nicht nur gegen die Erreger richten, sondern auch gegen die Ganglioside der Markscheiden oder Nervenfasern. Die daraus resultierende Klinik reicht von leichter Ermüdbarkeit und uncharakteristischem Missempfinden über neuromuskuläre Störungen bis hin zu Funktionsausfällen wie Atemlähmung und Herzstillstand. Für die Differentialdiagnostik wird die Bestimmung der Gangliosid-Autoantikörper empfohlen. So können die autoimmunen Polyneuropathien (PNP) von anderen PNP abgegrenzt werden, wie z. B. die toxische PNP, die oft in Verbindung mit toxischer Enzephalopathie (TE) auftritt. Außerdem liefern sie auch gleich therapeutischrelevante Aussagen bezüglich des Subtyps der neuropathischen Störung.

    Isoliert vorkommende Gangliosid-AAk können aufgrund der Kreuzreaktivität mit mikrobiellen Strukturen auch bei Gesunden nachweisbar sein. Die diagnostische Spezifität der Gangliosid-AAk steigt mit der Anzahl der positiv nachgewiesenen Antikörper.Daher wird im IMD immer das Antikörper-Profil mit 11 verschiedenen Gangliosiden untersucht (GM1, GM2, GM3, GM4, GD1a, GD1b, GD2, GD3, GT1a, GT1b, GQ1b).

  • Was bedeutet eine im LTT nachgewiesene Sensibilisierung auf Candida?

    Ein positives LTT-Ergebnis zeigt an, dass das T-zelluläre Immunsystem sich mit Candida auseinandersetzt.Das ist im Unterschied zu klassischen Infektionserregern wie Borrelien oder Chlamydien bis zu einem gewissen Grad normal, da eine Candidabesiedlung unserer Schleimhäute regelhaft gegeben ist.

    Entscheidend ist aber die Höhe des Stimulationsindex (SI) im LTT. Ein hoher Wert im LTT auf Candida deutet auf eine gesteigerte Darmpermeabilität hin („leaky gut“), da bei reduzierter Darmbarrierefunktion auch bei „normaler“ Candidabesiedlung im Darm eine stärkere Konfrontation des Immunsystems mit Candida stattfindet (sekundäre Candidabelastung).

    Diese Form tritt deutlich häufiger auf als eine primäre Candidabelastung (Infektion oder Nachweis pathologischer Mengen im Stuhl).Zur Differenzierung zwischen beiden Formen sollte der Zonulinspiegel im Serum als praktikabler und stabiler Marker für leaky gut herangezogen werden.Die Bestimmung von Zonulin im Stuhl kann nicht empfohlen werden.

  • Warum benötigt man für den LTT auf Borrelien immer Heparinblut, wohingegen für den CD57-Test EDTA-Blut ausreicht?

    Beim Lymphozytentransformationstest (LTT) werden Patientenzellen im Labor isoliert und anschließend mit den Borrelienantigenen stimuliert. Dieses erfordert funktionell intakte Immunzellen. Heparin ist im Gegensatz zu EDTA oder Citrat ein physiologisches Blutantikoagulanz. Es verhindert die Blutgerinnung nicht wie Citrat und EDTA, indem es den Immunzellen Calcium entzieht, sondern Heparin bindet an Antithrombin III, wodurch die Aktivität dieses körpereigenen Gerinnungshemmers 1000-fach verstärkt wird.Diese physiologische Gerinnungshemmung beeinträchtigt die Lymphozyten in der Phase zwischen Blutabnahme und Probeneingang im Labor nicht in ihrer Funktionalität.Das ist anders bei EDTA und Citrat, die den Lymphozyten das überlebenswichtige Calcium entziehen und damit viele Zellfunktionen blockieren. Das istder Grund, warum für alle immunologischen Funktionstests Heparinblut verwendet wird.Beim CD57-Test werden Natürliche Killerzellen lediglichquantifiziert. Es wird analysiert, welcher Anteil der NK-Zellen den Zellreifemarker CD57 auf der Oberfläche exprimiert. Hier ist es sogar erwünscht,dass sich der Wert nicht verändert (auf dem Transporti ns Labor). Daher ist bei allen quantitativen Zellphänotypisierungen (zelluläre Immunprofile etc.)das EDTA-antikoagulierte Blut immer das Standarduntersuchungsmaterial.

  • Welche Bedeutung haben CD57-negative Natürliche Killerzellen in der Borreliosediagnostik?

    CD57 ist eine Glucuronyltransferase und Teil der Aktivierungskaskade der Natürlichen Killerzellen (NK). Die NK-Zellen, die das Molekül CD57 auf ihrer Zelloberfläche exprimieren, sind terminal differenzierte (ausgereifte) NK-Zellen. CD57-positive NK-Zellen (CD57+NK) zeigen im Vergleich zu den NK-Zellen, die CD57 nicht exprimieren (CD57-NK), die stärkere zytotoxische Kapazität. Im Normalfall exprimieren 30-60% der im Blut zirkulierenden NK-Zellen diesen Marker, wobei der Anteil im Alter ansteigt. Patienten mit chronischer Borreliose haben gehäuft eine verminderte Zahl an CD57+ NK-Zellen pro μl Blut. Diese Verminderung ist bei Patienten mit vorherrschenden neurologischen Symptomensignifikant deutlicher im Vergleich zu Patienten mit dominierenden muskulosketalen Beschwerden. Aus den Publikationen von Stricker et al. leitet sich die Empfehlung ab, den „CD57 Status“ als Verlaufsmarker bei chronischer Borreliose zu verwenden, da nach erfolgreicher Therapie und damit einhergehenden Symptomverbesserungen der Anteil anCD57+ NK-Zellen ansteigt bzw. bei persistierender Aktivität erniedrigt bleibt. Entscheidend ist hier der individuelle Verlauf beim einzelnen Patienten, nicht der einmalig gemessene Wert! Der CD57-Wert erlaubt dagegen nicht die Diagnosestellung„Borreliose“, da erniedrigte Werte auch bei anderen Infektionen (HIV, CMV, HSV2), Tumorerkrankungen, Immundefekten und in ca. 5% auch bei Gesunden zu beobachten sind.

  • Warum empfehlen Sie bei der Borrelien-Antikörperdiagnostik bei Selbstzahlern und Privat-Versicherten, auf den ELISA Screeningtest zu verzichten und gleich den recom Bead-Test zu machen, während bei GKV-Versicherten der Immunoblot nur noch bei positivem EL

    Letzteres ist nicht unsere Empfehlung, sondern die seit 1. April 2014 gesetzlich bindende Vorgabe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Wenn die Kosten über die GKV abgerechnet werden sollen,müssen auch wir uns daran halten. Der Hintergrund ist, dass man seitens der KBV meint, dass der ELISA ein hoch sensitiver Suchtest sei und der Blot diene nur als Bestätigungstest. Leider trifft das in Wirklichkeit nicht zu. Bei etwa 5 % der Immunoblots findet man IgG- oder IgM-Antikörper trotz negativem ELISA-Suchtest. Der Blot ist also sensitiver. Man muss akzeptieren, dass man ca. 5 % der Patienten falsch negativ testet, wenn man der Vorgabe folgt.

    Für Privat-Versicherte und Selbstzahler-Patienten(IGeL) gilt diese Vorgabe nicht. Daher ist es sinnvoll,von Vornherein den sensitiveren und spezifischeren Immunoblot zu machen. Die früher verwendeten„line blots“ hatten den Nachteil, dass sie keine quantitativen Ergebnisse lieferten, sondern bei den einzelnen Banden im Laborbefund nur „positiv“oder „negativ“ angegeben wurde.

    Der recomBead-Test liefert hingegen quantitative Resultate. Titer-Vergleiche zwischen zwei Zeitpunkten sind also möglich. Der recomBead-Test erfüllt zwar alle Kriterien eines Immunoblot (Spezifität,Sensitivität, Eignung als Bestätigungstest, Kosten), ist aber methodisch ein Multiplex-ELISA,weshalb damit die Titer der Antikörper gegen die einzelnen Borrelienbanden gemessen werden können.

    Es ist also durchaus sinnvoll, von vornherein den recomBead-Test anzufordern, zumal diese Vorgehensweise sogar die Kosten in all den Fällen reduziert,in denen der ELISA positiv ausfällt. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die Vorgaben der GKV bald ändern.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 261

  • Wie ist zu erklären, dass manche Patienten trotz ungesunder, zuckerreicher Ernährung normale AGEs haben können und bei anderen trotz Diät nur eine langsame Senkung möglich ist?

    Der AGE-Blutspiegel ist von vielen Faktoren abhängig. Ein wichtiger Faktor ist dabei zum einen die Aufnahmemenge von Zucker, wobei beachtet werden muss, dass Fruktose und Galaktose sogar mehr AGEs induzieren als Glukose. Entscheidend ist aber auch, in welcher Form der jeweilige Zucker über die Nahrung zugeführt wird.

    Weizen induziert z. B. einen raschen Blutglukoseanstieg und folglich mehr AGEs im Vergleich zu anderen Getreiden. Ursächlich dafür ist der schnelle enzymatische Abbau des im Weizen enthaltenen Amylopectins A durch die Amylase. Unabhängig vom Angebot an glykieren den Zuckermolekülen wird die endogene AGE-Bildung durch oxidativen Stress deutlich gefördert. Patienten mit oxidativem Stress (erkennbar an erhöhtem MDA-LDL) haben im Durchschnitt höhere AGE-Spiegel. Antioxidative Maßnahmen stellen deshalb neben der Diät eine wichtige Therapiesäule dar.

    Ursache für unterschiedliche AGE-Spiegel sind auch individuelle genetische Konstellationen, die zu einer verstärkten endogenen Bildung, aber auch verändertem Abbau der AGEs führen. Vor allem deshalb kann die therapeutische Beeinflussung bei manchen Patienten schwieriger sein als bei anderen.

    Die intestinale Resorption von präformierten AGEsaus der Nahrung (v. a. aus gerösteten, gegrillten und frittierten Lebensmitteln) ist abhängig von der Darmpermeabilität, weshalb das „Sündigen“ unterschiedliche Auswirkungen auf den AGE-Blutspiegel bei verschiedenen Patienten hat.

    Das Erkennen und konsequente Behandeln erhöhter AGE-Spiegel ist deshalb sehr wichtig, weil erhöhte AGEs nicht nur die Gefäß- und Matrixalterung,sondern auch die Fehlfunktion zahlreicher Regulationsenzyme der antientzündlichen und antioxidativen Systeme fördern.

    Zudem stellen AGEs wegen ihrer Affinität zur Bindung an den proentzündlichen RAGE-Rezeptor auf Makrophagen einen Entzündungstrigger dar. AGEs können sogar für sich alleine ursächlich für einen erhöhten TNF-α-Spiegel im Blut sein.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 306

  • Sagen das HbA1c und die AGEs das Gleiche aus?

    Das HbA1c gehört in die Gruppe der Advanced Glycation End products (AGEs), hat aber hinsichtlich seines Anteils an den Gesamt-AGEs nur eine untergeordnete Bedeutung. Es wird als eine Art Biomarker für die langfristige Glukosebelastung bei Diabetikern empfohlen, da es speziell die Glykierung von Hämoglobin durch die Glukose aufzeigt. Das HbA1c erfasst allerdings keine glykierten Proteine und Nukleinsäuren sowie auch keine extern aufgenommenen AGEs z. B. aus gebratenem Fleisch, gebackenen Weizenprodukten oder aus Wurst.Im Gegensatz dazu erfasst der AGE-Serumspiegel sämtliche glykierte Proteine und Nukleinsäuren und zwar auch solche, die durch Fruktose und Galaktosemodifiziert (glykiert) wurden. Mittlerweile ist es unbestritten, dass Fruktose den Glykationsprozess sogar noch stärker induzieren kann als die Glukose und dass sowohl Lipidperoxidation wie auch Glukoseoxidation auf diesen Weg über die Dicarbonylderivate sogar den größeren Einfluss auf die AGE-Entstehung haben.Somit ist das HbA1c nach wie vor ein wichtiger Standardmarker,um beim Diabetiker indirekt Auskunft über den Blutglukosespiegel der letzten Wochen zuerhalten, während die AGEs eine weitergreifende Aussage ermöglichen. Sie sind ein Marker für die endogene und exogene Gesamtbelastung mit Glykationsprodukten und dementsprechend auch eher für die Diätüberwachung geeignet.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 306

  • Was sind AGEs und wie werden sie gebildet?

    Advanced Glycation Endproducts (AGEs) sind Proteine, Lipide und Nukleinsäuren, die durch Kohlenhydrate (Glukose, Fruktose) irreversibel verklebt sind (glykiert). Im Organismus hemmen sie Zell- und Enzymfunktionen, fördern die Zell- und Gewebealterung,wirken proentzündlich und prooxidativ.

    Die im Blut messbaren AGEs setzen sich aus den endogen gebildeten und den mit der Nahrung aufgenommenen AGEs zusammen. Die endogene Bildung wird durch ein erhöhtes Angebot an Blutzuckerinitiiert. Die Lebensmittel, die den Blutzuckeram stärksten erhöhen, zeigen auch die stärkste AGE-Bildung (transiente Hyperglykämien).

    Auch Getreide, und hier insbesondere der Weizen, ist als starker AGE-Bildner bekannt. Das Amylopectin Ades Weizens wird durch die Amylase am schnellsten"verdaut", was zu einem sehr schnellen Anstieg der Blutglukose führt. Unabhängig vom Angebot anglykierenden Zuckermolekülen wird die endogene AGE-Formation durch oxidativen Stress und chronische Entzündung deutlich gefördert.

    AGEs können aber nicht nur endogen im Organismus entstehen, sondern auch schon fertig formiert über die Nahrung aufgenommen werden.Der AGE-Gehalt von Lebensmitteln ist sehr unterschiedlich.Fleisch, Wurst, Schinken, aber auch Käse enthalten viel AGEs. Vor allem Grillen, Braten und Frittieren sowie langes Kochen können den AGE-Gehalt um ein Vielfaches erhöhen. Allgemein sind die Lebensmittel AGE-reicher, die viele gesättigte Fettsäuren enthalten.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 306

  • Gibt es spezifische Marker für die Weizensensitivität?

    Eine Weizenunverträglichkeit kann durch die Autoimmunerkrankung Zöliakie bedingt sein. Dabei wird durch das im Weizen vorkommende Gluten eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut hervorgerufen. Der Nachweis von Autoantikörpern gegen Transglutaminase und gegen Endomysium im Serum ermöglicht die Diagnostik einer aktiven Zöliakie. Bei unklaren serologischen Befunden, oder Patienten, die bereits eine glutenfreie Diät eingehalten haben, ist die Untersuchung auf die HLA-Merkmale DQ2, DQ7 und DQ8 wertvoll. Nur Träger mindestens eines dieser HLA-Merkmale können eine Zöliakie entwickeln, ein fehlender Nachweis dieser Merkmale schließt eine Zöliakie daher sicher aus.

    Als weitere Ursache für eine Weizen-Unverträglichkeit kommen Allergien in Betracht.Die Sensibilisierung kann auf der Bildung vonIgE-Antikörpern (Typ I-Allergie) oder spezifischen Lymphozyten (Typ IV-Allergie) beruhen.Zum Ausschluss von Typ I-Allergien auf Weizen empfiehlt sich die Untersuchung auf allergenspezifisches IgE gegen Weizen (f4), Gliadin (f98)und Gluten (f79). Treten nach körperlicher Belastungund anschließendem Genuss von Weizenprodukten Symptome auf, sollte an die selten vorkommende „Weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (WDEIA)“ gedacht werden. Die Diagnostik erfolgt hier durch die Bestimmung des IgE gegen ω5-Gliadin (f416).

    Bei Verdacht auf eine Typ IV-Sensibilisierung auf Weizen empfiehlt sich der LTT auf Weizen und Gluten.Sowohl den Weizen-Allergien als auch der Zöliakie liegen klare Pathomechanismen zugrunde,weshalb spezifische Laborparameter wie Autoantikörper, IgE-Antikörper oder der Nachweis spezifischer T-Zellen zur Verfügung stehen. Heute weiß man, dass Weizen aber auch das unspezifische Immunsystem aktivieren kann. Bei dieser sogenannten Weizensensitivität stehen bisher keine(Weizen)-spezifischen Messparameter zur Verfügung.Somit gilt nach derzeitigem Stand eine„Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie - Weizensensitivität“als wahrscheinlich, wenn Weizen-Allergien und eine Zöliakie sicher ausgeschlossen sind, sowie wenn sich nach Weizen-Elimination die Symptome bessern und nach Weizenprovokation wieder auftreten.

  • Ist es egal, ob ich zur Abschätzung der gestörten Darmpermeabilität das Zonulin im Stuhl oder im Blut bestimme?

    Nein, das ist nicht egal. Das Zonulin im Blut bzw. Serum ist besser geeignet, wenn man beim Patienten "leaky gut" untersuchen möchte.Die bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Reizdarm sowie gesunden Probanden erhobene Blut- und Stuhlergebnisse sind nicht identisch bzw. zeigten oft nicht einmal tendenziell eine direkte Beziehung zueinander.

    Lediglich in einer Subgruppe von Patienten mit akut exazerbiertem Morbus Crohn konnten wir bei erhöhten Blutwerten auch gleichzeitig hohe Zonulinspiegel im Stuhl messen. Bei allen anderen Patienten mit gastrointestinalen Erkrankungen und Gesunden zeigte sich in unseren Vergleichsanalysen keine Korrelation.

    Wie ist das zu erklären? Die wichtigste Ursache ist, dass das Zonulin, was im Stuhl messbar ist, vor allem aus dem Dickdarm herrührt. Das im Dünndarm in das Darmlumen abgegebene Eiweiß Zonulin wird durch intestinale und mikrobielle Proteasen noch während der Darmpassage abgebaut.

    Im Blut wird Zonulin dagegen kaum degradiert. Der Blutwert erlaubt deshalb auch eine Aussage über höher liegende Darmabschnitte (Duodenum,Dünndarm). Die Zonulinwerte im Blut passen daherauch meist besser zu den aktuellen klinischen Beschwerden (Reizdarm, Schmerzen, Entzündung)und den messbaren Sekundärfolgen eines leaky gut(Mineralstoffmangel, Aufnahme toxischer Metalle),da der Dünndarm für die Verdauung und Resorption von Nährstoffen, aber auch toxischen Substanzen,wegen seiner größeren Fläche und der direkten Anbindung an das hepatische Pfortadersystem bedeutender als der Dickdarm ist.

    Aus den genannten Gründen bietet das IMD die Zonulin-Bestimmung im Stuhl nicht mehr an, sondern nur noch im Blut (Serum).

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 275

  • Beeinflusst die therapeutische Gabe von Antihistaminika die Ergebnisse des Basophilen-Degranulationstests (BDT)?

    Nein, da Antihistaminika als Histaminrezeptorenblocker lediglich die Wirkung des Histamins an deren Zielzellen blockieren, nicht aber die Aktivierung oder die Funktionalität der Mastzellen und basophilen Granulozyten. Im Falle einer vorliegenden Typ I Sensibilisierung lässt sich im Labor auch unter Antihistaminika die allergeninduzierte Histamin-aber auch Leukotrienfreisetzung problemlos bestimmen. Eine mögliche Einschränkung der Auswertbarkeit können dagegen Mastzellstabilisatoren (Cromoglicinsäure, Nedocromilnatrium) haben. Diese sollten wenn möglich 7 Tage vor der Blutentnahmeabgesetzt werden. Antihistaminika haben übrigens aus dem oben genannten Grund auch keinen Einfluss auf den Histaminspiegel im Blut, Mastzellstabilisatoren dagegen schon.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 122

  • Welche Rolle spielt der Parameter "Methylhistamin im Urin" zum Nachweis der Mastzell-assoziierten Entzündung?

    Er spielt in der Praxis keine wichtige Rolle. Methylhistamin im Sammelurin wird gern im Rahmen von Provokationstests gemessen, um den Anfall von Histamin im Organismus zu objektivieren. Bei aufwändigen und nicht ungefährlichen Provokationstests z. B. auf Medikamente oder Nahrungsmittel verlässt man sich ungern allein auf subjektive Angaben des Patienten.

    Wo das Methylhistamin herkommt, ist aus der Graphik zu entnehmen. Es kommt nicht aus dem Abbau über die Diaminooxidase (DAO), sondern aus dem zweiten Abbauweg, nämlich der Histamin-N-Methyltransferase (HNMT, rechte Seite).

    Da ca. 8 % der Bevölkerung einen HNMT-Mangel haben, könnte bei diesen der Parameter Methylhistamin im Urin im Rahmen von Provokationstests ohnehin unbrauchbar sein. Methylhistamin im Urin wird zudem manchmal an Stelle des Histamins im (Heparin)Blut empfohlen, z. B. bei Verdacht auf Mastzellaktivierungssyndrom oder auch Mastzell-assoziierter Entzündung. Das ist aber kritisch zu sehen. Der Parameter ist (ganz abgesehen von den o.g. 8 % mit HNMT-Mangel) zu wenig sensitiv für diese Fragestellung. Sogar bei Allergikern mit deutlichen Symptomen kommen erhöhte Werte selten vor.

    Das liegt zum einen daran, dass die korrekte Präanalytik oft nicht eingehalten wird. Der Urin muss über 24 h, mindestens aber 12 h gesammelt werden, da Methylhistamin über die Niere nicht konstant ausgeschieden wird. Zum zweiten (gut erkennbar in der Graphik) wird Methylhistamin weiter zu N-Methyl-Imidazolessigsäure abgebaut und dieses weiter in zahlreiche andere Substanzen. Darum muss der Urin über Salzsäure gesammelt werden. Wenn das nicht ordnungsgemäß erfolgt, resultieren (falsch) normale Werte.

    Insgesamt hat sich zum Nachweis der Mastzellassoziierten Entzündung (auch bei Mastzellaktivierungssyndrom) die Bestimmung von Histamin im Heparinblut als der sensitivste und sicherste Labormarker erwiesen. Bei Verdacht auf ein Mastzellaktivierungssyndrom sollten zusätzlich Tryptase, TGF-β, Serotonin und Leukotriene im Urin bestimmt werden, da Histamin nicht der einzige symptomauslösende Mastzellaktivierungsmarker ist.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 118

  • Warum wird bei Histaminintoleranz (HIT) die Bestimmung von Kupfer empfohlen?

    Diese Empfehlung betrifft vor allem die sekundäre HIT. Diese ist definiert durch eine verminderte DAO-Aktivität trotz unauffälliger DAO-Genetik. Kupfer ist essentiell für die Funktion des histaminabbauenden Enzyms Diaminooxidase (DAO), da es als Zentralatom das aktive Zentrum des Enzyms stabilisiert. Somit kann ein Mangel an Kupfer die DAO-Aktivität herabsetzen (funktioneller DAO-Mangel) und verantwortlich für einen Histaminanstieg oder eine prolongierte Histaminwirkung sein.

    Die Kontrolle der Kupferversorgung erfolgt über die Vollblutmineralanalyse (EDTA-Blut). Der Serumspiegel

    ist nicht aussagekräftig, da bei Entzündungserkrankungen jeglicher Art durch Anstieg des Kupfertransportproteins Coeruloplasmin falsch erhöhte Werte trotz bestehendem Kupfermangels gemessen werden.

    Wichtig: Im Unterschied zu einem genetisch bedingten DAO-Mangel ist ein funktioneller DAO-Mangel nur zu erfassen, wenn auch tatsächlich die DAO-Aktivität bestimmt wird. Leider wird in Folge der Kostenreduzierung von immer mehr Laboren nur noch die Mengenbestimmung der DAO mittels ELISA angeboten. Damit wird der funktionelle DAO-Mangel z. B. bedingt durch Kupfermangel, nicht erfasst.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 118

  • Wie wird im IMD Berlin die Diaminooxidase (DAO) gemessen - als Enzymmenge oder als Aktivität?

    Diese Frage haben wir vielfach gestellt bekommen. Der Grund ist eine weitreichende Verunsicherung, die dadurch bedingt ist, dass eine Reihe von Laboren in Deutschland einen seit 2014 verfügbaren, sehr einfach durchzuführenden DAO-ELISA-Test neu eingeführt haben.

    Wir führen im IMD weiterhin den aufwändigeren DAO-Aktivitätstest (DAO-REA® der Firma Sciotec) durch.

    Im Vergleich zur reinen Enzymmengenbestimmung mittels ELISA misst der DAO-Aktivitätstest die AKTIVITÄT der DAO anhand des Abbaus des Histaminanalogons Putrescin und erfasst deshalb nicht nur den genetisch bedingten DAO-Mengendefekt (primärer DAO-Mangel), sondern auch die gestörte DAO-Enzymfunktion (sekundärer DAO-Mangel).

    Letztere ist für ca. 50 % der DAO-Funktionsverluste verantwortlich, so z. B. für alle sekundären Histaminintoleranzen durch Medikamentenblockaden, durch Kupfermangel oder Vitamin B6-Defizite. Mit dem DAO-ELISA-Test werden dagegen nur die primären (genetisch bedingten) Mangelzustände erfasst.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 118

  • Was unterscheidet die Histaminintoleranz vom Mastzellaktivierungssyndrom? Wie erfolgt die Labordiagnostik?

    Beide Erkrankungen beruhen im wesentlichen auf einem Missverhältnis zwischen wirksamem Histamin im Organismus und dem Histaminabbau. Die Folge ist bei beiden Erkrankungen eine verstärkte Wirkung des Entzündungsmediators Histamin an den Histaminrezeptoren 1 bis 4. Symptome sind u. a. anfallsweise Fatigue, Flush, Diarrhoe, Übelkeit, Kopfschmerzen, Hitzegefühl und Asthma. Des Weiteren können aber auch Ekzeme, Rhinitis, Urtikaria, Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und Colitis auftreten.

    Von einer Histaminintoleranz (HIT) spricht man, wenn für die verstärkte und verlängerte Histaminwirkung der gestörte Histaminabbau verantwortlich ist. Die HIT sollte man nicht zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten zählen, weil auch endogen gebildetes Histamin (z. B. bei Typ I-Allergikern oder Parasitosen) zur Histaminbelastung des Organismus beiträgt. Im Gegensatz zur HIT liegt beim Mastzellaktivierungssyndrom (MAS) die verstärkte Freisetzung von Mastzellmediatoren daran, dass die Mastzellen eines Patienten zu leicht unspezifisch aktivierbar sind und schon bei geringen Reizen Histamin und andere Mastzellmediatoren freisetzen.

    Die Labordiagnostik bei HIT erfolgt über die Bestimmung der Aktivität des histaminabbauenden Enzyms Diaminooxidase. Parallel wird Histamin im Heparin-Vollblut bestimmt. Bei Verdacht auf MAS ist die DAO meist normal oder sogar erhöht (weil das Enzym durch permanent erhöhtes Histamin induziert wird). Labordiagnostische Marker für das MAS sind neben dem erhöhten Histamin, erhöhte Werte für ECP, Tryptase oder TGF-β sowie für die Leukotriene C4, D4 und E4 im Urin.

  • Gibt es eine preiswerte Möglichkeit, die Immunkompetenz im Therapieverlauf zu untersuchen, ohne jedes Mal einen LTT-Immunfunktion machen zu müssen?

    Ja, im Rahmen des Immunmonitorings kann durch Messung von TGF-β im Serum in Kombination mit der Quantifizierung der regulatorischen T-Zellen (Treg) im Blut darauf geschlossen werden, ob durch die Therapie die Effektorzellantwort der T-Lymphozyten tatsächlich gestärkt wird (Abfall von TGF-β- und/oder der Treg-Zellen im Verlauf) oder ob der Therapieeffekt „stagniert“.

    Im letztgenannten Fall d. h. bei Anstieg von TGF-β und der Zahl der Treg-Zellen ist eine Modifikation der immunstimulierenden Therapie anzuraten (Präparatewechsel). Die gute Aussagekraft von TGF-β leitet sich daraus ab, dass dieses Zytokin ein wichtiges Effektorzellzytokin der Treg-Zellen ist.

    Im Gegensatz zu IL-10, (welches von Treg, TH2-Lymphozyten und Monozyten sezerniert wird) wird TGF-β von anderen Blutzellen allenfalls in sehr geringen Mengen freigesetzt.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 239, 276

  • Führt das IMD auch die Lipid-korrigierte Messung von Coenzym Q10 durch?

    Die Korrektur erfolgt nicht routinemäßig, kann aber auf Wunsch durchgeführt werden. Coenzym Q10 kann mit praktikablen Laborverfahren nur im Serum und nicht intrazellulär bestimmt werden. Üblicherweise findet sich aber eine gute Korrelation zwischen Q10 im Serum und den intrazellulären Spiegeln.

    Coenzym Q10 bindet sich im Blut an Cholesterin. Deutlich erhöhte Cholesterinwerte können somit eine normale Coenzym Q10-Versorgung vortäuschen, da dann der Serum-Q10-Wert nicht zwingend mehr den intrazellulären Gehalt widerspiegelt. Deshalb wird von einigen Laboren die Korrektur an Hand des Cholesterinwertes als „unbedingt notwendig“ beworben. Wir empfehlen die Berichtigung dieses Phänomens auch, allerdings nur bei Cholesterinwerten über 350 mg/dl. Bei der zu Grunde liegenden Berechnungsformel kann erst bei Cholesterinwerten > 350 mg/dl oder höher ein grenzwertig normaler Coenzym Q10-Wert auch zu einem pathologischen Lipid-korrigierten Q10-Quotient von < 0,2 führen. Bei normalen Cholesterinspiegeln oder auch therapeutisch normalisierten Werten (z. B. unter Statintherapie) kann die Korrektur sogar fälschlich eine gute Q10-Versorgung vortäuschen. Dieses ist gerade deshalb fatal, weil die Gabe von Statinen nicht nur die Cholesterin-, sondern auch die Coenzym Q10-Synthese hemmt. 

    Sollten Sie die Lipid-Korrektur der Coenzym Q10-Werte ihrer Patienten auf dem Befund wünschen, vermerken Sie dieses bitte auf dem Anforderungsschein. Andernfalls haben Sie auf unserer Homepage auch die Möglichkeit, in Kenntnis des Coenzym Q10-Wertes die Lipidkorrektur selbst vorzunehmen, z. B. anhand der in Ihrem Hauslabor ermittelten Cholesterinwerte. Die entsprechenden Umrechnungsformeln und eine Umrechnungshilfe finden Sie hier.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 300

  • Warum bestimmt das IMD Homocystein aus Serum und nicht wie andere Labore aus Spezialröhrchen (saures Citratblut)?

    Für alle Einsendungen innerhalb von Berlin (d. h. bei denen wir die Proben innerhalb von 6 h im Labor verarbeiten)verwenden auch wir die Spezialröhrchen mit saurem Citrat als Antikoagulanz. Wenn das Blut aber länger als 6h zu uns unterwegs ist (d. h. immer wenn die Proben über Nacht per Kurier zu uns kommen), sind diese Spezialröhrchen keine Hilfe.Auch in diesem Blutröhrchen beginnt nach ca. 6h die Hämolyse von Erythozyten, weshalb es zum artifiziellen Anstieg von Homocystein kommt, welches aus Erythrozyten freigesetzt wird. Das bedeutet,dass Blutproben, die länger als 6h gelagert werden,unabhängig vom verwendeten Röhrchen in jedem Fall innerhalb weniger Stunden nach Blutabnahme zentrifugiert werden müssen und das Plasma/Serum in ein neues Röhrchen übernommen werden muss.Wenn das korrekt erfolgt, sind die Homocysteinwerte für beide Röhrchen identisch. Erfolgt die Zentrifugation aber nicht, messen wir am Folgetag aus beiden Röhrchen falsch hohe Werte.Um nicht erst den Eindruck zu vermitteln, dass man mit dem Spezialröhrchen vielleicht doch auch ohne Zentrifugation einigermaßen korrekte Werte erhält,verzichten wir bei Übernacht-Einsendungen zur Sicherung einer verlässlichen Präanalytik von vornherein auf diese Spezialröhrchen und führen die Analyse bei Übernachteinsendungen nur aus zentrifugiertem und korrekt vom Blutkuchen getrenntem Serum oder Plasma durch. Falsche niedrige Werte durch die Lagerung sind im übrigen nicht zu erwarten, da Homocystein sehr stabil ist.

  • Warum wird die Vollblutanalyse der Spurenelemente in Ihrem Labor ? nicht auf den Hämatokrit bezogen?

    Die Vollblutmineralanalyse untersucht den Versorgungsstatus des Patienten mit essentiellen Spurenelementen. Diese Mineralstoffspiegel werden sinnvollerweise im Gesamt-Vollblut bestimmt, d. h. es werden die intra- und extrazellulären Spurenelemente erfasst. Eine "Normalisierung" auf den Hämatokrit findet dabei am IMD Berlin bewusst nicht automatisch statt, sondern nur auf besonderen Wunsch.

    Strikt gegen die Hämatokritkorrektur spricht aus unserer Sicht die Gefahr, dass ein Mineralstoffmangel bei verminderten Erythrozytenzahlen im Blut (v. a. bei Anämie) unerkannt bleiben könnte. Außerdem sind viele Spurenelemente - wie z. B. Selen und Kupfer - intra- und extrazellulär lokalisiert und ihre Verteilung differiert von Patient zu Patient.

    Die „Normalisierung“ der Werte anhand des Hämatokritwertes würde hier das Ergebnis verfälschen und einen Mangel möglicherweise „kaschieren“ (siehe Beispielbefund unten). Daher haben wir uns für die herkömmliche Angabe der Blutspiegel in μg/L bzw mg/L entschieden, wenn es um die Beurteilung des Versorgungsstatus mit Mineralstoffen geht.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 298

  • Worin besteht der Unterschied zwischen der intrazellulären Analyse der B-Vitamine und der Analyse B-Vitamin-Bioaktivität?

    Bei der intrazellulären Analyse der Vitamine B1, -B2 und -B6 wird mittels HPLC die Stoffmenge der Vitamine bestimmt. Es ist dieselbe HPLC-Analyse wie bei der herkömmlichen Vitaminanalytik im Blut, nur dass hier vor der Analyse das Serum abgetrennt wird und nur der Blutkuchen in den Test eingeht. Somit werden die B-Vitaminspiegel in Erythrozyten und geringerem Umfang in Leukozyten bestimmt.

    Bei der Analyse Vitamin B1, B2 und B6 Bioaktivität (ID-Vit®-Test) wird die Aktivität der Vitamine bestimmt. Dazu werden alle Zellen der Blutprobe lysiert und in eine Mikrotiterplatte gegeben, die mit vitaminsensitiven Mikroorganismen beschichtet sind. Das für jedes Vitamin individuell zusammengesetzte Medium enthält alle für ein Wachstum der Mikroorganismen notwendigen Bestandteile mit Ausnahme des jeweils zu messenden Vitamins. Nach Zugabe des Patientenblutes wachsen die Mikroorganismen solange, bis das Vitamin aufgebraucht ist. Die Menge an bioaktivem Vitamin des Patienten ist dabei direkt proportional zum Wachstum der Mikroorganismen.

    Die Indikationsstellung einer Vitamin-Substitution und die Erfolgskontrolle sollte sich an der Bioaktivität ausrichten und nicht am Substanzspiegel. Der Vorteil der Aktivitätsmessung überwiegt gegenüber dem Fakt, dass hier neben dem zellulären (v. a. erythrozytären) Anteil auch der geringe Gehalt des Serums eingeht.

    Der einzige tatsächliche Nachteil der Bioaktivitätsanalyse ist, dass der ID-Vit®-Test aufgrund seiner höheren Kosten keine GKV-Kassenleistung ist und als IGeL-Leistung abgerechnet wird (Kosten 33,22 € je Vitamin). Für Privatpatienten sind die Kosten pro Vitamin aber immer identisch, da die Abrechnungsziffern nicht zwischen Serum, intrazellulärer oder Bioaktivitätsmessung unterscheiden.

  • Wie erfolgt die Messung der Bioaktivität von Vitaminen im Labor?

    Die am häufigsten angewandte Methode für den Nachweis des Vitaminenspiegels ist die Mengenbestimmung mittels chromatographischer Analyseverfahren (u. a. HPLC). Dieses kann im Serum, EDTA-Plasma oder auch intrazellulär erfolgen (im Blutkuchen nach Abtrennung flüssiger Blutbestandteile). Dieses quantitative Verfahren differenziert jedoch nicht zwischen aktiven und inaktiven Vitaminmetaboliten.

    Die Blutproben für die Bestimmung der Vitaminaktivität (ID-Vit®) werden enzymatisch vorbehandelt und verdünnt in eine Mikrotiterplatte gegeben, die je nach Vitamin mit vitaminsensitiven Lactobacillus fermentum, Lactobacillus rhamnosus bzw. Saccharomyces cerevisiae beschichtet sind. Das für jedes Vitamin individuell zusammengesetzte Medium enthält alle für ein Bakterien-/ Hefenwachstum notwendigen Bestandteile mit Ausnahme des jeweils zu messenden Vitamins. Nach Zugabe des Patientenblutes wächst die Bakterien-/ Hefekultur solange, bis das (aktive) Vitamin aufgebraucht ist. Das Wachstum der Mikroorganismen wird nach 72 h als Trübung photometrisch gemessen und mit einer Standard Konzentrationsreihe verglichen. Die Menge an bioaktivem Vitamin im zugegebenen Patientenblut ist dabei direkt proportional zum Bakterien-/ Hefewachstum.

  • Bei welchen Vitaminen ist die Bestimmung der Vitaminaktivität der bisher üblichen Messung der Vitaminmenge vorzuziehen?

    Wir führen die Vitaminbestimmung mit der Bioaktivitätsmethode bei den Vitaminen B1, -B2, -B6 und –B12 sowie bei der Folsäure durch.

    Es ist allgemein sinnvoll bei Vitaminen, wo die Vitaminzufuhr einschließlich der therapeutischen Substitution mit Prä-Vitaminen (pro drugs) erfolgt, die von körpereigenen Enzymen erst noch aktiviert werden müssen.

    Es betrifft aber auch die Vitamine, die im Blut als unterschiedliche vitaminwirksame Derivate vorliegen. Zum Beispiel stellt Vitamin B6 einen Mix aus 6 interkonvertiblen Substanzen dar, namentlich Pyridoxal (PL), 1-Pyridoxin (PN), Pyridoxamin (PM), Pyridoxal-5-phosphat (PLP), 1-Pyridoxin-5-Phosphat (PNP) und Pyridoxamin-5-Phosphat (PMP) sowie das Endprodukt des Vitamin-B-Metabolismus 4-Pyridoxalsäure. Allgemein anerkannt ist, dass Pyridoxal-5-phosphat der wirksamste Bestandteil ist, wobei für den Vitamineffekt aber auch die Verhältnisse der einzelnen Metabolite entscheidend sind.

    Insgesamt empfehlen wir, wenn es um die „Versorgungssituation“ bei Patienten mit chronischen Entzündungen geht, den Bioaktivitätstest zu wählen und sich bei der Substitution hinsichtlich Dosis und Präparateauswahl an den Aktivitätswerten zu orientieren.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 307

  • Welches Untersuchungsmaterial eignet sich zur Messung der Jodversorgung?

    Grundsätzlich ist die Analyse sowohl aus Spontanurin, 24-Stunden-Sammelurin als auch aus Serum und EDTA-Blut gleichermaßen möglich. Es bestehen jedoch Unterschiede in der Aussagekraft zwischen den Materialien:

    • Wir empfehlen zur Messung der aktuellen Jodversorgung die Analyse von Spontanurin oder 24-Stunden-Urin. Aufgrund der simplen Probengewinnung wird in der Praxis häufig Spontanurin bevorzugt. Dennoch liefert die Analyse von 24-Stunden-Urin ein exakteres Ergebnis, weil Schwankungen im Tagesverlauf ausgeglichen werden.

    • Die Serumanalyse hingegen zeigt die Menge an im Blutkreislauf zirkulierendem Jod an. In den Messwert fließt auch das an Schilddrüsenhormone gebundene Jod ein. Der Serumspiegel wird daher durch Veränderungen des Schilddrüsenstoffwechsels mit beeinflusst. Anders als bei Mineralstoffen bietet die Messung von Jod im EDTA-Vollblut keinen Vorteil gegenüber der Serumanalyse. Im EDTA- wie im Heparin Vollblut sind regelmäßig niedrigere Spiegel zu finden.

    Darüber hinaus ist die Jodbestimmung im Rahmen des „Jodsättigungstests nach Dr. Abraham“ möglich. Hier wird die Sättigung von Organen/Gewebe mit Jod untersucht. Nach Gabe einer hohen Dosis

    Jod wird die Ausscheidung im 24-Stunden-Urin gemessen. Nach Dr. Abraham ist eine Jodsättigung des Gewebes erreicht, wenn mindestens 90 % der Zufuhr wieder ausgeschieden werden. Die bei diesem Test verabreichte Dosis überschreitet i. d. R. bei weitem die Menge, die schulmedizinisch als sichere Tagesdosis angesehen wird. Ob der Jodsättigungstest bei einem Patienten durchgeführt werden soll, erfordert daher eine sorgfältige klinische Evaluation durch den behandelnden Arzt.

  • Warum wird reduziertes Glutathion (GSH) im IMD Berlin in Monozyten, T-Lymphozyten und Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) bestimmt und nicht wie in anderen Laboren in Gesamtleukozyten?

    Die getrennte Bestimmung in Monozyten und Lymphozyten erlaubt eine Aussage darüber, ob ein Glutathionmangel durch verstärkten Verbrauch bedingt ist oder durch einen Mangel an „Rohstoffen“ für die Gluathionssynthese, insbesondere Cystein.

    Monozyten zirkulieren nach Übergang aus dem Knochenmark nur 24 h im Blut, gehen dann ins Gewebe und kommen nicht zurück ins Blut. Ein niedriges GSH in Monozyten zeugt somit von einem primären Mangel an Cystein oder (selten) einem GSH-Synthesedefekt.

    Lymphozyten rezirkulieren zwischen Gewebe und Blut. Insofern spiegelt das GSH in Lymphozyten eher den „Verbrauch“ im Gewebe wieder bzw. die reduzierte Regeneration. 

    In der Praxis zeigt also ein vermindertes GSH in Lymphozyten bei normalem Monozytenwert, dass das GSH sekundär aufgrund einer Immunaktivierung oder verstärkten prooxidativen Belastung reduziert ist. In diesem Fall wäre eine Glutathion- oder ACC-Substitution allein wenig erfolgversprechend, sondern sie sollte von einer antientzündlichen und/oder antioxidativen Therapie begleitet sein.

    Die zusätzliche Bestimmung in NK-Zellen begründet sich durch die essentielle Rolle der NK-Zellen im Rahmen der Tumorimmunität. Heparinblut wird von uns dem EDTA-Blut vorgezogen, weil Heparin ein physiologisches Antikoagulanz ist. EDTA entzieht als Chelatbildner dagegen den Zellen Calcium (und andere Spurenelemente). Ein Calciummangel während des Bluttransportes ins Labor kann für einen artifiziellen GSH-Mangel und somit falsch niedrige Werte verantwortlich sein.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 163

  • Mit welchen Laboranalysen kann man oxidativen Stress nachweisen?

    Malondialdehyd (MDA) ist das Endprodukt des oxidativen Fettsäureabbaus (Lipidperoxidation). Die Bestimmung von MDA im Urin oder Blut ist allerdings nicht praktikabel, da die biologischen zeitlichen Schwankungen groß sind und wegen der geringen Stabilität ein Transport der Patientenprobe ins Laborin gefrorenem Zustand erfolgen müsste. In der Praxis hat sich aufgrund der unkomplizierten Präanalytik und der geringen biologischen Schwankungen das Malondialdehyd-modifizierte LDL (MDA-LDL) etabliert. Dabei handelt es sichum das Blutfettmolekül LDL, welches in Folge des „Einwirkens“ von Malondialdehyd oxidiert wird. MDA-LDL ist somit ein stabiler und verlässlicher Biomarker des oxidativen Stress. Ähnlich wie z. B. in der Diabetologie das HbA1c als Biomarker der Blutglukosepräsenz über einen Zeitraum von meheren Wochen dient, trifft man mit dem MDA-LDL eine Aussage über den im Organismus durchschnittlich über diesen Zeitraum aufgetretenen oxidativen Stress.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.:259

  • Was ist der Unterschied zwischen oxidativem und nitrosativem Stress?

    Unter oxidativem Stress versteht man ein gestörtes Gleichgewicht zwischen der Bildung freier Sauerstoffradikale (reactive oxygen species, ROS) und deren Abbau (Neutralisation) durch verschiedene Schutzsubstanzen wie zum Beispiel Antioxidantien. Freie Sauerstoffradikale entstehen nicht nur beim lebensnotwendigen Atmungs- und Verbrennungsprozess, sondern sie werden auch durch äußere Einflüsse wie Rauchen, UV-Licht, Ozon, Umweltschadstoffe und Medikamente induziert.

    Neben den freien Sauerstoffradikalen können unter oxidierenden Bedingungen auch Stickstoffmonoxid- Radikale (NO*) entstehen, von denen sich das sehr reaktive Peroxinitrit ableitet. „Spender“ des Stickstoffes (N) ist vor allem die Aminosäure Arginin. Man spricht dann von „nitrosativem Stress“. Da das hoch reaktive Peroxynitrit die Aminosäure Tyrosin zu Nitrotyrosin nitriliert, dient Nitrotyrosin als Biomarker des nitrosativen Stress.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 138

  • Warum macht das IMD Berlin keinen ATP- Belastungstest?

    Die Analyse ATP-intrazellulär macht eine Aussage über die tatsächliche Funktion der Mitochondrien zum Zeitpunkt der Blutabnahme. Diese wird beeinflusst durch Entzündungsmediatoren, durch oxidative oder nitrosative Belastung (z. B. Peroxynitrit) sowie durch die Genetik, die Versorgung mit Spurenelementen, NADH, Coenzym Q10 u. a. Der ATPBelastungstest untersucht hingegen die Widerstandsfähigkeit der Mitochondrien im Fall einer Belastung. Diese Frage ist zwar interessant, labordiagnostisch aber kaum zu realisieren. Reproduzierbare Werte können nur innerhalb von zwei Stunden nach Blutentnahme gemessen werden, danach überwiegen präanalytisch bedingte Artefakte.

    Wie die Abbildung zeigt, wäre hier auch nicht zu unterscheiden, ob das Agens direkt auf die Mitochondrien wirkt oder über die Aktivierung von NFκB. Zusätzlich stellt sich die Frage, womit eine „Belastung“ im Labortest adäquat imitiert werden kann. Der zelluläre Stress einer chronischen Entzündung oder einer multiplen Schadstoffbelastung ist sehr komplex und lässt sich nicht durch einzelne Komponenten wie z. B. das häufig genutzte Thiomersal nachahmen. Thiomersal (Ethylquecksilber) als Hemmsubstanz wurde aus der Studie von Sarah Myhill mit CFS-Patienten (Int J Clin Exp Med. 2009) übernommen, wo es aber nur Modellcharakter hatte. Unwahrscheinlich ist auch, dass die Resistenz der Mitochondrien bei jeder Art von „Belastung“ durch dieselben Schutzmechanismen aufrecht erhalten wird. Um den tatsächlichen Reiz der chronischen Entzündung nachzuvollziehen, wäre es praxisrelevanter, TNF-α und IL-1 (oder einen ganzen Cocktail von Entzündungsmediatoren) als Hemmittel einzusetzen oder aber Peroxidradikale. Hier sind aber noch aufwändige Studien nötig, um mit einem präanalytisch machbaren Labortest therapierelevante Ergebnisse zu erhalten.

    Bei der Betreuung von Leistungssportlern hat es sich bewährt, dass ATP-intrazellulär vor und nach z. B. Ergometerbelastung zu messen. Das erfordert zwar zwei Blutabnahmen, erfasst aber eine tatsächlich relevante Belastung. Möglicherweise lässt sich das zukünftig zur Beurteilung der mitochondrialen Stressresistenz so oder ähnlich auch für andere Patientengruppen anwenden, was aber Standards erfordern wird.

  • Warum führt das IMD den IL-33-Hemmtest nicht durch?

    Mit Hemmtesten lässt sich die in vitro-Wirksamkeit von Immunmodulatoren auf die Freisetzung von bestimmten Entzündungszytokinen erfassen. Gut etabliert ist der TNF-α-Hemmtest, weil TNF-α am Beginn der Entzündungskaskade von Monozyten steht.

    Daher lässt sich anhand des modulierten TNF-α-Spiegels unmittelbar auf die NFκB-Aktivierung der Monozyten schließen. Auch der Hemmtest für das TH2-Zytokin IL-4 ist aussagefähig, weil TH2-Lymphozyten im Blut permanent rezirkulieren.

    IL-33 dagegen ist zwar in der Tat ein interessantes proentzündliches Zytokin, es eignet sich aber nicht für in vitro Hemmteste. Der Grund ist, dass IL-33 nicht oder kaum von Blutzellen sezerniert wird, sondern von Fibroblasten der Haut, Epithel- und Endothelzellen, Astrozyten im ZNS und in geringem Ausmaß auch von Promonozyten des Knochenmarkes.

    Die in einer dem Patienten entnommenen Blutprobe vorhandenen Monozyten und T-Lymphozyten sezernieren IL-33 gar nicht oder nur in geringstem Ausmaß. T-Lymphozyten sind lediglich die Zielzellen von IL-33, wo es die TH2-Prägung verstärkt.

    Insofern kommen wir für die Labortestung an die Zellen, die IL-33 tatsächlich sezernieren, gar nicht heran, weshalb Hemmteste, die mit peripherem Blut durchgeführt werden, für IL-33 nicht aussagefähig sind. Gleiches gilt für viele andere Zytokine.

  • Kann man im TNF-α-Hemmtest auch den antientzündlichen Effekt von nichtselektiven NSAR oder selektiven COX-2-Hemmern untersuchen?

    Das geht nur bedingt. Präparate wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Indometacin, Piroxicam oder Phenylbutazon wie auch die selektiven Cox-2-Hemmer Celexocib hemmen das Enzym Cyclooxygenase (COX). Damit vermindern diese Präparate die Synthese von schmerz- und entzündungsauslösenden Prostaglandinen und Thromboxanen aus der Arachidonsäure. Der TNF-α-Hemmtest erfasst aber nicht die Prostaglandinsynthese (und somit auch nicht deren Hemmung durch Therapeutika), sondern die durch NFκB in Monozyten und Makrophagen initiierte myelomonozytäre Entzündungsreaktion. Diese läuft über TNF-α, IL-1 und IL-6. Auch die Wirksamkeit von Präparaten, welche die Lipoxygenase hemmen (LOX-Hemmer), werden im TNF-α-Hemmtest nicht erfasst.

    Manchmal werden allerdings die Cyclooxygenasehemmer im TNF-α-Hemmtest bewusst mit untersucht, weil es Patienten gibt, bei denen sie die NFκB-induzierte Entzündung sogar fördern. Dieses kann in seltenen Fällen ein Therapieversagen erklären, sogar dann, wenn (was im TNF-Hemmtest aber nicht erkennbar ist) die Prostaglandinsynthese effektiv unterdrückt wird. Insofern ist also ein fehlender TNF-α-hemmender Effekt bei den NSAR und selektiven COX-2- oder LOX-Hemmern tolerabel und spricht nicht gegen die weitere Verabreichung. Bei einem TNF-α-stimulierenden Effekt sollte die Gabe allerdings kritisch überdacht werden,wenn der klinische Erfolg ausbleibt.

    Interessanterweise kommt es bei einigen Patienten aber sogar zur TNF-α-Hemmung, was daraufhin deutet, dass es direkt oder indirekt (über Prostaglandineffekte auf Monozyten) doch zu einer NFκB-Hemmung durch NSAR oder COX-2-Hemmern kommen kann.

  • Kann man im TNF-α-Hemmtest das Ansprechen auf biologicals wie z. B. TNF-alpha-Blocker messen?

    Nein. Diese Präparate bewirken ihren antientzündlichen Effekt nicht über die Hemmung der NFκB-Aktivierung in den Entzündungszellen, sondern sie vermindern die Entzündungssymptome,indem sie die Wirkung von TNF-α an den Zielzellen blockieren. Deshalb werden sie auch als TNF-α-Blocker bezeichnet.

    Etanercept (u. a. Enbrel®) ist ein gentechnisch hergestelltes Fusionsprotein, welches zirkulierendes TNF-α bindet. Es fungiert somit als löslicherTNF-Rezeptor. Das von Etanercept gebundene TNF-α kann dann nicht mehr an seinen natürlichen, an der Zellmembran befindlichen Rezeptorbinden und somit keine Entzündungsprozesse im Organismus auslösen.

    Ein anderes Wirkungsprinzip verfolgen die monoklonalen TNF-Antikörper Adalimumab (z. B. Humira®) und Infliximab (z. B. Remicade®). Diese Antikörper binden ebenfalls an TNF-α, allerdings nicht wie ein Schlüssel, der genau auf das Schloss passt, sondern als ein Anhängsel am TNF-Molekül. Durch die Bindung des Antikörpers an TNF-α verändert sich die Form des Zytokins mit der Folge, dass es nicht mehr in den zellständigen Rezeptor am Zielorgan passt. Der Effekt ist letztlich der gleiche. Die Auslösung oder Verstärkung der entzündlichen Reaktion durch TNF-α an den Organen wird gehemmt.

    Mit dem TNF-α-Hemmtest lassen sich nur Präparate untersuchen, deren Wirkmechanismus es ist, die Aktivierung der NKκB-assoziierten Entzündungskaskarde,messbar von der Sekretion von TNF-α zu reduzieren. Dazu gehören neben Kortison auch viele Phytotherapeutika wie Curcumin, Boswellia-Präparate, Brennessel, Antioxidantien und viele weitere, oft wegen ihrer als antientzündlich bekannten Wirkung genutzten, Präparate.

  • Ist die im TNF-α-Hemmtest ermittelte Präparatewirkung auch auf IL-1 oder IL-6 übertragbar?

    Ja. TNF-α dient im Labortest nur als Markerzytokin für die Aktivierung der Monozyten und Makrophagen. Der Test misst anhand der Freisetzung des TNF-α, ob das jeweilige Präparat einen Einfluss auf die NF?B-assoziierte Entzündungskaskade hat. Die Aussage hinsichtlich der Präparatewirkung ist somit auf IL-1 oder IL-6 übertragbar. Im Vergleich zu diesen Mediatoren hat sich TNF-α als besser und sensitiver herausgestellt, was daran liegt, dass TNF-α das erste Zytokin der Kaskade darstellt und damit der geringsten posttranslationalen Modulation unterliegt. Insofern ist der TNF-α-Hemmtest bei jeder Art einer myelomonozytären Entzündung hilfreich, auch wenn diese durch ein erhöhtes CRP, IL-1 oder IL-6 nachgewiesen wurde. Der TNF-α Hemmtest ist ein globaler Entzündungshemmtest.

    Keine Aussage macht der Test, ob ein Präparat antientzündlich direkt auf Lymphozyten oder Mastzellen wirkt.

     

  • Kann man mit Labortests das individuelle Ansprechen von Patienten auf antientzündliche Präparate untersuchen?

    Ja, man kann untersuchen, welchen Einfluss therapeutische Substanzen in vitro auf Immunzellen von

    Patienten haben. Diese Vortestung mit dem TNF-α-Hemmtest ist dann sinnvoll, wenn man für eine adjuvante, antientzündliche Therapie das individuell wirksamste Präparat vor Therapiebeginn selektieren möchte.

    Beim TNF-α-Hemmtest wird dem Patienten Blut abgenommen und im Labor mit Zellkulturmedium verdünnt. Anschließend wird durch Zugabe von aus bakteriellen Zellwänden gewonnenem Lipopolysaccharid (LPS) in der Zellkultur eine Entzündung induziert (Aktivierung der NFκB-assoziierten Entzündungskaskade). Diese LPS-induzierte TNF-α-Freisetzung stellt den Basiswert dar. In parallelen LPS-induzierten Ansätzen wird untersucht, welchen Einfluss zusätzlich applizierte, antientzündliche Präparate auf die NFκB-Aktivierung und die damit einhergehende Entzündung haben. Wird durch die Gabe eines Präparates der LPS-induzierte TNF-Wert niedriger als der Basiswert ohne Präparat, weist das einen antientzündlichen Effekt nach. Ist der TNF-Wert hingegen höher im Ansatz mit dem Präparat als im Ansatz ohne Präparatzugabe, dann hat das Präparat eine proentzündliche Wirkung und sollte nicht verordnet werden.

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  • Kann man über Zytokinbestimmungen im Blut zwischen bakteriellen und viralen Infektionen unterscheiden?

    Das geht meist nur bei frischen (akuten) Infektionen,nicht aber bei den häufiger zur Frage stehenden chronischen Infektionen. Bei akuten bakteriellen systemischen Infekten steigt neben CRP auch der Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α)und das Interleukin-6 an. Anstiege von PCT und LBP sind nur bei schweren systemischen (meist stationär behandlungsbedürftigen) Infektionen zu beobachten.In der ambulanten Versorgung sind sie entbehrlich.

    Viren induzieren dagegen eine Aktivierung von TH1-Effektorlymphozyten. Das geht mit einem Anstieg von Interferon-gamma (IFN-γ) einher. Das IFN-γ ist im Blut über den Biomarker IP-10 zu erfassen. Zytokine wie Interleukin-2 und Interleukin-12 sind im Serum kaum messbar. Ihre Bestimmung ist unnötig. Ein sensitiver Nachweis der Lymphozytenaktivierung ist über die Bestimmung aktivierter T-Lymphozyten im zellulären Immunprofil möglich.

    Differenzierung zwischen bakteriellen und viralen Infektionen ist in der chronifizierten Phase über Serumzytokine nur eingeschränkt möglich, weil oft sowohl TNF-α als auch IP-10 erhöht sind. Dieses widerspiegelt den komplexen Pathomechanismus der systemischen Inflammation, wo sich Zellen untereinander aktivieren.

    Erschwerend kommt hinzu, dass die Immunabwehr gegen intrazellulär persistierende Bakterien (z. B. Borrelien, Chlamydien, Mycoplasmen, Mykobakterien)eher der Immunantwort gegen Viren als der von Bakterien entspricht, da diese Immunantwort durch T-Lymphozyten getragen wird. Unsere eigenen Untersuchungen haben aber gezeigt, dass bei aktiven (chronischen) Borreliosen und Chlamydieninfekten die Zytokine im Serum häufig nicht ansteigen, d. h. normale Serumzytokine eine aktive(chronische) Infektion mit diesen Erregern nicht ausschließen.

  • Was gehört noch ins Laborprofil der chronischen Entzündung?

    Streng genommen macht nicht nur die Immunaktivierung den Zustand der chronischen Entzündung aus, sondern auch der damit assoziierte oxidative und nitrosative Stress sowie die sekundäre Mitochondriopathie. Daher werden zumeist auch MDA-LDL, Nitrotyrosin und das in Leukozyten gemessene intrazelluläre ATP in das Profil „Chronische Entzündung“aufgenommen. Im IMD hat sich für dieses 6-Analyten-Profil die Bezeichnung „Profil Multisystemerkrankung“durchgesetzt.

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  • Gibt es auf Babesien, Ehrlichien, Bartonellen und Rickettsien einen LTT?

    Nein, weil bisher alle Versuche fehlgeschlagen sind, für diese Erreger analog zum LTT auf Borrelien, Chlamydien oder Yersinien eine verlässliche LTT-Methodik zu entwickeln.

    Das Problem ist die Spezifität. Mit allen kommerziell verfügbaren und bisher von uns untersuchten Testantigenen der vier genannten Bakterien waren viel zu viele gesunde Testprobanden falsch positiv.

    Des Weiteren besteht die Schwierigkeit darin, dass zur T-Zellimmunologie dieser Erreger kaum etwas bekannt und publiziert ist. Der Stand der Forschung zu diesen Erregern ist geradezu verschwindend gering im Vergleich zu Borrelien oder Chlamydien. Deshalb ist es leider so, dass nur die Serologie als diagnostische Methode für Babesien, Ehrlichien, Bartonellen und Rickettsien zur Verfügung steht. Dies ist aber bei chronischen Infektionen wenig hilfreich, weil sie nicht zwischen einer aktiven chronischen Infektion und einem Kontakt in der Vergangenheit unterscheiden kann.

    Etabliert ist die Serologie auf diese Erreger nur zum Nachweis einer frischen Infektion. Mit Ausnahme von Bartonellen wird nur auf IgG und IgM untersucht. Da IgM bei chronischen Infektionen regelhaft negativ ist, kann sie an Hand des IgGs lediglich einen stattgefundenen Kontakt anzeigen, wobei auch hier die Sensitivität und Spezifität unbefriedigend sind. Lediglich bei den Bartonellen, wo IgG in ca. 35 % der Patienten positiv ist, zeigt sie an, bei welchen Patienten eine aktive Infektion zumindest zu erwägen ist. Am IMD wird deshalb intensiv an adäquaten Alternativen gearbeitet. Das VEGF ist für die Bartonellen ein erster Lichtblick, denn hohe Werte sprechen für eine aktive Infektion. 

    Die Strategie des intrazellulären Überlebens von Bartonellen

     

  • Mit welchen Labormarkern kann man die chronische Entzündung nachweisen?

    Unser Organismus verfügt über drei Entzündungssysteme, die von den unterschiedlichen Auslösern (Triggerfaktoren) differenziert aktiviert werden. So aktivieren Viren, intrazelluläre Bakterien, Tumorantigene oder auch Metalle eher die TH1-Lymphozyten (lymphozytäre Entzündung). Das unspezifische myelomonozytäre Immunsystem mit den Monozyten,Granulozyten und Makrophagen wird durch extrazelluläre Bakterien, Immunkomplexe oder auch Partikel (einschließlich Titanoxid) aktiviert.

    Die Aktivierung von Mastzellen und damit die Induktion der mastzellassoziierten Entzündung erfolgt durch Allergene, aber auch durch Bakterien und zahlreiche Umweltschadstoffe. Daraus leitet sich ab, dass wir mindestens drei Entzündungsmarker messen müssen, um alle drei Entzündungssysteme sicher zu erfassen. Das sind für die myelomonozytäre Entzündung das TNF-α, für die Lymphozyten das IFN-γ (welches allerdings über seinen Biomarker IP-10 im Blut analysiert wird) sowie für Mastzellen das Histamin (im Vollblut).

  • Was sind Labormarker für die sekundäre Mitochondriopathie und welche sind eher abzulehnen?

    Ein verminderter ATP-Wert zeigt eine Stoffwechselstörung in den Mitochondrien an, weshalb das ATP-intrazellulär (gemessen in Leukozyten, die aus dem Blut des Patienten isoliert werden) ein wichtiger und direkter Marker für die sekundäre Mitochondriopathie ist. Für die Messung des ATP wird ausschließlich Heparinblut verwendet, da andere gängige Antikoagulantien wie Citrat oder EDTA durch ihre Kalziumblockade zahlreiche Zellstoffwechselprozesse „künstlich“ hemmen. Das Heparinblut darf zwischen Blutabnahme und Laboranalyse keinen signifikanten Temperaturschwankungen ausgesetzt sein und muss zügig (ca. 24 h), d. h. per Kurier ins Analyselabor gelangen.

    Ein weiterer, (indirekter) Marker für die sekundäreMitochondriopathie ist ein Anstieg der Laktat /Pyruvat-Ratio. Bei gestörter Mitochondrienfunktion wird Pyruvat nicht ausreichend in Acetyl-CoA umgewandelt, sondern vermehrt zu Laktat reduziert. Bei der Bestimmung von Laktat und Pyruvat ist darauf zu achten, dass beide Metaboliten in Natriumfluorid (NaF)-antikoaguliertem Blut bestimmt werden, da NaF die Glykolyse auf dem Transport in das Labor hemmt.

    Nicht geeignet als Marker für die Mitochondriopathie sind die LDH-Isoenzyme und die M2PK. Die LDH-Isoenzyme haben nur dann eine Aussage, wenn die Blutprobe unmittelbar nach Blutabnahme hochtourig zentrifugiert wird, da ansonsten eine eintretende Hämolyse der Erythrozyten zu falsch erhöhten Werten für die LDH4 und LDH5 führt. Unsere Erfahrung ist, dass nach der Zentrifugation mit den üblicherweise in Praxen vorhandenen Zentrifugen noch zu viele Erythrozyten im Überstand sind.

    Die M2PK ist eine Isoform der Pyruvatkinase, die in einigen Tumorzellen über exprimiert wird. Deshalb hat die M2PK im Stuhl eine gewisse Bedeutung in der Darmkrebsdiagnostik erlangt. Allerdings wird die M2PK in allen schnell proliferierenden Zellen auch ohne tumoröse Entartung exprimiert, z. B. bei lokalen aber auch systemischen Entzündungen;weshalb sie als diagnosticher Marker zur Tumorsuche eine relativ geringe Spezifität besitzt.Das erklärt auch, warum M2PK im EDTA-Blut sehr häufig bei Patienten mit Entzündungserkrankungen ansteigt und letztlich eher zu Verunsicherungen führt.

  • Wie erfolgt die Messung der Bioaktivität von Vitamine im Labor?

    Die am häufigsten angewandte Methode für den Nachweis des Vitaminenspiegels ist die Mengenbestimmung mittels chromatographischer Analyseverfahren (u. a. HPLC). Dieses kann im Serum, EDTA-Plasma oder auch intrazellulär erfolgen (im Blutkuchen nach Abtrennung flüssiger Blutbestandteile). Dieses quantitative Verfahren differenziert jedoch nicht zwischen aktiven und inaktiven Vitaminmetaboliten. Die Blutproben für die Bestimmung der Vitaminaktivität (ID-Vit®) werden enzymatisch vorbehandelt und verdünnt in eine Mikrotiterplatte gegeben, die je nach Vitamin mit vitaminsensitiven Lactobacillus fermentum, Lactobacillus rhamnosus bzw. Saccharomyces cerevisiae beschichtet sind. Das für jedes Vitamin individuell zusammengesetzte Medium enthält alle für ein Bakterien-/ Hefewachstum notwendigen Bestandteile mit Ausnahme des jeweils zu messenden Vitamins. Nach Zugabe des Patientenblutes wächst die Bakterienkultur, bis das (aktive) Vitamin aufgebraucht ist. Das Wachstum der Bakterien wird nach 72 h als Trübung im Photometer gemessen und mit einer Standard-Konzentrationsreihe verglichen. Die Menge an bioaktivem Vitamin im zugegebenen Patientenblut ist dabei direkt proportional zum Bakterien-/ Hefewachstum.

  • Wie können Umwelttrigger zu chronischer Entzündung führen?

    Die Prävalenz chronisch verlaufender Entzündungserkrankungen nimmt in allen industrialisierten Ländern zu. Zu diesen Erkrankungen zählen Allergien, rheumatische Erkrankungen, Magen-, Darm- oder Schilddrüsenkrankheiten, Herz-Kreislauferkrankungen sowie die Parodontitis und andere chronische Infektionen. Die Fortschritte der Hochleistungsmedizin haben die Komplikationen der Erkrankungen gemindert, nicht aber deren Häufigkeit.

    Warum werden chronisch entzündliche Erkrankungenhäufiger?
    Im Gegensatz zur akuten Entzündung, die eine notwendige Reaktion unseres Organismus auf pathogene Eindringlinge wie Bakterien, Viren oder Pilze darstellt, ist die chronische Entzündung immer Folge einer gestörten Immuntoleranz. Ein gesundes Immunsystem kann exogene Triggerfaktoren tolerieren und eine Entzündung dem Ausmaß der tatsächlichen Bedrohung anpassen. Bei chronischen Entzündungserkrankungen handelt es sich um eine andauernde Überreaktion des Immunsystems auf zumeist harmlose Triggerfaktoren.

    Was bewirken die Triggerfaktoren?
    Die Abbildung zeigt die Vielfalt möglicher relevanter Auslöser einer chronischen Entzündung und soll symbolisieren, dass bei einem Patienten oft mehrere gleichzeitig einwirkende Triggerfaktoren von Bedeutung sind. In Abhängigkeit von der vorliegenden Exposition (Belastung) und den individuellen Reizschwellen (individuelle Sensibilisierung und genetische Prädispositionen?) stören die auf den Organismus einwirkenden Triggerfaktoren die Regulationstetrade aus Immunaktivierung, oxidativem und nitrosativem Stress sowie der Mitochondrienfunktion. Diese Regulationstetrade ist das Brückenglied zwischen den endogenen und exogenen Umweltfaktoren und der bei chronischen Entzündungserkrankungen gestörten Immuntoleranz.

  • Warum ist bei der Messung des intrazellulären ATPs in den Laborbefunden immer von der „sekundären“ Mitochondriopathie die Rede?

    Mitochondriopathien sind Erkrankungen, die durcheine Fehlfunktion oder Schädigung der Mitochondrien verursacht werden. Sie manifestieren sich durch die reduzierte Fähigkeit zur Bereitstellung der Energie (in Form von ATP) in den Körperzellen.Es werden zwei Formen der Mitochondriopathien unterschieden: ererbte (primäre) und durch Umwelteinflüsse oder chronische Entzündungsprozesse erworbene Mitochondriopathien. Letztere werden als sekundäre Mitochondriopathien bezeichnet. Primäre Mitochondriopathien entstehen durch Mutationen in Genen, die für Strukturen oder den Stoffwechsel der Mitochondrien wichtig sind.Primäre Mitochondriopathien sind sehr selten,die Symptomatik ist meist schwer und die Erkrankungen werden frühzeitig diagnostiziert. Insbesondere Organe mit hohem Energieverbrauch wie Gehirn, Herz oder Skelettmuskulatur sind beeinträchtigt. Die Diagnose „Primäre Mitochondriopathie“ wird durch eine Muskelbiopsie und genetische Analysen gesichert. Bei Patienten mit chronischen Entzündungserkrankungen handelt es sich ausschließlich um die sekundäre (erworbene) Form.Die Diagnostik der sekundären Mitochondriopathie erfolgt durch die Messung des intrazellulären ATPsin aus dem Blut gewonnenen Leukozyten. Für die primäre Mitochondriopathie ist die Messung desintrazellulären ATP ohne Bedeutung.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 245

  • Warum ist CRP ungeeignet zum Nachweis chronischer Entzündungen?

    Das C-reaktive Protein (CRP) ist lediglich geeignet zum Nachweis einer akuten bzw. schwerwiegenden Entzündung, v. a. der akuten bakteriellen Infektion oder auch zum Nachweis einer Aktivitätsphase bei systemischen Autoimmunerkrankungen. CRP ist nicht geeignet zum Nachweis der Aktivierung des T-zellulären Immunsystems oder der Mastzellen, weil es in deren Mediatorkaskaden nicht vorkommt und allenfalls moderat durch Kreuzaktivierungen mit freigesetzt wird. Bei chronischen und latenten Verlaufsformen ist das CRP aber selbst zum Nachweis der myelomonozytären Entzündung zu wenig sensitiv, da es erst am Ende der Inflammationskaskade steht und nicht von den Entzündungszellen selbst, sondern von der Leber freigesetzt wird. Das betrifft auch das hoch-sensitive CRP, wo das CRP nur mit anderen Tests gemessen wird, welche den idealen Messbereich im niedrigeren Bereich haben. Zum Nachweis der latenten und chronischen myelomonozytären Entzündung ist der Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-?) besser geeignet, da dieses Zytokin am Beginn der Entzündungskaskade steht. Allerdings sollte auch wegen der geringen Kosten das hochsensitive CRP möglichst immer mitbestimmt werden, denn es oft der Differenzierung zwischen bakteriellen und nicht-bakteriellen (viralen, allergenen) Prozessen dient.

    Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Diagnostikinformation Nr.: 198